Die Burg der Edelfreien von Ebermannsdorf

Wohnturm der Burg Ebermannsdorf, 12. JahrhundertSüdöstlich von Ebermannsdorf liegt im Wald oberhalb des Dorfes in Nachbarschaft zum Schloss aus dem 18.Jahrhundert der hochmittelalterliche Stammsitz der edelfreien Familie der Ebermannsdorfer. Schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts treten die Herren von Ebermanssdorf erstmals in den Urkunden auf – der älteste sichere bekannte Vertreter des Geschlechts war ein Meriboto de Ebermundesdorf, der in einer Urkunde des Klosters Ensdorf von 1107/9 als Zeuge auftritt. Die Ebermannsdorfer traten im Gefolge verschiedener geistlicher und weltlicher Grundherren auf: dem Bamberger Bischof, den Grafen von Sulzbach, der Grafen (später Pfalzgrafen) von Wittelsbach, der Markgrafen von Cham-Vohburg, der Grafen von Hohenburg und der Grafen von Burghausen. Sie standen in enger Beziehung zum bambergischen Kloster Ensdorf. Schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts verschwinden Ebermannsdorfer aus den Quellen, so dass es möglich ist, das die Familie um 1200 im Mannesstamm ausstarb. Zwar nennen sich auch noch im 14. Jahrhundert niederadlige Herren nach Ebermannsdorf, doch sind diese wahrscheinlich nicht mit der Familie des 12. Jahrhunderts identisch.
Die nur etwa 50×40 m große Kernburg stand auf einer Hügelkuppe am aufsteigenden Westhang. Sie war größtenteils von einem gut 5m breiten, heute noch gut im Gelände erkennbaren (Hals-)Graben gesichert. Eine Vorburg ist nicht genau zu lokalisieren, könnte sich aber im Bereich des neuzeitlichen Schosses befunden habe. Der Zugang zur Kernburg erfolgte von der Südseite her. Im Zentrum der Burg ragt der eindrucksvolle oktogonale Wohnturm noch gut 16 m hoch empor. Wie Ausgrabungen am Turm ergaben, ist dieser mit seinem aufgehenden Mauerwerk noch gut 6 m im Boden. Das Turmhaus ist in das erste Viertel des 12. Jahrhunderts zu datieren und hat offenbar sein Vorbild wohl im um 1100 erbauten Wohnturm der Grafenburg in Sulzbach. Das durchschnittlich 2,5 m starke Mauerwerk besteht überwiegend aus Kleinquadern unterschiedlicher Schichthöhen. Das Füllmauerwerk zeigt eine fischgrätartige Schichtung. Das Bauwerk besaß vier Geschosse. Der originale Hocheingang mit tonnengewölbtem Durchgang ist im Nordwesten oberhalb des 1.Geschosses in etwa 4 m Höhe erhalten. Die Balkenlöcher für die hölzerne Zugangtreppe sind ebenfalls erhalten. Über dem Eingang ist eine zugemauerte Rundbogentür im Bereich des 2. Geschosses zu erkennen, die wohl aufgrund einer Planänderung beim Bau zugesetzt wurde. Im Südosten befindet sich ein durch die gesamte Mauerstärke verlaufenden Aborterker, der nur das 1. Geschoss bediente. Gegenüber von diesem befand sich ein Kamin, der den Wohncharakter des Turmes unterstreicht. Reste des Mauerberings aus dem 12. Jahrhundert sind obertägig im Nordwesten und Osten erkennbar, stecken aber zu großen Teilen noch im Boden. Den schriftlichen Quellen nach gab es zu Beginn des 12. Jahurhunderts eine Burgkapelle, die nicht lokalisiert ist. Weitere Nebengebäude könnten im nördlichen Kernburgareal gestanden haben, doch fehlen großflächigere Ausgrabungen in Innenraum der Burg. Sanierungsarbeiten haben 2001/2 den Mauerbestand des Wohnturms gesichert und durch die Bauforschung zusätzliche Erkenntnisse zu seiner Baugeschichte erbracht.
Literatur: Joachim Zeune, Salierzeitliche Burgen in Bayern, in: Horst Wolfgang Böhme (Hg.), Burgen der Salierzeit Bd. 2, Sigmaringen 1992, 177-233. Heinrich Wanderwitz, Studien zum nordgauischen Adel im Hochmittelalter, in: Verhandlungen des historischen Vereins für die Oberpfalz 133, 1993, 29-60, bes. 50-59. Joachim Zeune, Wohntürme in Bayern, in: Wohntürme. Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung, Landesgruppe Sachsen 2002, 29-40.

Datum: Saturday, 22. September 2007 16:31
Themengebiet: Hintergründe Trackback: Trackback-URL
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