Die alte Kirche St. Johannes Nepomuk in Letzau

Die Kirche vor dem Abbruch Die archäologische Untersuchung des Standorts der ehemaligen Expositurkirche St. Johannes Nepomuk in Letzau (Lkr. Neustadt an der Waldnaab) erbrachte eine Anzahl an Ergebnissen zur neuzeitlichen Baugeschichte des Kirchleins.Blick auf den nordwestlichen Teil der Fläche

Baualtersplan der Kirche in Letzau Ältester archäologisch nachzuweisener Bau war eine kleine Stein-(?)Kapelle von etwa 7,70 m Länge und nach der schrifltichen Überlieferung 5,60 m Breite (Bau I). Die Schriftquellen überliefern das Baujahr 1773. Die Südwand und die Westwand von Bau I hatten sich im Fundamentbereich zum Teil erhalten. Der Kapellenbau besaß einen 3/8-Chorabschluss, von dem sich geringe Reste des Choransatzes im Bereich der Südwand nachweisen ließen. Dagegen konnten von der ehemaligen Nordwand der Kapelle keine Spuren mehr festgestellt werden.
Im Jahr 1830 wurde die Kapelle um etwa 3,20 bis 3,40 m nach Westen erweitert (Erweiterungsbau II). Hierzu wurde die Südwand verlängert, die Westwand von Bau I abgebrochen und man errichtete weiter westlich eine neue Westwand. An diese wurde in der gleichen Bauphase im Bereich der Nordwestecke ein quadratischer, in seiner Grundfläche 3,2 x 3,2 m großer Glockenturm angefügt. Westwand der Kirche und Südwand des Turms waren miteinander verzahnt. Die Südwand und der Chor von Bau I wurden im Bau von 1830 offenbar weiter genutzt.
1894/95 erfolgte schließlich die Vergrößerung der Kirche nach Norden und Osten auf ca. 17 m Länge und 8,3 m Breite (Bau III). Von dieser Bauphase hatten sich der größte Teil des Chores sowie die Verlängerung der Südwand nach Osten erhalten. Die Südwand von Bau I, die Westwand und der Turm von Bau II wurden in den Neubau integriert. Nach 1895 errichtete man schließlich die Sakristei, von der bei der Untersuchung nur wenige Reste dokumentiert wurden.
Alle Bauphasen waren zumindest im Fundamentbereich von verhältnismäßig schlechter Ausführung, was letztlich wohl auch die Gründe für den Abbruch von 2004 waren.

Neben der aus dem archäologischen Befund ersichtlichen, gegenüber dem ursprünglichen Baualtersplan vor dem Abbruch leicht veränderten Bauabfolge, lassen sich in Hinblick auf die eingangs genannten Fragen ferner folgende Aussagen treffen.
Die älteste nachweisbare Kapelle an dieser Stelle ist der aus den Archivalien überlieferte Bau von 1773. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für eine ältere sakrale Nutzung des Geländes. Die Kirche in Letzau besaß offenbar niemals Sepulturrechte, da keine Hinweise auf einen Friedhof angetroffen wurden. An keiner Stelle im Grabungsbereich wurden Spuren einer vorgeschichtlichen, mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Nutzung innnerhalb dieses zentralen Bereichs der Dorfes gefunden. Dies mag jedoch auch durch den an dieser Stelle sehr hoch anstehenden Gneis begründet sein, wobei dann ältere anthropogene Aufträge entfernt worden wären. Jedoch fehlen auch eingetiefte Befunde, z.B. Gruben, die man zumindest bei einer Nutzung während der Vorgeschichte und des Mittelalters hätte vermuten können.

Die Kirche beim Abbruch 2004 Dennoch werden die archäologischen Dokumentationsmaßnahmen am Standort der ehemaligen Expositurkirche St. Johannes-Nepomuk das Andenken an die Kirche des 18. und 19. Jahrhunderts und ihre kurze Baugeschichte auch künftigen Generationen überliefern. Auch die Neuzeit hinterlässt als geschichtliche Epoche ihre Spuren im Boden, die es gilt, der Nachwelt zu vermitteln. Wenig östlich des Standorts der alten Kirche steht seit 2005 der Neubau als vierter Kirchenbau von St. Johannes Nepomuk in Letzau.

Datum: Wednesday, 6. February 2008 23:28
Themengebiet: Grabungsprojekte Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben