In eigener Sache: Kritische Anmerkungen zur Geschäftsstrategie von Grabungsfirmen in Bayern (und anderswo)

„Spiegel Online“ widmet uns Archäologen in seiner Rubrik Wissenschaft eine eigene Seite (http://www.spiegel.de/thema/archaeologie/). Dort ist einleitend unter der Überschrift „Geschichte der Menschheit“ zu lesen:

„Wie sind die Kulturen der Welt zu dem geworden, was sie heute sind? Archäologen suchen an historischen Schauplätzen und auf Friedhöfen, in alten Gemäuern und staubigen Archiven nach Antworten. SPIEGEL ONLINE begleitet die Forscher auf ihrer spannenden Reise in die Vergangenheit. (…)“

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“Günstig durch ganz Deutschland” - Die privatwirtschaftliche Archäologie ( SPIEGEL-ONLINE)
Diese fast als Werbeslogan zu lesende Beschreibung von Archäologie offenbart ein durchaus verbreitetes, aber schiefes Bild unserer Zunft. Wie kaum ein anderes Berufsfeld ist die Wahrnehmung der Archäologie und der Beruf des Archäologen in der Öffentlichkeit von einer bemerkenswerten Diskrepanz geprägt: Einerseits der Archäologe vom Schlage eines Howard Carter oder im Stile eines Indiana Jones, verklärt auf der Suche nach versunkenen Welten und mystischen Überlieferungen. Wie oft habe ich auf meinen Grabungen schon von interessierten Besuchern gehört: „Ich wollte auch immer Archäologe werden“ oder „Haben Sie schon einen Schatz gefunden?“. Die andere, die „dunkle Seite“ der Archäologe aber ist die, die Bauvorhaben verzögert oder gar verhindert, Investitionen im Wege steht und dem fortschritt- und investitionswilligen Bauherrn das Leben schwer und vor allem teuer macht. Zuweilen empfinde ich diese Diskrepanz als unerträglich. Dies ist  besonders dann der Fall, wenn sichtbar wird, dass man die Archäologie doch „toll“ und „spannend“ findet, wenn es aber darum geht, dass unsere spezialisierte und vom Staat vorgeschriebene Arbeit anständig bezahlt werden muss, wir als professionelle Archäologen eben von unserer Arbeit leben müssen, erntet man Unverständnis, bisweilen auch harsche Kritik.

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“…was es den Steuerzahler kostet, dass sich hier ein paar Archäologen austoben dürfen” - Kommentare unter einem Artikel über Grabungen in der Würzurger Altstadt vom 22. Juli 2015 in der Würzburger “Main-Post”

Nun ist Denkmalrecht ist Ländersache. In Bayern wird die praktische archäologische Arbeit, also das Ausgraben und Dokumentieren, die Versorgung der Funde, also das Waschen, Trocknen und das professionelle Verpacken sowie weitere Dienstleistungen rund um die praktische archäologische Arbeit von Grabungsfirmen übernommen, die nach den “Vorgaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zur Grabungsdokumentation” arbeiten – zur finanziellen Last der Bauherrn, respektive der Auftraggeber und Investoren. Ein Blick in diese Richtlinien lohnt auch für den interessierten Laien allemal.

In der Bodendenkmalpflege wird in Bayern, wie in anderen Bundesländern auch, das sogenannte Verursacherprinzip (auch Veranlasserprinzip) angewandt. Es bezeichnet die Kostentragungspflicht für bodendenkmalpflegerische Maßnahmen und legt die Kosten für eine vorangehende oder begleitende archäologische Maßnahme demjenigen auf, der, bedingt durch die Baumaßnahme, im Eigeninteresse archäologische Quellen zerstört. Mit der Unterzeichnung des Europäischen Übereinkommens zum Schutz des archäologischen Erbes verpflichtete sich auch Deutschland, das Verursacherprinzip zur besseren Finanzierung der Bodendenkmalpflege anzuwenden. Anders als etwa in Nordrhein-Westfalen nennt das Bayerische Denkmalschutzgesetz das Verursacherprinzip nicht im Gesetzestext.
Die Grabungsfirmen und selbstständigen Archäologen arbeiten also im Spannungsfeld zwischen dem gesetzlich geregelten Auftrag zum Denkmalschutz und zur Denkmapflege und dem ökonomisch orientierten Interesse des Bauherrn/Investors.

