Die Schweppermannsburg bei Pfaffenhofen (Lkr. AS)
Östlich des Dorfes Pfaffenhofen liegt auf einem lang gestreckten Terrassensporn oberhalb der Lauterach die Burg Pfaffenhofen, die nach ihren Besitzern während des 14.Jahrhunderts im Volksmund „Schweppermannsburg“ genannt wird. Im 12. Jahrhundert wohl im Besitz der Kastl-Habsberger kam die Burg nach deren Aussterben an die (österreichischen) Babenberger und im 13. Jahrhundert an die Grafen von Hirschberg, während der Ort zum Gründungsbesitz des Klosters Kastl gehörte. 1330–1353 befand sich die Burg im Besitz der Ritter Heinrich und Hartung Schweppermann, zweier Söhne des berühmten Feldhauptmanns Seyfried Schweppermann (ca.1260–1337). Jener ging durch seine besondere Treue zu Ludwig dem Bayern und seine Tapferkeit, u.a. in der berühmten Schlacht bei Mühldorf am Inn (1322), in die Dichtung ein („Jedem Mann ein Ey – dem tapfren Schweppermann aber zwey“).
Im Dreißigjährigen Krieg spielte die Burg eine Rolle als Truppenlager für schwedisch-protestantische Kontingente, wurde dann aber ab dem 18.Jahrhundert als Steinbruch genutzt. Wegen Baufälligkeit wurden im späten 19.Jahrhundert große Teile der Gebäude im Inneren der Kernburg abgebrochen, u.a. der Palas, und der Bergfried abgetragen. Wegen der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen der letzten 50 Jahre, die vor allem die Reste der Ringmauer und des Bergfrieds betrafen, stellt sich die Burg dem Besucher heute in stark rekonstruiertem Zustand dar.
Über das Aussehen und die Struktur der frühesten Burg lassen sich nur Vermutungen anhand der topographischen Situation anstellen. Anzunehmen ist, dass sich die früheste Burg bereits in eine Hauptburg auf dem nach Westen vorgeschobenen Sporn sowie eine vorgelagerte Vorburg gliederte. Wahrscheinlich lag Letztere auf der nach Osten hin anschließenden Hochfläche mit ihrer künstlich aufgeschütteten Geländekante (Wallrest?). Im Bereich zwischen Hochfläche und Kernburg sind die Reste eines Halsgrabens zu erkennen, der die beiden Burgareale voneinander trennte.
Die modern stark überformte und restaurierte romanische Ringmauer und der Bergfried zeigen überwiegend großformatiges Buckelquadermauerwerk aus Dolomit, das dem 13.Jahrhundert angehören dürfte. Unsere Ausgrabungen (unter der Fachaufsichtsbehörde BLfD, Dienststelle Regensburg) im südlich anschließenden Burgareal an der heute sichtbaren „Vorburgmauer“ erbrachten 2003 den Nachweis, dass das gesamte Gelände im heutigen Zugangsbereich erst im 13. Jahrhundert aufgeschüttet worden war. Die heute sichtbaren Mauerteile sind im 18. Jahrhundert entstanden, wurden allerdings auf einer massiven Bruchsteinmauer des 13. Jahrhunderts aufgemauert, die sich nur im Boden erhalten hat.
Im südwestlichen Abschnitt sind an der Außenseite Reste von Kleinquadermauerwerk erhalten, die noch aus dem späten 11./frühen 12. Jahrhundert stammen können und auf ein Gebäude (Turm?) hindeuten. Der heutige Torbereich ist eine Zutat der Neuzeit – die archäologisch festgestellte Ringmauer des 13. Jahrhunderts lief hier ursprünglich ohne Tordurchlass von Süden nach Norden durch. Auch das Tor zur Kernburg im Westen ist nicht mittelalterlich, der ursprüngliche Zugang zur Hauptburg muss sich an einer nicht näher bestimmbaren Stelle an der Nordseite der Hauptburg befunden haben. Wie einige späthallstatt-/frühlatènezeitliche Keramikfunde und wenige frühmittelalterliche Scherben andeuten, reicht die Besiedlungsgeschichte des Pfaffenhofener Burgbergs allerdings offenbar deutlich über das 11./frühe 12. Jahrhundert n.Chr. zurück.
Lit.: M. Hensch, Archäologische Untersuchungen im Randbereich der Burg Pfaffenhofen an der Lauterach (Markt Kastl, Landkreis Amberg-Sulzbach). In: Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz 6, Büchenbach 2004, 62-87.
Anfahrt: Von Amberg auf der B299 Richtung Neumarkt bis Pfaffenhofen. Hier links an der Kirche vorbei und rechts auf einem Feldweg den Berg hoch, dabei links halten bis zur Burg.
Zu besichtigen: Mittelalterliche Burgruine mit herrlicher Aussicht ins Lauterachtal.

Tuesday, 1. January 2008 20:26
[…] Mehr Infos zur Archäologie der Schweppermannsburg. Hier finden sich ein paar Fotos. […]