Burg Sulzbach in der Oberpfalz. Ein Herrschaftszentrum des 8. bis 14. Jahrhunderts auf dem Nordgau

abb_22web.jpgIm Zuge der durch den Freistaat Bayern erfolgten Totalsanierung des herzoglichen Schlosses in Sulzbach-Rosenberg (Lkr. Amberg-Sulzbach, Opf.) wurden durch M. Hensch im Auftrag der Dienststelle Regensburg des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege von 1993 bis 2001 umfangreiche Ausgrabungen an diesem Platz durchgeführt. Die Untersuchungen erbrachten sehr weitreichende und in ihrer Komplexität in Süddeutschland bislang einmalige Befunde zur Entwicklung einer offenbar hoch bedeutenden Burganlage des 8. bis 14. Jahrhunderts. In Sulzbach ist wie kaum an einer anderen Burganlage dieser Zeit in Süddeutschland die Beeinflussung des dynastischen Burgenbaues durch die Pfalzenarchitektur des karolingischen, ottonischen und salischen Königtums abzulesen.

Die Burg Sulzbach lag am östlichen Rand der fränkischen Alb auf einem langgestreckten Terrassensporn und gliederte sich in eine ca. 1,5 ha große Hauptburg und eine etwa 3 ha große Vorburg. Die Lage der Burg etwa 20 bis 30 m über dem Rosenbachtal und die große Ausdehnung der Anlage sind typische topographische Merkmale für frühmittelalterliche Burgen des 8. bis 10. Jahrhunderts. Heute steht an diesem Platz das überwiegend ab 1582 in seiner heutigen Form erbaute Schloss der Pfalzgrafen von Neuburg-Sulzbach.
Über die Ursprünge der Burg und Siedlung war bis zu Beginn der archäologischen Maßnahmen nichts konkretes bekannt.
Die Besiedlung auf dem Burgberg beginnt spätestens bereits in der Zeit um 700, also in der späten Merowingerzeit. Neue 14C-Daten weisen sogar bereits in das späte 6. bis späte 7. Jahrhundert. Damit zeigt Sulzbach, neben dem ca. 15 km westlich gelegenen Lauterhofen (Lkr. Neumarkt) den nordöstlichsten Punkt einer spätmerowingischen Siedlungwelle. Ob diese von bajuwarischen oder fränkischen Herrschaftsträgern gesteuert wurde, lässt sich zur Zeit nicht befriedigend beantworten.
Während des 8. Jahrhunderts kommt es zur Errichtung einer ersten Burganlage, die wahrscheinlich durch eine Befestigung aus Holz, Erde und Steinen (so genannte Holz-Erde-Mauern) geschützt war. Zu dieser frühen Siedlungsperiode gehören Spuren von Holzgebäuden, deren tragende Pfosten in den Fels eingetieft wurden, so genannte Pfostenbauten.
Während des 9. Jahrhunderts n. Chr. entstehen bereits die ersten Gebäude aus Stein, was als große Besonderheit im Burgenbau dieser Zeit in dieser Zeit zu gelten hat und die Bedeutung der Anlage zum Ausdruck bringt. Zur Bauphase bis um 900 gehört u.a. ein ca. 21 m langer und ca. 8 m breiter, beheizbarer Steinsaal, der als repräsentatives Gebäude für die Amtsgeschäfte der Burgherren diente, sowie ein Gebäude, das mit einer unterhalb des Fußbodens installierten Kanalheizung ausgestattet war. Zur Bauphase des 9. Jahrhunderts gehören auch eine 15 m lange Burgkirche und verschiedene Befestigungsabschnitte, darunter ein für das 9. und 10. Jahrhundert charakteristisches, so genanntes Zangentor. In das 9. und 10. Jahrhundert muss ferner ein kleiner Adelsfriedhof direkt nördlich der Burgkirche im Innenbereich der Burg mit gemauerten Gräbern datiert werden. Die Bauweise der Gräber und deren Lage im Kernburgareal zeigt, dass hier die letzte Ruhestätte der auf der Burg residierenden Dynastenfamilie aufgedeckt wurde. Noch während des 10. Jahrhunderts errichteten sich die Burgherren weitere Wohnbauten aus Stein, die zum Teil mit Unterbodenheizungen, ausgestattet waren. Die Burg des 9. und 10. Jahrhunderts war im Besitz der einer hochadeligen Familie, die mit Sicherheit der karolingischen und ottonischen Reichsaristokratie angehörte. Die laufende Auswertung zur Identifizierung dieser Sippe wichtige neue Anahaltspunkte liefern, denen hier nicht vorweggegriffen werden soll.

