“… ach reißt´s doch nieder, des alte Glump…!” - Vom Verschwinden der alten Häuser - ein Nachtrag

Aus gegebenem Anlass: Wieder ist eines der letzten traditionellen Oberpfälzer Häuser dem Bagger zum Opfer gefallen - diesmal in Vilshofen (Lkr. AS), das beeindruckende, große Haus Bergstraße 2. Vilshofen wird erstmals um 1129 als “villa Vilsehofen” in einer Schenkung an das Kloster Ensdorf urkundlich genannt. Der Ortsname, dessen ursprüngliche Form als (pl.) “*Filusinhofun” =”zu den Höfen an der Vils” rekonstruiert werden kann, spricht für eine Ortsgründung im 8./9. Jahrhundert. Das Gebäude Bergstraße 2 stand nicht unter Denkmalschutz, war aber zumindest in seinen Grundrissdimensionen bereits in der Uraufnahme von 1808 bis 1864 verzeichnet.

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Mit großer Wahrscheinlichkeit hat es sich bei dem hier eingezeichneten Haus bereits um das nun abgebrochene Gebäude gehandelt. Das große Wohnhaus (oder Wirtshaus?) stand auf der Ostseite der Vils in West-Ost-Richtung, giebelständig zum Fluss und besaß in der Uraufnahme die Hof-Nr. 1 mit sechs (!) Wirtschaftsgebäuden. Damit dürfte die Hofstelle zu den ältesten und größten Höfen in Vilshofen gehört haben. Das markante historische Gebäude war mit seinem steilen Satteldach und Mittelflurerschließung zusammen mit dem noch stehenden Haus Bergstraße 1, das ebenfalls bereits in der Uraufnahme verzeichnet ist, absolut ortsprägend, in dem ansonsten von Neubauten der 1970er bis 1990er Jahre zersiedelten Westhang über der Vils. Ich habe an dieser Stelle bereits vor einiger Zeit einen kleine Kolumne zum Verschwinden der traditionellen Oberpfälzer Hauslandschaft geschrieben, die ich im Detail hier nicht wiederholen möchte. Jedoch steht dieses Verschwinden alter Häuser hier wie anderswo meines Erachtens für einen verantwortungslosen Umgang mit eigener Geschichte und Identität.

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Dieser Umgang mit historischen Bauten, die ja gerade das Werden, Wachsen und die ökonomischen Grundlagen eines Dorfes widerspiegeln und die ganz unmittelbar mit den Bewohnern verknüpft sind, beruht auf einer zunehmenden Wertelosigkeit und Desorientierung, die sich durch vermeintlich profitable und renditeträchtige Überlegungen zum Bauen und Leben auf dem Land ergeben haben. Bereits im Jahr 1975 veröffentlichte der Filmemacher Dieter Wieland einen Film zu dieser Entwicklung in bayerischen Dörfern, der sehr sehenswert ist und Sie mit einem Klick hier ansehen können.
Die traditionelle Hauslandschaft der Oberfpalz ist jedenfalls bereits so gut wie ausgestorben.

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Wichtig wäre, mehr Sensibilität in der ländlichen Bevölkerung zu schaffen, um die wenigen erhaltenen historischen Bauten, die längst nicht alle durch die Denkmalpflege geschützt sind, vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren.
Bilder (c): Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Bayerische Vermessungsverwaltung & M. Hensch.

Datum: Friday, 10. March 2017 9:13
Themengebiet: Hintergründe Trackback: Trackback-URL
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