Frühmittelalter in Nabburg
Im Vorfeld einer geplanten Tiefbaumaßnahme führten wir im April 2006 Sondageuntersuchungen auf dem Unteren Markt in Nabburg (Lkr. Schwandorf) durch. Hierbei konnten neben hoch- und spätmittelalterlichen sowie neuzeitlichen Befunden auch Spuren einer frühmittelalterlichen Besiedlung nachgewiesen werden, was für die frühe Stadtgeschichte von Nabburg von besonderer Bedeutung ist.
Wichtigste Ergebnisse im Überblick:
· Die heute erhaltene Stadtmauer im Bereich des Unteren Marktes mit einer Mauerstärke von ca. 2,30 m gehört mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer spätmittelalterlichen Befestigungsphase des 14./15. Jahrhunderts. Es lässt sich ausschließen, dass diese Befestigung in den archäologisch erfassten Abschnitten zu der frühen Befestigungsphase des späten 9./10. Jahrhunderts gehört, von der im Januar 2004 Reste im Zwingerbereich der Stadtbefestigung am Nord- und Ostrand der Altstadt erfasst wurden
· Die Befunddichte in den untersuchten Bereichen ist auffallend groß; von großer Bedeutung ist der Nachweis einer starken früh- und hochmittelalterlichen Nutzung des Geländes, die mit einem suburbium im Vorfeld der frühmittelalterlichen Burg in Zusammenhang stehen könnte
· Die Untersuchungen erbrachten den Nachweis von Holzbaubefunden (Pfostengruben, möglicherweise Grubenhäuser, Lehmstampfböden, Feuerstelle) und weiteren Siedlungsbefunden des ausgehenden Frühmittelalters und des Hochmittelalters (8./9. bis 12. Jahrhundert)
· Die ältesten Bebauungsspuren gehen nach derzeitigem Kenntnisstand in frühkarolingische Zeit zurück (à ältester Befund ist u.a. eine Feuerstelle, aus der 3 Holzkohleproben zur 14C-Datierung herangezogen werden: Ergebnisse der gemittelten kalibrierten C14-Datierung: 95,5 % Wahrscheinlichkeit bei 673 bis 779 n. Chr., in diesem Bereich die größten Wahrscheinlichkeiten (68,2 %) bei 690 bis 750 n. Chr.
· In Sondageschnitt 4 konnte ein etwa Nord-Süd verlaufendes, trocken gesetztes Bruchsteinfundament erfasst werden, das jüngstens in das frühe 11. Jahrhundert gehören dürfte. Es zeigt eine frühe Bebauung mit Ständer- und Holzbauten auch des südlichen Areals an.
· Ferner fand sich in Schnitt 4 das Skelett eines auf dem Rücken bestatteten, wahrscheinlich geköpften und mit Steinen beschwerten Hundes. Hierbei wird es sich um ein Bauopfer des hohen bis beginnenden späten Mittelalters handeln.
· Für das 8./9.-10. Jahrhundert lassen sich mindestens zwei massive Planierungsmaßnahmen belegen; die Planierungen des 10. Jahrhunderts sind von großer Mächtigkeit und selbst in dem sehr kleinen untersuchten Bereich von vergleichsweise hohem Fundanfall (neben viel Keramik u.a. eine bronzene Lunula-Fibel oder Lunulaanhänger, eine ungarische Pfeilspitze, eine Widerhakenpfeilspitze, ein Eisenmesser)
· Das Fundmaterial gibt Hinweise auf eventuell im Umfeld vorhandene Befunde zu Eisen verarbeitendem Handwerk und möglicherweise Bronzeverarbeitung während des 9./10. Jahrhunderts