Auch die Funde des 9. bis 12. Jahrhunderts zeugen von großem Reichtum auf der Burg. So liegen aus Sulzbach u.a. Reste von Fenstergläsern vor, die zu den ältesten Belegen von Fensterverglasung im deutschsprachigen Raum gehören. Darunter befindet sich auch ein Bruchstück mit Schriftzug und Glasmalerei, das zu den ältesten Glasmalereifunden Mitteleuropas zählt. Fensterverschlüsse aus Glas waren im Mittelalter, allemal zu dieser frühen Zeit, eine große Kostbarkeit und zeugen von einem höchst anspruchsvollen Wohnkomfort. Auch die aufwendigen Heizanlagen der Wohngebäude, die unterhalb der Fußböden lagen, zeigen, dass die Burg Sulzbach schon vor dem Jahr 1000 zu den wichtigsten Burganlagen Süddeutschlands gezählt werden muss. Auf der Burg des 9./10. Jahrhunderts ist darüber hinaus spezialisiertes Eisen- und Buntmetallhandwerk nachzuweisen. Die Metallhandwerker fertigten direkt im Burgbereich Schmuckringe aus Bronze, Messing sowie offenbar Ringe für Kettenhemden aus Eisen. Genauere archäometallurgische Untersuchungen der Funde aus einer Buntmetallwerkstatt aus der Zeit um 900 wurden durch den Fachbereich Archäometallurgie des Deutschen Bergbau Museums Bochum (Ünsal Yalcin und Gunthram Gassmann) und dem Institut für Eisen- und Stahltechnologie der Bergakademie Freiberg/Sachsen (Bernd Lychatz) vorgenommen. Die archäologischen und archäometallurgischen Auswertungen werden ein neues Licht auf die Bedeutung des Montanwesen für die Oberpfalz schon zu karolingischer und ottonischer Zeit werfen.

Bereits in der Zeit kurz nach 1000 werden auf der Burg erste Steingebäude abgebrochen. Dies wird mit einem Besitzerwechsel in Verbindung zu bringen sein, denn nach 1003/1007 kommt die Burg durch königliche Schenkung an die Familie der späteren Grafen von Sulzbach.
Diese gehörten ab dem mittleren 11. Jahrhundert zu den wichtigsten Adelsgeschlechtern im Reich. Berengar v. Sulzbach (? 1125) war maßgeblich am Sturz Kaiser Heinrichs IV. und der Einsetzung von dessen Sohn Heinrich V. zu Beginn des 12. Jahrhunderts beteiligt. Seine Tochter Gertrud von Sulzbach wurde um 1132 Gemahlin König Konrads III., eine weitere Tochter, Bertha, heiratete um 1146 den byzantinischen (oströmischen) Kaiser Manuel I. Komnenos. Schon 1188 stirbt die Familie im Mannesstamm aus
Im Laufe des frühen 11. und 12. Jahrhunderts bauen die Grafen von Sulzbach ihre neu erworbene Stammburg zu einer höchst modernen, hochmittelalterlichen Dynastenburg um. Es entstehen neue Befestigungsabschnitte, ein mächtiger achteckiger Wohnturm, ein über 35 m langer Palas (Repräsentativgebäude) und Wohnbauten, ebenfalls mit aufwendigen Fußbodenheizungen. Noch im 11. Jahrhundert wird darüber hinaus über den älteren Gräbern eine Memorialkapelle zum Andenken an einen oder mehrere der dort im 9. und frühen 10. Jahrhundert Bestatteten errichtet. Auch für das 11. und 12. Jahrhundert zeigen das Fundmaterial, u.a. Reste kostbarer Trinkgläser, sowie die Baureste, dass die mächtigen Grafen von Sulzbach eine für damalige Verhältnisse höchst anspruchsvolle Wohnkultur pflegten. Hier sind wiederum die technisch hoch aufwendigen Heizanlagen der Wohngebäude zu nennen.

Die Befunde und das Fundmaterial des 9. und vor allem des 10. Jahrhunderts belegen jedoch die Anwesenheit eines überaus mächtigen Adelsgeschlechtes auf der Burg in Sulzbach schon vor der Übernahme durch die hochadeligen Grafen von Sulzbach nach dem Jahr 1000. Durch die Ausgrabungen ist es offenbar gelungen, die Hauptburg der einflussreichen Nordgaugrafen des 9. und frühen 10. Jahrhundert zu fassen. Diese stellten im karolingerzeitlichen Süddeutschland einen äußerst dynamischen administrativen Machtfaktor dar, was nicht zuletzt militärische und ökonomische Gründe gehabt hat. Die Bedeutung dieser Familie und deren Stammsitz Sulzbach für die Landesgeschichte des 9. und 10. Jahrhunderts ist kaum zu überschätzen, ebenso wenig wie die Bedeutung der eng mit dem salischen und frühstaufischen Königtum verbundenen Grafen von Sulzbach während des 11. und 12. Jahrhunderts.

Es sei an dieser Stelle auch auf die besondere Problematik der Sulzbacher Grabungen in Bezug auf die durch den Freistaat Bayern durchgeführte Sanierung des Sulzbacher Schlosses hingewiesen. Trotz der aufsehenerregenden Spuren der mittelalterlichen Burg ließen die Baumaßnahmen oftmals eine weitgehende Untersuchung größerer Bereiche kaum oder nur in geringem Maße zu. Durch die bereits vor Beginn der Grabungen weitgehend festgelegte Planung, kam es durch Fundamentsanierungen, dem Verlegen von Versorgungsleitungen und dem Absenken von Fußböden in einigen Bereichen zum Totalverlust gut erhaltener Baureste des 9. bis 12. Jahrhunderts.

cover.jpgDie Ausgrabungen sind wissenschaftlich ausgewertet und die Ergebnisse publiziert: Mathias Hensch, Burg Sulzbach in der Oberpfalz. Archäologisch-historische Forschungen zur Entwicklung eines Herrschaftszentrums des 8. bis 14. Jahrhunderts in Nordbayern, Büchenbach: Verlag Dr. Faustus 2005, 3 Bde., insg. 870 S., 17 Beilagen, ISBN 3-933474-30-2, 99,80 ?.
mono1-150.jpg Zu den osteologischen Funden aus Sulzbach: Kerstin Pasda, Tierknochen als Spiegel sozialer Verhätnisse im 8. bis 15. Jahrhundert Bayerns, Erlangen 2004, Praehistorika Monographien 1, 394 Seiten, 183 Abb. und ein unmfangreicher Tabellenanhang. ISBN 3-937852-00-X; 48,90 ?

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Von großer Wichtigkeit wäre ferner die Einrichtung eines Museums im Schloss Sulzbach (heute Straßenbauamt Sulzbach-Rosenberg), um Funde und Befunde dieser hoch bedeutenden Burganlage des frühen und hohen Mittelalters einem breiten Publikum präsentieren zu können. Hierzu werden dringend Sponsorengelder benötigt.