Und hier liegt eines von gleich mehreren Grundproblemen:
Es liegt im Interesse des Bauherrn, dass die archäologische Maßnahme

1.    so billig wie möglich
und
2.    so schnell wie möglich

durchgeführt wird. Er hat kein, zumindest kein primäres Interesse an einer besonderen Qualität der Dokumentation und dem wissenschaftlich-hitorischem Inhalt der Ausgrabung. Durch Richtlinien zur Grabungsdokumentation versucht die Denkmalschutzbehörde zumindest die notwendige Qualitätssicherung herbeizuführen. Doch steht hierbei mitunter die formale, nicht unbedingt inhaltliche Qualität im Vordergrund der Kontrollmechanismen.

Ökonomische Gesichtspunkte stehen bei der Untersuchung wie im Baugewerbe üblich also im Fokus der Auftragsvergabe. Die besondere Crux hierbei ist aber: Wir verkaufen Auftraggebern eine Dienstleistung, die sie eigentlich gar nicht haben wollen, und deren Notwendigkeit sie oftmals nicht einmal ansatzweise nachvollziehen können. Sie werden gewissermaßen rechtlich dazu gezwungen, fühlen sich kompromittiert und finanziell drangsaliert. Es fehlt oftmals an der nötigen historischen Sensibilität, die Bauherren nur selten aufbringen möchten oder können. Und in Abwägung finanzieller Belastungen dürften sogar diejenigen unter den Bauherren missstimmig werden, die historische Einblicke in den Boden als durchaus interessant betrachten - es darf aber eben nur nichts (oder nicht viel) kosten…

Demnach dürfte es kaum andere Dienstleistungsbereiche geben, in denen ein derartiges Paradoxum so sichtbar wird, wie bei Grabungsfirmen und bei der von ihnen angebotenen praktischen archäologischen Tätigkeit.
Neben der Problematik eines verlorengehenden kritischen Umgangs mit historischen (i.e. archäologischen)  Quellen, führt dieses Dilemma auch zu einem anderen problematischen Themenkompex der marktwirtschaftlich geprägten Archäologie: Zur sozialen Veranwortung der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer.

Fast alle Firmeninhaber von Ausgrabungsfirmen in Bayern sind ausgebildete Archäologen – nur ganz wenige von ihnen haben Betriebswirtschaftslehre studiert oder auch nur eine betriebswirtschaftliche Lehre absolviert. Man geht wohl nicht fehl, die in die Selbständigkeit „gezwungenen“ Archäologen als betriebswirtschaftliche Autodidakten zu bezeichnen, die sich ggf. nach eigenem Interesse betriebswirtschaftlich gebildet und fortgebildet haben. Der immense Konkurrenzdruck unter den mittlerweile über 30 in Bayern arbeitenden Grabungsfirmen verbunden mit der eingangs beschriebenen Problematik „ungewollter Dienstleistung“ hat zu einem drastischen Preisverlust im Bereich der privatwirtschaftlichen Archäologie geführt, den insbesondere die Angestellten und freien Mitarbeiter der Grabungsfirmen zu spüren bekommen, weniger die Firmeninhaber selbst. Dies gilt für Grabungshelfer ebenso wie für die zahlreichen beschäftigen studierten Archäologen. Gewerkschaftliche Anbindung der Wirtschaftssparte „Archäologie“ gibt es nicht, demnach gibt es auch weder gewerkschaftlichen Schutz, noch verbindliche tarifgebundene Löhne. Auch eine einheitliche Tarifordnung, die durchaus machbar und im Sinne der Grabungsfirmen wäre, ist nicht existent, weil jeder das Damoklesschwert fehlender Aufträge im Nacken spürt und daher möglichst billige Preise anbietet. Die praktische archäologische Arbeit ist dabei oftmals geprägt von schlechten Arbeitsbedigungen, schwerer physischer Belastung. Bis zu 11 Stunden auf der Ausgrabung in sengender Sommerhitze, bei Regen, Schnee und Frost, ständiger Zeitdruck, schwere körperliche Belastungen, stundenlang auf Knien rutschend oder hockend in unnatürlichen Körperhaltungen sind nur einige Belastungen, denen man auf Ausgrabungen täglich ausgesetzt ist. Ein Job, den in der Regel ohnehin nur jüngere Menschen auf Dauer leisten können. Dementsprechend viele studentische Mitarbeiter werden beschäftigt - jung, motiviert, idealisiert und eben günstig. Denn Grabungsfirmen müssen billig und schnell sein, damit sie Aufträge bekommen…. Das bedeutet in der Praxis aber auch Stundenlöhne im Bereich des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns, für extrem harte körperliche Arbeit. Studierte Archäologen mit Magisterabschluss werden für Stundenlöhne von Putzkräften beschäftigt. Zum Teil erhalten gut ausgebildete osteuropäische Kollegen, Studenten und Grabungsarbeiter lediglich den Mindestlohn für 8,50 €. Montagsgehälter von knapp über der Armutsgrenze sind keine Seltenheit. Wissenschaftliche Grabungsleiter werden bei einigen Grabungsfirmen mit weniger abgerechnet als ein Fliesenleger.

