Archäologie in der ehemaligen Synagoge von Sulzbach

Im Vorfeld einer umfassenden Sanierung und Wiederherstellung des Gebäudes der 1826/27 errichteten Synagoge in Sulzbach führen wir dort derzeit eine erste kleinräumige archäologische Voruntersuchung durch. Die nach einem Brand von 1822 an Stelle eines 1740 eingeweihten jüdischen Gotteshauses Sulzbacher Synagoge hat sich im heutigen Baubestand zu großen Teilen erhalten. Im Zuge der Sanierung soll das Gebäude in wesentlichen Teilen in den Zustand der letzten sakralen Nutzung vor 1933 wiederhergestellt werden.
Die erste kleinräumige archäologische Maßnahme läuft seit Anfang Juni und bereits jetzt zeichnen sich Befunde nicht allein zur Nutzung des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern auch zur barocken Synagoge der Zeit um 1740 sowie zur profanen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Nutzung des im Inneren der ältesten Burgsiedlung bzw. der mittelalterlichen Stadt gelegenen Areals ab.
Die Sodageuntersuchungen erbrachten interessante Befunde und Funde zur synagogenzeitlichen Nutzung, besonders zum ersten jüdischen Sakralbau in Sulzbach. Dieser wurde 1689 in einem bis dahin profan genutzten mittelalterlichen Haus eingerichtet. Zahlreiche Stuck-, Putz- und Ausstattungsfragmente legen ein eindrucksvolles Zeugenis jüdischen Lebens am Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts ab. Unter den Funden sind auch zahlreiche Bruchstücke einer Kalksteinplatte mit hebräischer Inschrift, die demnächst restauriert werden soll. Daneben fand sich auch eine silberne Buchschließe (?) mit hebräischer Inschrift, die ebenfalls noch nicht gelesen ist.
Gut erhaltene Baureste des mittelalterlichen Wohnhauses, in dem 1689 die erste Synagoge eingerichtet wurde, liegen unterhalb der Nutzungsschichten der Zeit von 1689 bis 1740. Die Parzelle in der heutigen Synagogenstraße liegt unmittelbar an der ältesten Befestigung innerhalb der Burgsiedlng Sulzbach, die zumindest in einigen Bereichen bis in die Karolingerzeit zurückreicht. Eine Fortsetzung der Grabung würde auch hier neue Einblicke in die mittelalterliche Siedlungsgenese ermöglichen.
Nachdem die erste Synagoge den Ansprüchen der Gemeinde nicht mehr genügte kam es vor 1740 zum Neubau eines Gotteshauses, das 1740 geweiht werden konnte. Von diesem ersten als Synagoge ausgeführten Bau fanden u.a. sich Reste des Fundaments der Bima sowie eine Mauerwange der Treppe des Aufgangs zum Thoraschrein. 1822 brannte die Sulzbacher Synagoge beim großen Stadtbrand aus und wurde auf ähnlichem Grundriss in klassizistischen Architekturformen wieder errichtet.
Die Sulzbacher Synagoge entging der Zerstörungswut der Nationalsozialisten, da die Stadt Sulzbach nach dem Erwerb des Gebäudes 1933 das Heimatmuseum dort einrichtete. Das Gebäude soll nun durch die Stadt Sulzbach - mit Ausnahme der Innenausstattung - weitgehend in den Zustand der letzten sakralen Nutzung zurückgeführt werden. Das Konzept sieht dabei eine sensible kulturelle Nutzung dieses geschichtsträchtigen und würdigen Baus vor, stellt er doch auch ein wichtiges Denkmal jüdischer Kultur und jüdischen Lebens in Bayern dar.