Datum: Sunday, 17. June 2007 18:25
Themengebiet: Grabungsprojekte Trackback: Trackback-URL
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2 Kommentare

  1. 1

    […] Für genauere Informationen zu den Grabungsergebnissen klicken Sie hier und/oder erwerben Sie die umfangreiche Monographie beim Verlag Dr. Faustus, Büchenbach. […]

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    […] Die im Frühsommer und Herbst 2009 durchgeführten Ausgrabungen im Vorfeld der Sanierung der ehemaligen Synagoge von Sulzbach haben zahlreiche interessante Ergebnisse zur Baugeschichte der seit 1689 an dieser Stelle befindlichen jüdischen Gotteshäuser sowie zur mittelalterlichen Nutzungs- und Baugeschichte der Parzelle Synagogenstraße 9 erbracht. Die ehemalige Synagoge befindet sich im südöstlichen Randbereich der seit dem 8. Jahrhundert besiedelten und befestigten Burgsiedlung von Sulzbach. Die Parzelle liegt an der äußersten Peripherie des Siedlungskerns und gerade noch innerhalb des ältesten Befestigungsrings von Sulzbach. Das Grundstück grenzt nach Osten an die wahrscheinlich vor dem 13. Jahrhundert angelegte Befestigungsmauer, deren Verlauf in etwa mit der westlichen Häuserzeile des Hafnersgraben identisch ist und die am Kugelplatz und Auf der Rahm ihre südliche Begrenzung hatte. Den ältesten untersuchten Baurest stellt die im nördlichen Hofbereich angeschnittene Befestigung der Burgsiedlung dar. Sie wurde an dieser Stelle aus großen, unbearbeiteten Dolomitbrocken in Mörteltechnik erbaut, die ohne Fundamentzone direkt auf die ehemaligen Oberfläche gesetzt wurden. Die Mauer hat sich im nördlichen Teil der Parzelle noch heute obertägig erhalten. Bislang ist ihr genaues Alter noch unbekannt. Es spricht einiges dafür, dass die festgestellte Befestigungsmauer mindestens in das 12. Jahrhundert gehört, möglicherweise sogar ein noch höheres Alter hat. Holzkohlestückchen, die im Setzmörtel dieser frühen Befestigung eingeschlossen sind, werden derzeit an der Universität Erlangen-Nürnberg mittels 14C-Untersuchung datiert. Obwohl in den sehr kleinen Untersuchungsflächen keine Bebauungsspuren des 8. bis 11. Jahrhunderts zutage traten, belegen einige frühmittelalterliche Keramikscherben Siedlungsaktivitäten in unmittelbarer Nähe bereits für die Zeit vor der ersten Jahrtausendwende. Ab dem späten 12./frühen 13. Jahrhundert setzte auf der Parzelle dann ein rege Siedlungstätigkeit ein, die mit einer umfangreichen Nutzung und Bebauung in Zusammenhang stand. Das nach Süden und Osten abfallende Gelände wurde durch Aufschüttungen für eine Bebauung hergerichtet. Im mittleren Grundstücksbereich entstand im frühen 13. Jahrhundert ein größeres, aufwändig errichtetes Holzhaus. Die Reste dieses Holzgebäudes lassen erstmals für die Oberpfalz außerhalb Regensburgs Erkenntnisse zur Bauweise frühstädtischer hochmittelalterlicher Häuser zu. Das Haus war wahrscheinlich mit seiner Traufseite zur Straße, rechtwinklig zur Befestigungsmauer orientiert. Es hatte eine Breite von etwa 6 m. Die Länge bleibt unbekannt. Es handelte sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen sog. Ständer-Bohlen-Bau. Bei diesem lag die untere, horizontale Holzschwelle, die Grundschwelle, auf einem vermörtelten Steinsockel. In die hölzerne Grundschwelle waren die tragenden, senkrechten Ständer einzapft. Zwischen die Ständer waren liegende oder stehende Holzbohlen in Nute eingeschoben, die so die Wandfläche bildeten. Die Bohlen und der Steinsockel waren zumindest im Innenraum mit Lehm verputzt, der durch kleine, in die Bohlen der Wandfläche eingeschlagene Keile gehalten wurde. Wie Funde von charakteristischen Schindelnägel zeigen, könnten