Wenn wir als archäologische Arbeitgeber es nicht schaffen, dieser ebenso unsozialen, wie auf Dauer unwirtschaftlichen Entwicklung entgegenzuwirken und zu verstehen, dass faire Löhne und Preise und Wertschätzung gegenüber unserer eigenen Arbeit und unseren Mitarbeitern der wesentliche Bestandteil unseres Selbstverständnisses und ökonomischen Überlebens sind, wird die privatwirtschaftliche Archäologie keine Zukunft haben. Der privatwirtschaftlich organisierten praktischen Archäologie muss die Wertschätzung entgegengebracht werden, die ihrer gesellschaftlichen Aufgabe entspricht, nämlich zu helfen, unwiederbringlich verlorengehendes, kulturelles, historisches Erbe zu sichern, zu dokumentiern und weiterzugeben. Fangen wir also bei uns damit an, etwas zu verändern und hinterfragen wir unsere soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern ebenso, wie die eigene Wertschätzung unserer Arbeit gegenüber.

Datum: Wednesday, 22. July 2015 11:02
Themengebiet: Grabungsprojekte, Hintergründe Trackback: Trackback-URL
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9 Kommentare

  1. 1

    Vielen Dank für den Ausführlichen Beitrag. Ich kann persönlich bestätigen das die Situation in Berlin und Brandenburg dieselbe ist.

    Das günstigste Gewerk am Bau sind leider immer die Archäologen. Die sich durch Zeitdruck häufig selbst in gefährlichste Situationen begeben.

    Ein wenig hat der Mindestlohn die Lage schon verbessert, da er wenigstens eine Untergrenze der Entlohnung setzt.

  2. 2

    Aber dies ist nur eine Facette des Problems der zunehmend mangelhaften Achtung von Kultur und Kulturarbeit in unserer Gesellschaft. Museen werden geschlossen, ohne daß die Öffentlichkeit reagiert, Politiker schlagen vor, zum Erhalt von Museen Sammlungsstücke zu verkaufen, generell scheint bei den heutigen “Entscheidern” der früher selbstverständliche Respekt vor dem Althergebrachten zurückzugehen. Und da stellt sich doch die Frage: Was haben wir, was haben die, die sich seit mehr als 20 Jahren in Museen und anderen Kultureinrichtungen für die Vermittlung von Wissen um Kultur einsetzen, falsch gemacht, wenn diese Generation von Entscheidern das Ergebnis ist. Und darüber hinaus: Was können wir an unsere Nachfolger weitergeben, damit sie es besser machen können und in weiteren 20 Jahren wieder eine Stimmung in unserer Welt vorherrscht, in der Achtung vor Geschichte und Geschichtszeugnissen selbstverständlich ist?

  3. 3

    Ein sehr guter, richtiger und wichtiger Beitrag!

    Habe selbst letztens erst bei einem online-Interview in die gleiche Kerbel gehauen (http://blog.erlebnisarchaeologie-bayern.de/?p=681 - Frage 3).
    Und auch Herr Hansel hat Recht. Ich hatte schon immer gerne Besuch von Kindern auf meinen Grabungen oder auch am liebsten Kinderführungen im Museum gemacht, weil sie die “Entscheider” von morgen sind. Aber wenn ich dann heute 25 Vorschüler im Rahmen meiner Projektarbeit frage, ob sie schon mal einen alten wieder zusammengesetzten Topf im Museum gesehen haben, kommt nichts - weil sie NOCH NIE in einem Museum waren. Erschreckend!

