“…macht Euch die Erde untertan” - archäologische Hinweise auf den Umfang frühmittelalterlicher Eisenproduktion am Amberger Erzberg bei Eglsee

Friday, 17. June 2016 10:20

Hier nun ein aktuelles Update zu unseren Ausgrabungen im Baugebiet Drillingsfeld 2 (Stadt Amberg).
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Die Befundsituation belegt eindrucksvoll, wie sehr der Mensch wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert in den Naturraum der heutigen Oberpfalz eingegriffen hat und wie stark sich hierdurch die Landschaft veränderte. Anhand der angetroffenen archäologischen Befunde und der Bodenprofile lässt sich nämlich zeigen, dass es am Südhang des Amberger Erzberges im Frühmittelalter erhebliche Bodenverluste durch Erosion gegeben haben muss. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Grund hierfür die großflächige Rodung der Hänge zur Holzkohlegewinnung im Zusammenhang mit der Eisenerzverhüttung und der Weiterverarbeitung des gewonnenen Eisens war. Im gesamten, etwa 4 Hektar großen Areal waren aufgrund dieser Erosionsvorgänge des Frühmittelalters daher leider nur noch wenige archäologische Strukturen anzutreffen, die sich zudem nurmehr sehr flach erhalten hatten. Darunter befand sich ein frühmittelalterliches Grubenhaus im oberen Hangabschnitt, das Keramik des 7./8. Jahrhunderts erbrachte.
In der Niederung ließen sich mehrere alte Bachläufe nachweisen, an deren Rändern intensiv Eisenverhüttung stattgefunden haben muss, denn die Sohlen der nur noch etwa 20 bis 30 cm tief erhaltenen Bachbetten waren extrem stark mit Eisenverhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, geröstetem und gepochtem Eisenerz sowie Ofenresten, darunter auch mehrere Verschlusssteine zum Abdichten des Ofenmundlochs, verfült. Durch das “Mundloch” konnte die Schlacke aus dem Ofenschacht abgestochen werden und in eine Grube oder einen Kanal vor dem Ofen abfließen. Die oberen Ränder der Bachläufe und die Öfen selbst waren ebenfalls durch die starke Erosion abgegangen und von eingeschwemmten Bodenmaterial (sog. Kolluvium) überlagert. Die Bachläufe mündeten am Fuß des Hanges ein eine breite, wohl sumpfige Senke, an deren Rand sich ein gut erhaltener, auffallend großer Rennfeuerofen zur Eisenverhüttung fand. Dieser wurde wahrscheinlich an gleicher Stelle mehrfach erneuert. Weit über 200 kg Schlacke und Luppenreste haben wir bislang aus den Resten dieses Verhüttungsofens geborgen. Außerdem fanden sich zahlreiche Fragmente von verschlackten Düsenziegeln, über die die Luft mit Hilfe von Blasebälgen in den Ofen eingeblasen wurde. Zudem lässt sich an diesem Ofen erkennen, dass die Hüttenleute verstärkt quarzhaltigen Sand als silikatisches Flussmittel einsetzten, um so den Reduktionsvorgang innerhalb des Ofens während der Verhüttung zu optimieren. Die Keramikfunde weisen den Ofen wahrscheinlich dem 8., möglicherweise sogar dem späten 7. Jahrhundert n. Chr. zu. Dankenswerterweise finanziert die Stadt Amberg als Auftraggeber einige 14C-Untersuchungen zu den Befunden, so dass wir hoffentlich bald weitere Aufschlüsse zum Alter der frühen Eisenindustrie am Hang des Erzberges bei Alt-Eglsee erhalten. Wir werden Euch über die Ergebnisse informieren.

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(c) Bilder M. Hensch, Schauhütte Archäologie

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Frühmittelalterliche Köhlerei am Amberger Erzberg

