Illschwang-Neuöd - frühkeltische Siedlungsspuren auf der Kuppelalb, im Zentrum der frühmittelalterlichen “regio hiwisc”

Im Vorfeld der Erweiterung des Gewerbegebiets Illschwang-Neuöd II (Landkreis Amberg-Sulzbach) führen wir auf der Flur “Siecher” im Zentrum der frühmittelalterlichen Siedlungskammer regio hiwisc, dem noch heute im Volksmund “Heuwisch” genannten Raum zwischen dem karolingischen Burgzentrum Sulzbach und dem karolingischen Königshof Lauterhofen eine archäologische Prospektion des zu bebauenden Areals durch. Im Nahbereich des Baugebiets liegen die mittelalterlichen Wüstungen Horingese und Kölblöde. Der Ortsteil von Illschwang Neuöd spricht aufgrund seines Ortsnamens ebenfalls für das Vorhandensein älterer Siedlungseinheiten.imgp9596klein.jpg

Frühmittelalterliche Siedlungsspuren fanden sich in dem auf einer Kuppe des Frankendolomits liegenden Areal nicht. Der größte Teil der Fläche war vollständig befundleer. Jedoch konnten wir im westlichen Teil des Areals einige Siedlungsspuren, darunter Gruben feststellen, die wohl in die Späthalltstatt-/Frühlatènezeit zu datieren sind. Sie belegen keltische Siedlungsaktivitäten selbst in karstigen, wasserarmen Höhenlagen von über 500 m NN. Unter Umständen lag eine zugehörige kleine Siedlung weiter westlich am Hang außerhalb der untersuchten Fläche.
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Siedlungsgrube des 6./5. Jahrhunderts v. Chr. in Illschwang-Neuöd.
Illschwang gilt das geographisches Zentrum des “Heuwischs”. Der charakteristische Name dieser frühmittelalterlichen Siedlungskammer regio hiwisc bezeichnet ursprünglich aber nicht eine Region, sondern einen frühmittelalterlichen Personalverband, wobei althochdeutsch hîwiski für eine Gemeinschaft von Personen stand, die unmittelbar an grundherrliche Verfügungsrechte gebunden war. Von chronologischer Relevanz ist, dass sich hîwisk im Raum Lauterhofen-Sulzbach bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts als Name für eine Landschaft durchgesetzt hatte. Der Übergang von einem ursprünglich einen Personalverband bezeichnenden Namen auf eine Landschaft vollzog sich jedoch über einen langen Zeitraum . Die Bezeichnung regio hîwisk für eine räumliche Einheit bereits um das Jahr 1120 gibt demnach konkrete Anhaltspunkte für einen ehemals geschlossenen grundherrschaftlichen Komplex , der seine Wurzeln in frühmittelalterlichen Verhältnissen zu haben scheint.
Durch die Ortschaften, deren Lage nach den mittelalterlichen Quellen in dieser regio veran-kert werden kann, ergibt sich ein Raum von maximal etwa 300 qkm Größe, der ziemlich präzise zwischen dem Königshof Lauterhofen im Südwesten und dem karolingischen Burgzent-rum Sulzbach im Nordosten an den wichtigen Verkehrspforten am Ausgang der Alb liegt. Mit den Orten Haar und Kauerhof (1526 Kaurhaim, 1533 Kauernhaim, 1541 Kaurham)  reichte der Heuwisch bis unmittelbar an das Burgzentrum Sulz-bach im Nordosten heran, während er sich im Süden mit Brunn und Kastl auch bis vor die Tore Lauterhofens erstreckte. Sehr bemerkenswert ist die Burgenlandschaft des frühen Mittel-alters in diesem Gebiet. Unmittelbar östlich des zentralen Burgorts Sulzbach, auf den noch näher einzugehen ist, liegt die mit 8 ha Grundfläche größte frühmittelalterli-che Ringwallanlage der Oberpfalz auf dem Frohnberg, zu deren Füßen sich ausge-dehnte Eisenverhüttungsplätze befinden . An der Randzone des Heuwisch befindet sich im Westen die archäologisch erforschte frühmittelalterliche Burg Ammerthal, deren Anfänge in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts gehören können. Im Südwesten liegt die Großburg Kastl, bei der Name, Topographie und bekannte Herrschaftsgeschichte auf karolingische Wurzeln verweisen. Aufgrund ihrer räumlichen Nähe zu Lauterhofen könnte die Burg Kastl dem Königshof zugeordnet gewesen sein…

Lesen Sie den ganzen Artikel im Sammelband “Ostbayern im Frühmittelalter” der demnächst durch das Amt für Archiv- und Denkmalpflege der Stadt Regensburg herausgegeben wird.

Datum: Sunday, 16. August 2009 20:51
Themengebiet: Grabungsprojekte Trackback: Trackback-URL
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