Neue Untersuchungen zur Baugeschichte von St. Kastulus in Moosburg
Im Chorbereich der romanischen Basilika St. Kastulus in Moosburg an der Isar (Landkreis Freising) wurde von uns bereits 2008 eine archäologische Notdokumentation durchgeführt. Anlass hierfür waren Restaurierungsarbeiten am spätgotischen Chorgestühl im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München-Freising und der Pfarrei St. Kastulus durchgeführt hat. Beim Ausbau der Fußbodenbretter des Chorgestühls waren aus der Fehlbodenschüttung zahlreiche Kleinfunde ans Tageslicht gekommen. Daher wurde in Absprache mit dem betreuenden Architekten Martin Spaenle, München, die Entfernung der lockeren Einfüllung unter den Bodenbrettern sowie deren Durchsicht auf Material veranlasst. Bei einem Ortstermin zur Begutachtung der Funde wurden unter dem Chorgestühl Mauerreste festgestellt. Daraufhin kam es in Absprache mit dem BLfD München (Dr. Martin Pietsch) zur archäologischen Untersuchung des Befundes und seine digitale Vermessung im Kontext mit dem stehenden Baubestand der Basilika.
Die Ursprünge der Kirche gehen wahrscheinlich bis in das 8. Jahrhundert zurück, da man in ihr die Klosterkirche des um 770 erstmals urkundlich fassbaren Benediktinerklosters (ab 1021 Chorherrenstift) zu sehen. Das siedlungsgünstige Areal befindet sich auf einem Landrücken zwischen Isar und der Ampermündung auf etwa 421 m üNN. Noch der heutige Stadtgrundriss lässt die Lage der Rechtsbezirke von Kloster/Stift und der seit dem 11. Jahrhundert nachweisbaren Burg der Herren (ab ca. 1179 Grafen) gut erkennen.
Die zu untersuchende Fläche lag am Südrand des Laienchores der St. Kastulus Basilika unmittelbar an der Südwand des Chores zum südlichen Seitenschiff unterhalb des spätgotischen südlichen Chorgestühls. Bei Beginn der Untersuchung war bereits der größte Teil der überdeckenden Fehlbodenschüttung unter den Fußbodenbrettern entfernt worden.
Unter Berücksichtigung von Mauertechnik und Mauerstärke sowie der Lage des Befundes in Bezug auf den stehenden Bau scheint es verhältnismäßig sicher zu sein, dass der dokumentierte Mauerzug zu einem Vorgängerchor des romanischen Laienchores von St. Kastulus-Kirche gehört. Möglicherweise hat die festgestellte Mauer tatsächlich im Westen im Bereich des Ansatzes des dritten Jochs von Osten in die Langhaussüdwand eingebunden, wodruch sich ein gegenüber dem Langhaus mindestens 1,4 m eingezogener Chor ergeben würde. Für den Abbruch eines älteren Chores im Bereich des heutigen Laienchores könnte die, gegenüber den westlichen neun Jochen des Langhauses, sehr uneinheitliche Breite der Joche im Bereich der östlichen drei Joche sprechen. Demnach ist damit zu rechnen, dass man nach Westen Teile eines älteren Kirchenbaus im heutigen Mittelschiff integriert hat, während man den Neubau gegenüber der älteren Kirche deutlich nach Osten verlängerte. Diese Verlängerung bis zum neuen, durch den spätgotischen Hochchor ersetzten, romanischen Chor des 13. Jahrhunderts, hätte dann fast ein Drittel der vermuteten Gesamtlänge des Vorgängers betragen. Der Südostabschluss des älteren Chores bzw. der Ansatz einer Apsis würde dann möglicherweise im Bereich des heutigen zweiten Jochs von Osten des heutigen Mittelschiffs zu suchen sein.
Aufgrund der Verwendung von Backsteinen als Baumaterial ist wohl auszuschließen, dass es sich bei dem erfassten Mauerbefund um die Reste einer vor der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstandenen Bauwerks handelt. Letztlich würde sich der Befund gut mit der schriftlichen Überlieferung verbinden lassen, nach eine Kirche im Jahr 1171 im Bau befindlich war. Auch die Datierung des Westportals „um oder vor 1184“ bestätigt diesen chronologischen Ansatz. Dieser Neubau scheint der schriftlichen Überlieferung zufolge bereits 1207 durch einen Brand beschädigt bzw. teilzerstört worden zu sein. Gegen eine vollständige Zerstörung der Kirche spricht die Neuweihe im Jahr 1212. Fünf Jahre Bauzeit würden sich gut mit der Wiederherstellung und mit ihr verbundenen Verlängerung der Kirche nach Osten und dem Neubau eines Chores verbinden lassen. Dementsprechend ist es vorläufig wohl zulässig, den Mauerbefund als Südmauer des Mittelschiffs der 1207 brandbeschädigten Kirche des späten 12. Jahrhunderts zu deuten. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat es sich dabei bereits um eine dreischiffige Basilika gehandelt, die um etwa ein Drittel kürzer gewesen sein könnte, als der jüngere Bau der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Diese Aussagen sollten jedoch auf jeden Fall vor dem Hintergrund der verhältnismäßig kleinen Untersuchungsfläche und dem beengten Platz bei der Untersuchung gesehen werden.
Bei der diesjärigen Untersuchung können möglicherweise weitere Befunde zur Vorgängerbebauung untersucht werden. Wir werden hier bei www.schauhuette.de über die akutellen Untersuchungen berichten…