die Dächer zunächst mit Holzschindeln gedeckt gewesen sein. Bereits im 12./13. Jahrhundert war jedoch auch die Hohlziegeldeckung, mit sog. Mönch- und Nonneziegeln in Sulzbach bekannt. So lässt sich anhand der Funde belegen, dass auch das in der Synagogenstraße ausgegrabene Haus im Laufe der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit Hohlziegeln gedeckt wurde. Zahlreiche Scherben von Kachelöfen des 13. Jahrhunderts zeigen, dass das Haus einen Kachelofen besaß, ein deutlicher Hinweis auf hoch stehende Wohnkultur. Solche Ständer-Bohlen-Bauten waren keine einfachen „Holzhütten“, sondern anspruchsvoll ausgeführte Wohnhäuser, die  heute noch stehenden Fachwerkbauten in der Bauqualität in nichts nachstanden. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts brannte das Haus nieder, wurde wahrscheinlich wiederaufgebaut und bis in das späte 14. Jahrhundert genutzt. Im ausgehenden 14. Jahrhundert wurde das Holzhaus abgebrochen und an seiner Stelle ein aus Stein errichtetes Haus erbaut. Dieses hatte die gleiche Breite wie sein Vorgänger, war jedoch etwas weiter nach Süden verschoben. Dieses Haus, dessen Grundriss sich unter der ehemaligen Synagoge erhalten hat, ist mit großer Wahrscheinlichkeit das Gebäude, dass im Jahr 1689 durch die jüdische Gemeinde erworben wurde und in dem die erste Synagoge Sulzbachs untergebracht war. Nachdem es den Ansprüchen nicht mehr genügte, wurde es im Jahr 1737 abgerissen und ein Synagogenneubau aufgeführt. Die archäologischen Untersuchungen erbrachten zahlreiche Baureste dieser 1741 geweihten Synagoge, die beim großen Stadtbrand des Jahres 1822 zerstört wurde. Interessant ist, dass bei der Errichtung der barocken Synagoge die mittelalterlichen Parzellengrenzen strikt eingehalten wurden. Die Nordwand des Gebäudes lag exakt dort, wo bereits im 13. Jahrhundert das Holzhaus seine Nordwand hatte. Dies spricht dafür, dass die Parzellierung im ältesten Stadtkern von Sulzbach mindestens bis in das frühe 13. Jahrhundert zurückgehen kann. Auch im nördlichen Parzellenbereich wurden Mauerreste eines ebenfalls im 13./14. Jahrhundert qualitätvoll erbauten Hauses freigelegt, das im Osten an die älteste Befestigungsmauer anschloss. Beim Stadtbrand von 1822 wurde es ein Raub der Flammen. Dieses Haus gehörte zum Nachbargrundstück Synagogenstraße 7 und war sehr aufwändig vollständig in Stein erbaut. Bei den Ausgrabungen wurden sehr viele Kleinfunde aus dem 8./9. bis zum 19. Jahrhundert gemacht. Hierzu zählen vor allem Keramikfunde, aber auch Gegenstände aus Glas und Metall, wie Messer, Hufnägel, der Nabenring eines mittelalterlichen Wagenrades sowie Tierknochen. Besonders hervorzuheben ist ein kleiner Glasflakon des 13. Jahrhunderts, der zur Aufbewahrung von Parfüm gedient haben könnte. Dieser Fund spricht durchaus für wohlhabendere Anwohner während des ausgehenden Hochmittelalters. Zahlreiche Funde bezeugen außerdem das Brandereignis von 1822 und belegen eine vornehme sakrale Innenausstattung der berocken Synagoge. Zum Fundmaterial im jüdisch-sakralen Kontext gehören vergoldeter Stuck und farbig gefasste Putze sowie Reste einer Kalksteintafel mit hebräischer Inschrift und ein silberner Zieraufsatz, ebenfalls mit hebräischer Inschrift. Die Grabungen in der ehemaligen Synagoge belegen auf eindrucksvolle Weise, was für ein reiches historisches Quellenmaterial im Boden der Sulzbacher Altstadt schlummert. Diese einzigartigen Zeugnisse der Vergangenheit müssen in Zukunft unbedingt vor der Zerstörung bewahrt werden und dürfen bei anstehenden Tiefbaumaßnahmen nicht undokumentiert dem Bagger zum Opfer fallen werden. […]

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