Erlheimer Weg - Hinweise auf eine karolingerzeitliche Siedlung vor den Toren der Burg Sulzbach

Luftbild von 1945

Ausgangsituation im Bereich der Bachniederung Erlheimer Weg-Alte Straße

Durch den archäologischen Nachweis eines Herrschaftszentrum der karolingischen und ottonischen Zeit im Bereich des heutigen Sulzbacher Schlosses und eine bis in das 8. Jahrhunderts zurückreichenden Siedlungstätigkeit auf dem Burgberg, stellte sich bei der wissenschaftlichen Auswertung der Untersuchungen erstmals die Frage nach der frühmittelalterlichen „Ursiedlung“ von Sulzbach bzw. der zur frühmittelalterlichen Burg gehörigen Hofstellen (curtes).

Dass diese nicht im Bereich der heutigen Altstadt gelegen haben kann, darf als sicher gelten. Der karstige Untergrund auf der Hochfläche erschwert nicht nur die nötige Wasserversorgung erheblich sondern ließ darüber hinaus keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen zu. Auch der Ortsname selbst deutet an, dass die frühmittelalterlichen Siedler bachnahe Bereiche in der Niederung genutzt haben werden, die zugleich verhältnismäßig hohe Bodengüten aufwiesen.

Die jüngeren Forschungen Siedlungsgeschichte Sulzbachs haben gezeigt, dass sich aus historisch-topographischen Gesichtspunkten mehrere Areale in der Bachniederung im direkten Umfeld der Burganlage für die Lokalisierung einer oder mehrerer frühmittelalterlicher Siedlungskerne eignen würden. Hierzu zählt besonders auch das ca. 200-300 m nördlich der Burg in einer Bachschleife gelegene Gebiet zwischen Kreuzerweg, Dekan-Meiler-Straße und Erlheimer Weg sowie dem nördlichen Teil der Schießstätte. Das Gebiet wird durch die Alte Straße bzw. den Erlheimer Weg zudem von einer Altstraße durchzogen, die hier in den Rosen- bzw. Erlbach quert. In diese Altstraße mündet nördlich von Erlheim wiederum der Sulzbacher Weg, ein weiterer stark frequentierter Altweg.

Das zur Bebauung anstehende Grundstück liegt somit genau in diesem Bereich in Sichtweite zur frühmittelalterlichen Burg. Nach einer Stellungnahme des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Dienststelle Regensburg (Frau Dr. S. Codreanu-Windauer) wurde dem Bauherrn durch die Untere Bauaufsichtsbehörde somit die Auflage gemacht, zum Humusabtrag einen Archäologen beizuziehen und ggf. eine archäologische Ausgrabung vor Baubeginn durchführen zu lassen.

Baustellenbeobachtung

Nachdem bekannt geworden war, dass die Baumaßnahme bereits am 3.8.2004 begonnen wurde, konnte die Baumaßnahme erst am 6.8.2004 in Augenschein genommen. Hierbei wurde festgestellt, dass durch den Bagger bereits ca. 3/4 der zu bebauenden Fläche tiefgründig abgebaggert waren. Dies betraf den gesamten südlichen Teil des Grundstücks . Die Baugrube war vor allem im westlichen Abschnitt bis auf ca. 1,5 m unter dem rezenten Humus abgetragen worden. Da das Gelände nach Osten zum Bach hin abfiel, waren hier die Abplanierungen weniger mächtig.

In der ausgebaggerten Fläche konnten im südwestlichen Teil zum Erlheimer Weg nur noch wenige Pfostenspuren erkannt werden. Diese waren jedoch nur noch wenige Zentimeter tief im anstehenden Lehm-Sandgemisch erhalten, so dass keine Aussagen über eine stratigraphi-sche oder chronologische Zugehörigkeit gemacht werden konnten. Zudem wurde die gesamte Fläche mit schwerem Baugerät befahren, was ein Erkennen bzw. das Dokumentieren möglicher Siedlungsspuren unmöglich machte.