Sunday, 22. May 2016 21:04

Unser Auftakt zur archäologischen Begleitung im Neubaugebiet Drillingsfeld im Amberger Ortsteil Eglsee. Nach den 14C-Daten wurde in diesem Grubenmeiler vor rund 1300 Jahren am Südhang des Amberger Erzberges Holzkohle zur Verhüttung der hier anstehenden Eisenerze hergestellt. Der Meiler war etwa 4 x 3,6 m groß und wahrscheinlich mindestens 0,7 m tief. Er konnte also eine stattliche Menge an Holzscheiten aufnehmen. Die Holzkohle wurde gewonnen, indem man frisches Holz unter Luftabschluss durch Schwelen verkohlte. Dabei fand eine thermochemische Reaktion statt, bei der u.a. Wasser, Kohlenmonoxid und andere Gase sowie Teer entweichen konnten und fast reiner Kohlenstoff als Holzkohle zurückblieb. Die Herstellung von Holzkohle in einem Grubenmeiler gilt als ältestes bekanntes Verfahren der Köhlerei. In einer Grube von in der Regel etwa 0,7 bis 0,9 m Tiefe und wenigen Metern Durchmesser wurden Holzscheite geschlichtet und anschließend mit Erde oder auch mit Grassoden abgedeckt. Zur Verkohlung musste der Meiler entweder angezündet werden, so dass bei geringer Luftzufuhr ein Teil des Holzes verbrennen, das umliegende Holz aber verkohlen konnte. Möglich war auch, bereits beim Stapeln der Holzscheite glühende Kohle in die Grube einzufüllen oder das Holz auf glühende Asche bzw. Holzkohlen zu stapeln. Dabei war es anschließend sehr wichtig, dass der Meiler am Schwelen gehalten wurde, ohne dass das Holz zu verbrennen begann. Ein kleiner Grubenmeiler konnte schon etwa einen Tag nach dem Anfahren geöffnet und die Holzkohle entnommen werden. Größere Meiler waren auch deutlich länger in Betrieb.
Etwa sieben bis acht Tonnen Holz wurden benötigt, um eine Tonne Holzkohle herzustellen. Zur Holzkohlegewinnung, setzte man im Mittelalter daher u.a. “Bäume auf Stock”. Hierzu wurde der Baum rund einen Meter über dem Boden gekappt, so dass sehr schnell armdicke Äste nachwuchsen. Das Spalten des Holzes zur Verwendung im Grubenenmeiler konnte so zum Teil entfallen. Zudem wurde durch diese Art der Waldwirtschaft eine höhere quantiative Ausbeute von Brennholz erreicht.

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Rund 10 Kilogramm Holzkohle aus dem Grubenmeiler in Eglsee werden zur Zeit auf die Holzartenzusammensetzung von Franz Herzig am Dendrolabor des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege untersucht. Wir können gespannt sein, welche Bäume am Erzberg zur Holzkohleherstellung im 8. Jahrhundert gefällt wurden. Wie stark der Mensch schon im 8. und 9. Jahrhundert in den Holzbestand der mittleren Oberpfalz eingriff, zeigen erste Untersuchungen an Holzkohlen aus Kümmersbruck. Hier finden sich fast nur noch dünne Äste und Stämme, vorwiegend von Erlen, die für die Erreichung der bei Schmieden von Klingen zum Feuerverschweißen benötigten Temperaturen nicht mehr geeignet waren. Möglicherweise war dies der Grund, warum die Produktion am Bachweg in Kümmersbruck nach der Dendrodatierung eines Stücks Buchenholzkohle im Jahr 886 eingestellt werden musste.

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Neues aus Umelsdorf: Hinweise auf eine frühmittelalterliche Vorgängerbebauung im Bereich der Nikolauskirche

