Sulzbachs älteste Befestigungen - Archäologie unter der Fahrbahn
Unser dezeitiges Grabungprojekt betrifft Teile der vermutlich ältesten Vorburg- bzw. Stadtbefestigung des früh- und hochmittelalterlichen Burgorts Sulzbach sowie die Frage nach Siedlungs- und Befestigungsspuren im östlichen Teil der Altstadt (Stadt Sulzbach-Rosenberg, Lkr. Amberg-Sulzbach). Im Zuge von sehr umfassenden Neugestaltungen und Kanalisationsarbeiten untersuchen wir den Fahrbahnbereich der Straße “Neustadt”. Dabei gelang es 2008 bereits ganz neue Einblicke in die Struktur und Datierung der ältesten Befestigungsphasen des 8./9. bis 13. Jahrhunderts der Burgsiedlung Sulzbach zu gewinnen. Ferner gibt es Hinweise auf frühmittelalterliche Siedlungsaktivitäten in den östlichen Bereichen der Altstadt, in denen später ab 1354 die sogenannte Neustadt entstand. Wir werden die Baustelle ab März 2009 weiter betreuen und bei Schauhütte.de über den Fortgang der Untersuchungen berichten.
Die Untersuchungen haben am 28. Juli 2008 begonnen und laufen derzeit noch periodisch im Zuge der Bauarbeiten (Stand 7.12.2008). Eine erste Pressenotiz zum Arbeitsstand finden Sie hier, hier, hier und auch hier. Die bislang aufgedeckten Befunde sind äußerst spannend und geben einen unmittelbaren Einblick in die Entwicklung der frühen Befestigungen der Burgsiedlung. Die älteste (sicher frühmittelalterliche) Befestigung hatte in dem untersuchten Abschnitt eine enorme Mauerstärke von mehr als 3 m und wurde ohne Fundament auf die damalige Oberfläche gesetzt. Sie bestand aus sehr großen Dolomit- und Plattenkalksteinen, die nicht als Zwei-Schalen-Mauer zusammengefügt, sondern ohne echtes Füllmauerwerk nebeneinander “gepackt” wurden. Etwa 4 m weiter nordöstlich errichtete man dann im Hochmittelalter eine neue Mauer, die bis zu 2,2 m stark war und ebenfalls ohne Fundament auf die Oberfläche gesetzt wurde. Ca. 10 m nordöstlich der ältesten Mauer stießen wir auf einen ersten mächtigen, etwa 7 m breiten Graben, der von ältesten Nutzungsniveau abgetieft wurde und somit wahrscheinlich ebenfalls zur frühen Befestigung gehörte. Nach einer etwa 4 m breiten Berme war diesem Graben nach Osten ein weiterer bis zu 8 m breiter Graben vorgelegt, der offenbar mindestens einmal verbreitert wurde und zunächst als schmalerer Doppelgraben angelegt war. Ein dritter Graben, der Anfang Dezember im Straßenverlauf der Neustadt entdeckt wurde, befand sich ca. 18 m östlich des mittleren Grabens. Dem aus diesem Graben geborgenen keramischen Fundmaterial zufolge könnte dieser Graben mit der gebotenen Vorsicht mindestens bis in das frühe 8. Jahrhundert zurückgehen, was siedlungs- und herrschaftsgeschichtlichen Aspekten eine echte “Sensation” darstellen würde. Unter der Pfarrgasse wurde im Oktober 2008 ein Abwasserkanal des 19. Jahrhunderts aus der Frühzeit der Abwasserentsorgung der Stadt dokumentiert, der im Zuge der Baumaßnahmen zerstört werden wird. Die Untersuchungen werden mit dem Baufortschritt fotgesetzt.
Bilder folgen in Kürze hier bei www.Schauhütte.de Â

Saturday, 4. July 2009 22:34
[…] Als Abschluss der archäologischen Maßnahmen während der Sanierung der Straße “Neustadt” (vgl. Beiträge 2008) stehen in Kürze Baustellenbeobachtungen im Bereich des nordöstlichen Stadttores der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung in der Neutorgasse von Sulzbach an. Wir halten Sie auch hier infomiert… […]
Friday, 11. December 2009 17:27
[…] Nach den umfangreichen Grabungen im Bereich der Neustadt im Jahr 2008 und der in der Synagoge freigelegten Befesitungsmauer erhärtet sich somit unsere Vermutung, dass auch der südliche Teil der Burgsiedlung wohl schon seit Karolingerzeit stark befestigt wurde. Auch diese Befesitungsabschnitte dürften bei der Stadterweiterung des sogenannten Bühlviertels in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgegeben worden sein. Wir halten Sie über die weiteren Entwicklungen dieser baubegleitenden Maßnahme bei Schauhütte-Archäologie auf dem aktuellen Stand… […]