In regelmäßigen Abständen waren auf der gesamten ausgebaggerten Fläche annähernd quad-ratische, ca. 1 x 1 m große Erdsockel stehen gelassen worden, an deren Stelle später Punktfundamente eingebracht werden sollten. Im Schicht profil eines dieser Erdsockel konnte in der Südwestecke des Grundstücks eine ca. 5 bis 10 cm dicke Siedlungsschicht über dem anstehenden Boden erkannt werden, die stark mit Holzkohle durchsetzt war und offenbar den ältesten Siedlungsniederschlag an dieser Stelle charakterisiert. Da sich aus dieser Kulturschicht keinerlei Funde bergen ließen, die Hinweise auf die Entstehungszeit dieser Schicht gegeben hätten, wurden zwei Holzkohleproben für eine Radiokarbondatierung genommen, die zur Bestimmung gegeben wurden an das C14-Labor KORA des Physikalischen Instituts der Universität Erlangen-Nürnberg (SUL-Erlh.Weg 1/2). Beide Proben erbrachten Daten des 8. bis 9. Jahrhunderts.
Radiokarbondaten aus der Kulturschicht am Erlheimer Weg
Die Möglichkeiten einer flächendeckenden archäologischen Baubeobachtung im südlichen und mittleren Teil des Baugrundstücks, die evtl. Aussagen über Besiedlungsabläufe an dieser Stelle zugelassen hätte, waren durch den Baggereinsatz jedoch bereits vertan.

Dagegen bot das nördliche Viertel der Fläche – der ehem. Bereich der Tennisplätze - noch die Chance auf einen archäologisch begleiteten Erdabtrag. Das Gelände war hier in den 1960er/1970er Jahre zur Anlage der Sportplätze stark aufgehöht worden. Um Hin-weise auf evtl. vorhandene Siedlungsspuren zu erhalten, wurden vom Bagger zwei ca. 2,2 m breite Sondagegräben in Nord-Süd- bzw. West-Ost-Richtung bis auf den anstehenden Boden gezogen. Unter den modernen Auffüllungen zur Anlage der Sportlätze, dar-unter Plastik und Schlackebeton der Maxhütte, konnten hier keine historisch relevanten Be-funde beobachtet werden. Wie auf dem gesamten Areal bestand der natürliche Boden, der in ca. 1,5-1,8 m anstand, aus stark lehmigen, ockerbraunem Schwemmmaterial, dessen obere Bereiche häufige Holzkohleflitter enthielten. Dieses Material ist wohl z.T. als Schwemmmaterial der Erlbachs, z.T. auch als Erosionsmaterial in der Talniederung zu deuten. Es ist nicht daher ganz auszuschließen, dass sich in großer Tiefe noch vorgeschichtliche Siedlungsspuren befinden könnten. Eine frühmittelalterliche Besiedlung konnte hier nicht festgestellt werden.

Der negative Befund im nördlichen Teil des Grundstücks darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im südlichen Teil des Grundstücks zum Erlheimer Weg hin sehr wohl Siedlungsspuren gab, die sich aber infolge des bereits vorgenommenen Ausbaggerung nicht mehr deuten lassen. Möglicherweise geben die Radiokarbondaten einen Hinweis auf den Siedlungsbeginn an dieser Stelle. Die gesamte Talniederung muss weiterhin mit den an sie anschließenden Hangterrassen im Bereich der Altstraßenkreuzungen als historisch sensibles Areal gelten. Trotz großflächiger moderner Überbauung ist auf den wenigen Freiflächen mit archäologischen Siedlungsspuren zu rechnen, die für die Stadtgeschichte und die Sieldungsgeschichte der mittleren Oberpfalz große Bedeutung haben könnten.

Literatur: M. Hensch, Neue Hinweise zur historischen Topographie Sulzbachs im Frühmittelalter,
Stadt Sulzbach-Rosenberg, Landkreis Amberg-Sulzbach. In: Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz 7, Büchenbach 2005, 247-286.

Datum: Saturday, 22. September 2007 17:20
Themengebiet: Grabungsprojekte Trackback: Trackback-URL
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