Thursday, 19. May 2016 5:26

Neues und hoch Spannendes aus dem schönen Umelsdorf bei Kastl im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach: Die Radiokarbondaten zu den beiden frühen Steinbauten unter der heute stehenden romanischen Nikolauskirche aus dem frühen 12. Jahrhundert sind da. Die Holzkohlen aus dem Setzmörtel der Südmauer am Apsiseinzug der Vorgängerkirche erbrachten Datierungen in den Zeitraum von 665 bis 775 n. Chr., die Datierungen des westlich dieser Steinkirche stehenden Gebäudes gehören in den Zeitraum von 895 bis 1020 n. Chr. Demnach ist es wahrscheinlich, dass Umelsdorf eine der ältesten bekannten Kirchengründungen in der heutigen Oberpfalz besitzt. Hierbei dürfte frühkarolingischer Einfluss des nahe gelegenen Königshofs in Lauterhofen, der bereits vor 788 bestand und dem letzten agilofingischen Herzog Tassilo III. von Karl dem Großen als Lehen verliehen worden war, eine entscheidene Rolle gespielt haben.
Bei dem westlich anschließenden Gebäude könnte es sich um einen Saalbau bzw. Repräsentationsbau des 10. Jahrhunderts gehandelt haben, der mit nur sehr geringem Abstand unmittelbar westlich der Kirche stand. Derartige Baukonzeptionen, in der Bauwerke unterschiedlicher Funktion in axialer oder aber rechtwinkliger Ausrichtung mit sehr geringem Abstand nebeneinander standen, sind für das 9./10. Jahrhundert mehrfach bekannt, in der mittleren Oberpfalz etwa von der Adelscurtis Schmalnohe oder dem Burgzentrum Sulzbach.
Spannend ist auch, dass die im Urkataster verzeichneten Parzellenfluchten um die Kirche, die noch heute im Wesentlichen erhalten sind, mit den Baufluchten der Steingebäude des frühen Mittelalters weitgehend übereinstimmen, während die Kirche des frühen 12. Jahrhunderts gegenüber diesen Grenzen im Kataster deutlich nach Süden gedreht liegt. Die Ausrichtung der Parzellierung um die Kirche könnte somit ihren Ursprung in der frühmittelalterlichen Situation eines karolingischen Herrenhofs haben.
Für die Beurteilung der frühmittelalterlichen Herrschafts- und Kirchengeschichte im Raum Lauterhofen-Amberg-Sulzbach sind die Befunde aus Umelsdorf ein ganz wichtiger Puzzlestein. Im Zuge der weiteren Sanierung der Nikolauskirche werden wir diese frühen Gebäude hoffentlich noch einmal genauer unter die Lupe nehmen können.
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Bilder (c) M. Hensch, G. Gresik, Schauhütte Archäologie, Bayer. Vermessungsverwaltung (Plangrundlage)

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Beginn der Untersuchungen am Drillingsfeld bei Amberg-Eglsee

Thursday, 12. May 2016 18:48

Nach Pfingsten beginnen wir mit ersten archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der Erweiterung des Neubaugebiets Drillingsfeld zwischen Eglsee und Alt-Eglsee bei Amberg. Die ersten Sondagen hatten im letzten Jahr Hinweise auf Köhlerei- und Montantätigkeiten der Karolingerzeit am Südwesthang des Amberger Erzbergs nördlich des Speckmannshofer Bachs erbracht. Wir sind sehr gespannt, was da unter dem Humus auf uns wartet. Interessierte Besucher sind jederzeit willlkommen.

Bild (c) Oberpfalznetz / Der Neue Tag
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Ein Lebensbild des 11. Jahrhunderts der Curtis Dominicalis Smalnaha / Schmalnohe

Thursday, 5. May 2016 17:14

Smalnaha / Schmalnohe - “Curtis Dominicalis”.
Für eine Informationstafel zu unseren Ausgrabungen im Bereich des früh- und hochmittelalterlichen Herrenhofs in Schmalnohe bei Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach haben wir ein Lebensbild des 11. Jahrhunderts als Idealrekonstruktion entworfen, das von Grafiker und Museumsleiter Roger Mayrock (Kempten) grafisch umgesetzt wurde. Es zeigt den befestigten Hof mit der möglicherweise karolingischen Kirche St. Martin und dem von uns ausgegrabenen repräsentativen Steinbau, der wohl aus dem 10. Jahrhundert stammt. Daneben sollen bäuerliche Wirtschafts- und Wohngebäude mit Vollwalm- und Satteldächern sowie Grubenhäuser den ökonomischen Charakter eines solchen herrschaftlichen Platzes während des Mittelalters anzeigen.
Wir finden, es ist ein eindrucksvolles Bild geworden, das dem Besucher einen guten Eindruck vermitteln kann, wie derartige Herrenhöfe vom 9. bis zum 12. Jahrhundert ausgesehen haben könnten. Die Schautafel mit Informationen zur Archäologie und Siedlungsgeschichte Schmalnohes wurde dankenwerterweise von der Gemeinde Edelsfeld finanziert und wird in kürze im Bereich der Ausgrabungsflächen aufgestellt werden.

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Bild (c) R. Mayrock, Kempten, nach Vorlage M. Hensch (Schwaighausen)

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Neues aus Umelsdorfs Frühzeit

Sunday, 24. April 2016 16:16

Neues aus dem schönen Umelsdorf bei Kastl im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach. Die sehenswerte romanische St. Nikolaus-Kirche hatte einen steinernen Vorgängerbau!

