Angst vor Wiedergängern im Amberg des 14. Jahrhunderts?

Unter den inzwischen zahlreichen von uns ausgegrabenen spätmittelalterlichen Gräbern auf dem Amberger Spitalfriedhof sticht dieses ungewöhnliche Männergrab des 14. Jahrhunderts hervor. Die seltsame Postionierung des Schädels könnte darauf hindeuten, dass der Mann enthauptet wurde. Zwar steht eine genaue paläopathologische Untersuchung der Halswirbelsäule durch eine(-n) Anthropologen (-in) noch aus, doch ist die Position des Kopfes auf natürliche Weise nicht zu erklären. Vielmehr scheint der (abgeschlagene?) Kopf dem Toten (nach seiner Hinrichtung?) zwischen die Schultern gesetzt worden zu sein. Sehr ungewöhlich ist ferner die ohne Zweifel intentionelle Steinsetzung unmittelbar vor dem Gesicht des Verstorbenen. Auch der im Bereich des linken Oberarms freigelegte zweite Stein könnte ursprünglich vor dem Schädel gestanden haben und erst nachträglich verkippt sein. Zugleich liegt er jedoch auch direkt über dem Herzen des Toten.

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Die Befundsituation lässt an die Angst vor Nachzehrern denken, eine spezielle Art des Wiedergängerglaubens, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit weit verbreitet war: In der Vorstellung der damaligen Menschen waren “Nachzehrer” Wiedergänger, die auf irgendeine Art Angehörige oder andere Menschen in den Tod nach sich ziehen. Der Grund für die Vorstellung lag wie bei anderen Wiedergängern auch in der Bosheit des Toten zu Lebzeiten, in seiner “Gier nach Leben” oder auch im Wunsch des Toten nach einem weiteren Verbundensein mit seinen Angehörigen. Oft war der Tote schon zu Lebzeiten eine “böse oder unheimliche Person”. Weit verbreitet war dabei die Vorstellung, dass Nachzehrer im Grab an Dingen wie etwa Kleidung oder Totenbandagen herumkauen, zehren und schmatzen würden. Als ein probates “Abwehrmittel” galt daher u.a. dem “nachzehrenden” Toten einen Stein in den oder in Reichweite des Mundes zu legen, damit er sich “daran die Zähne ausbeiße”…

Möglicherweise haben wir hier also einen mentalitätsgeschichtlich hoch spannenden Befund ausgegraben!

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Datum: Thursday, 13. April 2017 5:18
Themengebiet: Grabungsprojekte, Hintergründe Trackback: Trackback-URL
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