Eine mittelalterliche Filterzisterne in der alten Lateinschule von Sulzbach
Die archäologischen Untersuchungen am Pfarrplatz in der ehemaligen Lateinschule von Sulzbach (Stadt Sulzbach-Rosenberg, Lkr. Amberg-Sulzbach) sind vorerst abgeschlossen. Sie können ein Video über die laufende Grabung bei OTV herunterladen.
Der stehende Baubestand der Gebäude am Pfarrplatz 2 geht nach der Bauuntersuchung des Jahres 2005 bis in das 14./15. Jahrhundert zurück. Die Lage der Parzellen unmittelbar nördlich der St. Marien-Kirche ließ bereits vor dem Beginn der archäologischen Maßnahmen interessante Befunde erwarten, denn das Areal im nördlichen Randbereich der frühmittelalterlichen Vorburg der Burg Sulzbach. Die Anfänge der Burg Sulzbach reichen bis in das 8. Jahrhundert zurück, für die Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert muss Sulzbach als eines der, wenn nicht sogar das wichtigste politische Herrschaftszentrum der Oberpfalz nördlich der Donau gelten.
Bislang wichtigster Befund der Untersuchungen ist eine gute erhaltene mittelalterliche Filterzisterne.
In fast allen untersuchten Bereichen konnten mittelalterliche Befunde dokumentiert werden. Ein eingegrabenes Gefäß des 15. Jahrhunderts darf dabei als Besonderheit gelten. Es ist denkbar, dass hier eine Nachgeburt unter dem Gebäudefußboden des bis in das 14./15. Jahrhundert zurückreichenden Gebäudeflügels bestattet wurde. Solche Riten sind mehrfach archäologisch bezeugt und sind Spiegel einer paganen Vorstellungswelt des Spätmittelalters.
Neben zahlreichen Spuren mittelalterlicher Vorgängerbebauung ist besonders die Entdeckung einer großen mittelalterlichen Filterzisterne bei den Untersuchung vom Juli 2008 im Gebäude Pfarrplatz 2 hervorzuheben. Zunächst ließ der Befund aufgrund der zur Anlage gehörenden grundeten Mauer irrtümlicherweise an einen Brunnenturm denken, doch zeigte sich bei der weiteren Freilegung, dass die Mauerreste nicht zu einem Turm, sondern zu einer von außen an den Felsabfall gesetzten Zisterne gehörten. Der Standort war geschickt gewählt: Mit dieser Plazierung ersparte man sich das Eingraben in den Boden.
Die bautechnisch äußerst aufwendig gebaute Filterzisterne von deutlich über 8 m Außendurchmesser war am steilen, natürlichen Felsabfall des Nordhangs der Burgsiedlung errichtet und stand in Verbindung zu bislang unbekannten Gebäuden in der unmittelbaren Nachbarschaft. Hervorragend erhalten haben sich die Lehmabdichtung und die aus großen Steinbrocken bestehende Filterschicht sowie der zugehörige Wasserschacht. Im Südwesten konnte die Westmauer (?) eines mittelalterlichen Steinhauses nachgewiesen werden, über dessen Dachflächen die Zisterne möglicherweise gespeist wurde.
Nach Abschluss der Grabungen deutet sich eine Datierung der Zisterne vor dem 14. Jahrhundert an, wobei Radiokarbondaten weitere Aufschlüsse über deren Alter ergeben solleb. Sicher ist aber bereits, dass die Anlage im Laufe des späteren 14. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Die Auswertung der Untersuchung wird zur Frage nach dem Alter der Anlage also weitere Erkenntnisse liefern.
Wie wichtig die Wasserversorgung auf der Sulzbacher Burg im Mittelalter war zeigt auch der zu Beginn des 19. Jahrhundert abgebrochene, sechseckige sog. Hussenturm der Hauptburg, ein Brunnenturm wohl aus dem 12. Jahrhundert, der durch zahlreiche Bildquellen überliefert ist.