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Diese ältere Kirche war nach Osten hin etwas kürzer als ihr Nachfolger des 12. Jahrhunderts und gegenüber diesem leicht nach Süden verschoben. Mit großer Wahrscheinlichkeit besaß sie als Chorabschluss eine halbrunde Apsis. In den kleinen Sondagen, die zur Beurteilung der Statik des heute stehenden Kirchleins angelgt werden mussten, konnten wir u.a. ein Teilstück der Südwand und den südlichen Choreinzug dieser wahrscheinlich vorromanischen Kirche untersuchen. Das Mauerwerk bestand aus vermörtelten Lesesteinen, wie es im Raum Lauterhofen-Sulzbach charakteristisch für den frühen Steinbau der karolingischen, ottonischen und frühsalischen Zeit ist. An der Innenseite dieser Wand hatten sich Reste des ursprünglichen, weiß getünchten Innenputzes erhalten, der zur Bestandszeit der Kirche mindestens einmal erneuert wurde. Die frühe Kirche war gegenüber ihrem Nachfolger deutlich mehr nach Norden gedreht und damit nicht genau geostet.
In der Bauflucht der frühen Kirche stand zudem ein weiteres Steingebäude, das möglicherweise profan genutzt wurde. Von diesem haben wir ein kleines Teilstück westlich der heutigen Kirche untersuchen können. Auch dieser Steinbau muss älter sein, als die heutige Kirche des 12. Jahrhunderts.
Holzkohlen aus den Setzmörteln beider früher Steinbauten befinden sich bereits zur Altersbestimmung bei Beta-Analytic in den USA… Wir werden Euch berichten, wenn die Ergebnisse vorliegen.

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Der Pfahlrost einer hölzernen Brücke an der Alten Straße in Sulzbach

Friday, 22. April 2016 20:58

Der Neubau der Brücke über den Erlbach in Sulzbach (Stadt Sulzbach-Rosenberg) bietet einen Einblick in die Konstruktion vorbetonzeitlicher Brücken. Der Bachübergang liegt im Bereich Alte Straße - Erlheimer Weg, einer der ältesten Altwegeverbindungen von Ostranken nach Böhmen, die besonders im Mittelalter und der frühen Neuzeit stark frequentiert war. Ein Strang der sog. Goldenen Straße quert an dieser Stelle den wasserreichen Bachlauf.
Wir begleiten seit heute die Baumaßnahmen an dieser Stelle archäologisch und sind heute fündig geworden. Ein Rost aus mindestens acht parallelen Reihen von hochgrechnet etwa 60, teilweise bis zu 7 m unter die heutige Oberfläche reichenden Holzpfählen kam im Bereich des Altwegeübergang zum Vorschein und wird sukkzesive dokumentiert. Jeder der Pfosten ist unten angespitzt und metertief in das Bachbett eingerammt worden. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Jochbrücke, wobei allerdings die dichte Setzung der Pfähle bemerkenswert ist. Da in der Uraufnahme an dieser Stelle keine Brücke verzeichnet ist, könnte die Konstruktion auch erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts, vielleicht sogar erst im 20. Jahrhundert entstanden sein. Hierfür mögen die große Einrammtiefe einiger Pfähle und die Breite der Brücke sprechen, die der heutigen Fahrbahnbreite entspricht. Da alle Stämme roh belassen wurden und zudem in dem nassen und lehmigen Untergrund hervorragend erhalten sind, dürfte eine dendrochronologische Datierung möglich sein. Das wird spannend…Einen Pressebericht zu den laufenden Untersuchungen finden Sie hier.

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Bild unten (c): A. Royer, Der Neue Tag, Sulzbach-Rosenberger Zeitung

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Im Jahr, als dänische Wikinger Paris belagerten, legten die Schmiede am Krumbach den Hammer nieder…

Wednesday, 20. April 2016 4:53

Im 9. Jahrhundert belagerten dänische Wikinger eine der Hauptstädte des westfränkischen Reiches - Paris. Die Belagerung geschah in dem Jahr, in dem die Schmiede am Krumbach in Kümmersbruck ihre Hämmer für immer niederlegten und die Produktion von Messern, Sicheln, Schlössern und Schlüsseln, Geschossspitzen und Schwertern an diesem Platz einstellten…
Der Dendrochronologe Franz Herzig vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Thierhaupten konnte nun im Zuge von Voruntersuchungen an Holzkohlen unserer Grabung in Kümmersbruck nicht allein zahlreiche Baumarten bestimmen, sondern auch die Fällung einer Buche zur letzten Holzkohleproduktion unmittelbar vor der Aufgabe der Produktion auf das Jahr 886 n. Chr. datieren - das Jahr der Belagerung von Paris durch die Wikinger und das letzte Regierungsjahr Kaiser Karls III., des jüngsten Sohns Ludwig des Deutschen! Somit haben wir eine absolute Datierung zum Ende unseres Handwerkerareals. Das ist großartig.

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Darstellung einer Hochesse im Utrechter Psalter, um 820 n. Chr. (Universitetsbibliothek Utrecht, Niederlande)
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Schlüssel aus dem Jahr 886 n. Chr. aus einer Esse am Kümmersbrucker Bachweg Foto (c): Bayerischer Rundfunk

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Frühmittelalterliche Eisenerzverhüttung am Högenbach in Hartmannshof

Friday, 15. April 2016 22:02

Ein weiteres Puzzelstück zu unserer Kenntnis über die frühmittelalterliche Eisenerzeugung auf der mittleren Frankenalb - die Radiokarbondaten zum Verhüttungsofen aus Hartmannshof, den Kreisheimatpfleger Werner Sörgel vor einigen Jahren notdokumentiert hat, sind da… Schon die im Umfeld des Ofens gefundene Keramik deutete es an, der Ofen gehört zu den ältesten Nachweisen mittelalterlicher Eisenerzverhüttung im “Ruhrgebiet des Mittelalters” auf der mittleren Frankenalb: Die Holzkohle aus dem Ofenlehm erbrachte ein Radiokarbonalter von 1290 +/- 30 Jahren vor 1950, was einem Kalenderalter zwischen 660 und 770 n. Chr. enspricht. Der sicherlich größere Verhüttungsplatz befand sich in charakteristischer Bachnähe, südlich des Högenbachs. Im Nahbereich von Hartmannhof finden sich ausdehnte Alberzgänge, die zudem an den wichtigsten Passrouten zwischen Hersbruck und Sulzbach liegen. Der Ofen belget, dass die Erze an den verkehrsgeographisch und herrschaftsgeschichtlich wichtigen Wegeverbindungen bereits in spätmerowingisch-frühkarolingsicher Zeit aufgeschlossen und verhüttet wurden, das Eisen sicherlich auch in größerem Umfang weiterverarbeitet wurde. Die Ergebnisse werden zeitnah in eine Publikation zum montangeschichtlichen Kontext des frühmittelalterlichen Verhüttungsofens einfließen. Einmal mehr zeigt sich hier aber exemplarisch die Notwendigkeit der festen Etablierung eines professionellen Stützpunktes für Montanarchäologie in der westlichen Oberpfalz und im östlich angrenzenden mittelfränkischen Raum. Wir danken Werner Sörgel (Hartmannshof) für die vertrauensvolle Kooperation.

(c) Mathias Hensch

Bildrechte Uraufnahme (c): Bayerische Vermessungsverwaltung

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Der Turm des Hartnit de Tiuren - ein 900 Jahre alter Campanile in Theuern

Thursday, 14. April 2016 17:25

Wir bleiben in Theuern - allerdings auf festem Grund - offenbar im Bereich der Curtis des Harnit de Tiuren: Zur Zeit begleiten wir die Außensanierung der St. Nikolaus-Kirche. Der Kirchensaal setzt im Nordwesten an einen bemerkenswerten älteren Glockenturm an. Dieser Turm ist von erstaunlicher Bauqualität und in einem bemerkenswerten, weitgehend originalen Erhaltungszustand bis einschließlich der Glockenstube. Die Außenschalen bestehen in den freigelegten unteren Mauerpartien aus mittelgroßen und großen, ursprünglich sehr sauber flächig abgearbeiteten Kalksteinquadern, die sehr horizontal-lagig versetzt wurden. Im Inneren findet sich äußerst qualitätvolles Kleinquadermauerwerk mit Fugenkellenstrich (sog. pietra-rasa-Verputz) und originalen Schlämmen. IN jeder Geschossebene sind originaleLichtschlitze erhalten. Der Turm stand ursprünglich frei, er war als Campanile konzipiert. An seiner Südostecke hat sich im Bereich des heutigen Zugangs in das Dachwerk der Kirche relativ großflächig ein wohl vorgotischer Außenputz erhalten, der ocker gefasst war und eine weiße Quaderstrichbemalung aufweist. Dieser Putz mit Unterputz könnte möglicherweise noch zur ersten Bauphase des Turms gehören.

