Ein barbarossazeitlicher Bergfried auf der Burg Falkenberg?

Bei unserer jüngsten Notdokumentation im Bereich der eindrucksvollen Burg Falkenberg (Markt Falkenberg, Landkreis Tirschenreuth) konnten wir auf einem teilweise künstlich überarbeiteten Felsplateau am Nordrand des Terrassensporns außerhalb der heutigen Kernburg Mauerreste des späten 12. Jahrhunderts untersuchen.

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Bildnachweis oben: „Falkenberg-Burg-2“ von Walter J. Pilsak, Waldsassen - Übertragen aus de.wikipedia nach Commons.. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Falkenberg-Burg-2.jpg#/media/File:Falkenberg-Burg-2.jpg

An dieser exponierten Stelle wurde wahrscheinlich in den letzten Jahrzehnten vor 1200 ein mächtiger Steinbau errichtet, dessen unterste Buckelquaderlagen und Füllmauerwerkreste sich nur mehr an der Nordostecke erhalten haben. Abarbeitungs- und Mörtelspuren auf dem markanten Felsplateau legen jedoch nahe, dass es sich dabei um einen etwa 10 x 10 m großen Turm gehandelt hat, bei dem es sich um den Bergfried der stauferzeitlichen Burg gehandelt haben dürfte. Fundmaterial aus umliegenden Schichten, das erst nach der Errichtung des Turms in den Boden gelangt sein kann, gehört in das ausgehende 12. und beginnende 13. Jahrhundert.

Der Turm stand an exponierter, zentraler Stelle auf dem Schlossberg und belegt, dass im Hochmittelalter offenbar der gesamte Terrassensporn südlich des Waldnaabübergangs in die Burganlage einbezogen war. Dies legt auch ein Blick auf die Topographie nahe. Wahrscheinlich waren sogar weite Teile östlich des heutigen Zugangsbereichs zur Burg vom 11. bis zum 13. Jahrhundert in die Befestigung eingebunden. Hierfür sprechen u.a. zwei östlich der heutigen Kernanlage auf dem Hochplateau liegende Abschnittsgräben. Die Kernburg dürfte dann wohl erst im Laufe des 14. Jahrhunderts auf den markanten vorderen Felsturm reduziert worden sein. Es ist gut möglich, dass der heutige Bergfried der Burg aus dem 14. Jahrhundert mit Steinmaterial des stauferzeitlichen Turms errichtet wurde, denn sein Mauerwerk zeigt zahlreiche Buckel- und Glattquader in Zweitverwendung.
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Der von uns untersuchte, einst sicher mächtige Turm könnte noch unter den Grafen von Sulzbach, in den letzten Jahren vor ihrem Aussterben 1188 erbaut worden sein. Er ist dann wohl als architektonischer Ausdruck der Repräsentation gräflicher Macht auf der Burg Valchenberch am nördlichen Rand des Sulzbacher Allodialbesitzes um Tirschenreuth zu verstehen und war dann zugleich eine wesentliche fortifikatorische Modernisierung der Infrastruktur der Burganlage.

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Datum: Wednesday, 5. August 2015 16:27
Themengebiet: Grabungsprojekte, Hintergründe Trackback: Trackback-URL
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