  4. 4

    Danke für diese umfassende und doch kompakte Darstellung der Archäologie in unserem Land und insbesondere in Bayern. Die “bayerische Grauzone” des ungenannten und doch angewandten Verursacherprinzips macht die Arbeit für die Grabungsfirmen noch schwieriger. Der Begriff der “ungewollten Dienstleistung” beschreibt diese Groteske hervorragend!

  5. 5

    Lieber Kollege,

    ich bin durch Zufall auf den o. g. Beitrag gestoßen und muss ihnen, auch wenn ich ein direkter Konkurrent von Ihnen bin, in ihrer Meinung zustimmen und würde gerne anfangen daran was zu ändern. Mit herzlichen Grüßen

  6. 6

    Ich kann diesem Artikel in den wesentlichen Gedanken nur zustimmen. Allerdings ist es zumindest bei uns nicht so, daß der Arbeitgeber, vulgo Firmenchef, nicht spürt, wenn die Preise in den Keller gehen. Aber das weitaus größere Problem ist, daß sich die Grabungsfirmen ständig unterbieten, weil sie meinen, daß sie unbedingt den nächsten Auftrag brauchen, koste es was es wolle, bzw. koste es so wenig wie möglich. Den Auftraggeber freut das sicherlich. Dabei übersehen die Firmen aber häufig, daß diese fatale Preisgestaltung dazu führt, daß der Umsatz viel höher ausfallen muß, um noch ein bißchen Gewinn zu machen, und sei es noch so wenig. Denn: keine Firma kann existieren ohne Gewinn! Diese Billiganbieter vergessen dabei, daß sie bei höheren Preisen ihren Mitarbeitern: erstens ein besseres Gehalt zahlen könnten; zweitens den Druck auf die Mitarbeiter reduzieren könnten indem der Auftragsdurchsatz reduziert werden kann, somit auch Berichte, Dokumentationen und die tägliche Arbeit mit geringerem Druck und damit mit besserer Qualität erledigt werden kann; drittens die Mitarbeiter daher motivierter arbeiten, weniger krank werden und somit unterm Strich bessere Leistung erbringen, was sich auch wirtschaftlich wieder rechnet, sogar für den Bauherren! Denn: ein Ausfall von Mitarbeitern kann auch dazu führen, daß die Arbeiten auf der Baustelle langsamer vorangehen, es zu Stillstand kommen kann, Verzögerungen entstehen, die ihrerseits wiederum Geld kosten.
    Die billigen Preise zwingen mittelfristig das gesamte Preisniveau nach unten, so daß auch Unternehmen, die eigentlich höhere Preise ansetzen, diese nicht mehr am Markt durchsetzen können.
    Lösungsansätze gäbe es schon. So hat sich in Bayern der SAB gegründet, dem leider nicht alle in Bayern tätigen Firmen angehören. Es gab bereits Versuche, eine Art von “Gebührenordnung” einzuführen, die jedoch bei der erstbesten Gelegenheit von den Mitgliedsfirmen des SAB in die Tonne getreten wurde.
    Dennoch sehe ich in einem schlagkräftigen Verband immer noch die beste Alternative!

  7. 7

    […] ein wunderbaren Anfang macht dieser ehrliche Artikel auf http://www.schauhuette.de/blog/archives/777  zum Thema Grabungsfirmen in Bayern! Mehr davon! […]

  8. 8

    Meiner Ansicht nach hängt das Klischee der paar Scherben und verstaubten Steine stark mit einem früheren Ausstellungsparadigma des offenen Buchs an der Wand und der Museumsgestaltung allein für das Bildungsbürgertum als Zielgruppe zusammen.Unabänderlich scheint mit, dass Bauherren eben mehr Lobby haben als ein Bodendenkmal.

    Möchte man wirklich alle erreichen und sensibilisieren, müsste man schon in den Schulen ansetzen, dort KÖNNTEN (mit entsprechend qualitativem Unterricht, genügend motivierten Lehrern und weniger Stundenausfall …) Schüler für das Alte begeistert werden. Bleibt man beim gesellschaftlichen Ansatz, so sollten Museen gerade für Familien mit Kindern attraktive Angebote bereithalten.