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Der Turm besaß zur Erbauungszeit erstaunlicherweise offenbar drei (!) Zugänge. Eine heute zum einem Fenster reduzierte Zugangstür in der Westwand dürfte ursprünglich in mindestens 3 m Höhe gelegen haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Turm hier über eine Holzbrücke mit einem westlich stehenden profanen Bauwerk verbunden war.
Das gilt auch für den zweiten, heute durch eine relativ frühe Veränderung veunklarte Zuganssituation in der Südwand des Turms. Diese Tür befand sich ursprünglich wahrscheinlich auf gleicher Höhe wie die Tür in der Turmwestwand, da die Ansätze beider Schwellensituationen im Inneren auf gleicher Höhe liegen. Somit würde dann auch diese Tür, deren westliche Laibung erhalten ist, auf ein weiteres (?) wahrscheinlich profanes Gebäude hinweisen, das südlich bzw. südwestlich von Turm und Kirche stand und über einen hölzernen Hochsteg mit dem Turm verbunden war. Möglich ist auch ein L-förmiger Baukörper westlich des Turms. Die Abnahme des Putzes am Außenbau bis auf etwa 4 m Höhe am Turm wird sicherlich zu den ursprünglichen Zugängen genauere Aussagen ermöglichen.
imgp6844.JPG Der dritte Eingang scheint ebenfalls bauzeitlich zu sein. Er befand sich in der mitte der Ostwand des Turms und ist heute nur noch in seinem oberen Drittel zu sehen. In gotischer Zeit wurde diese Tür als Durchgang von der nun breiteren Kirche in den Turm genutzt. Die Tür ist auch von innen in der Kirchenwestwand noch gut sichtbar. Aufgrund der Laibungen im Inneren des Turms dürfte es sich aber ursprünglich um einen ebenerdigen Zugang in den Turm handeln, der vom Freien in den Turm führte. Genau diese Situation findet sich auch beim Stephansturm im nahen ensdorf aus dem Jahr 1075, hier jedoch in der Westwand. Anhand der Mauertechnik dürfte der Theuerner Turm etwa in der Zeit um 1100 bis ca. 1125 entstanden sein. Er dürfte zu den am besten erhaltenen und ältesten Glockentürmen (und möglicherweise profan genutzten Türmen, s.u.) der Oberpfalz gehören. Für eine 14C-Datierung konnten wir Holzkohlen aus dem Setzmörtel der 1. Bauphase isolieren.
Die Befunde am Turm belegen außerdem, dass die romanische Kirche wahrscheinlich nach Süden mit ihrer Nordwestecke an die Südostecke des Turms anschloss – Turm und Kirche standen demnach wie in Ensdorf wohl Ecke an Ecke. Setzt man voraus, dass die gotsiche Kirche nach Süden die Ausdehnung ihres romanischen Vorgägners übernahm, so hätte letzterer folglich eine Breite von nur etwa 5,5 m gehabt.
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Es ist sehr wahrscheinlich, dass Kirche und Turm ursprünglich zur Curtis (Herrenhof) des bereits um 1092 genannten Ministerialgeschlechts der Herren von Theuern gehören. Zudem ist Theuern im 12. Jahrhundert als Gerichtsstätte überliefert. Die Herren von Theuern zählten in salischer und frühstaufischer Zeit eindeutig und ohne Zweifel zum Gefolge der mächtigen Sulzbacher Grafen auf dem Nordgau. Diese herrschaftliche Zugehörigkeit erklärt wohl die herausragende Bauqualität des Turms. Aufgrund seiner Größe, der lichten Weite und seiner mehrfachen Erschließung könnteder Turm vielleicht uch als Wohnturm des Adelssitzes gedient haben. Ohne Zweifel belegt der Turm der Nikolauskirche aber eine architektonisch herausragende Ausstattung dieser Curtis der Sulzbacher Gefolgsleute in Theuern.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Kirche und Turm ursprünglich zur Curtis des bereits um 1092 genannten Ministerialgeschlechts der Herren von Theuern gehören. Zudem ist Theuern im 12. Jahrhundert als Gerichtsstätte überliefert. Die Herren von Theuern gehörten in salischer und frühstaufischer Zeit eindeutig zum Gefolge der Sulzbacher Grafen auf dem Nordgau. Diese herrschaftliche Zugehörigkeit erklärt wohl die herausragende Bauqualität des Turms. Aufgrund der Größe, lichten Weite des Glockenturms und aufgrund seiner mehrfachen Erschließung ist außerdem zu diskutieren, ob der Turm nicht auch als Wohnturm des Adelssitzes gedient haben kann. Ohne Zweifel belegt der Turm der Nikolauskirche eine architektonisch herausragende Ausstattung dieser Curtis der Sulzbacher Gefolgsleute in Theuern.

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