    Als Hinweis für Herr Hansel: Man kann beispielsweise Museologie studieren (Würzburg, Oldenburg, Leipzig), wo u. A. Kulturmanagement oder Inventarisieren, Werkstoffe aber auch ein Nebenfach auf dem Stundenplan stehen. Außerdem gibt es für aktuelle Museumsmitarbeiter Fortbildungsmöglichkeit in Freiburg. Obwohl das natürlich auch nicht auf alles vorbereitet…

  9. 9

    Liebe Kollegen,
    seit vielen Jahren bemühe ich mich auf verschiedenen Ebenen um bessere Arbeitsbedingungen für Archäologen. Ich habe leider feststellen müssen, dass es Wir selbst, die Archäologen, sind, die jene Missstände verursachen. Nahezu jeder Archäologe jammert über die Zustände. An Ämtern, Universitäten, Instituten und in Firmen. Dennoch wird eifrig für das geschmähte System gearbeitet und die Missstände werden gefördert. Es gibt immer einen Archäologen der schreit “ich bin billiger”, es gibt Denunziation um zu gefallen. Es gibt offene und versteckte Häme. Ich habe eine Grabungsfirma gegründet mit dem Ziel faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen für meine Mitarbeiter zu schaffen. Leider stelle ich fest dass es “Kollegen” gibt die bereitwillig unterhalb gesetzlicher Lohngrenzen arbeiten. Wenn Konkurrenten Grabungsleiter für weniger als 35 Euro pro Stunde anbieten, wenn Kreisarchäologen den Grabungsfirmen den Markt durch eine Vermischung aus “Ehrenamt”, fachlichem Diletantismus und unterbezahlten Werkverträgen nicht nur verzerren sondern völlig kaputt machen, wenn unsere Aufsichtsorgane in Hinsicht auf Kontrolle der Arbeitsbedingungen und Löhne völlig blind sind und nicht eingreifen, dann kann es keine Besserung geben. Öffentliche Auftraggeber dürfen Lohndumping und Scheinselbstständigkeit nicht unterstützen. Firmen mit festangestelltem Personal müssen gefördert werden. Arbeitssicherheit, Altersversorgung und Rücklagenbildung dürfen keine Fremdwörter mehr sein. Und liebe Kollegen, liebe Grabungsleiter, liebe Grabungshelfer und Techniker: nehmt eure Rechte wahr. Fordert nicht fünfzig Cent mehr Stundenlohn, oder Diensthandy und Arbeitsschuhe. Fordert feste, unbefristete Einstellungen. Sagt, dass ihr euch sonst andere Arbeitgeber sucht. Wenn die Mehrheit das durchzieht, dann wird sich etwas ändern. Ich habe derzeit zwei Drittel meiner Mitarbeiter unbefristet angestellt. Ganzjährig. Das ist nicht einfach. Aber es geht. Und die Löhne sind zwar nicht hoch, reichen aber zur Existenzsicherung. Wenn das zur üblichen Praxis würde, dann könnte ich auch die Löhne weiter erhöhen. Deswegen sollte das Gejammere 😩 aufhören. Jeder kann zumindest versuchen etwas zu verbessern. Wenn den Dumpingfirmen das qualifizierte Personal ausgeht, wenn andererseits Qualität geprüft würde, und wenn auch die Denkmalfachbehörden sich an die Regeln der sozialen Arbeitsbedingungen halten (Grüße an jene Bundesländer in denen Grabungsfirmen nicht zugelassen sind und in denen der Missbrauch der Arbeitskraft für Ausgrabungen besonders pervers und staatlich gedeckt ist), dann wird sich etwas ändern. Ich würde mich freuen wenn die Bfk ihre Mitglieder bezüglich Scheinselbstständigkeit und Lohnniveau mehr an die Zügel nehmen würde. Oder die Fachbehörden die Arbeitsbedingungen auf den Grabungen hinterfragt. Auch jene Mischkonstruktionen aus Grabungsfirma, Verein und Universitäten oder Ämtern müssten die gleichen Regeln auferlegt werden. Aber wichtigster Punkt ist und bleibt: wer mitmacht, trägt Mitschuld. Auch als Grabungshelfer. Oder Professor.

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