Beitrags-Archiv für die Kategory 'Grabungsprojekte'

Ein mächtiges Bauwerk des 14. Jahrhunderts in der Stadtburg von Tirschenreuth?

Friday, 25. November 2016 22:28

Nachdem wir im Zuge der ersten Oberbodenabträge auf dem Grundstück Hochwartstraße 3 im Garten der ehemaligen Polizeidirektion in Tirschenreuth zunächst angenommen hatten, einen Teil der Stastmauer aus dem späten 13. Jahrhundert erfasst zu haben, stellt sich die Situation nach Abschluss der Baggerarbeiten zum entfernen der neuzeitlichen Aufschütten vollkommen anders dar.

Zu unserer großen Überraschung trafen wir auf die meterhoch erhaltenen Reste eines mindestens 25 x 25 m großen, mächtigen Steingebäudes mit bis zum Teil 1,8 m starken Mauer im Untergeschoss. Das Bauwerk, das mit hoher Wahrscheinlichkeit im 14. Jahrhundert errichtet wurde, liegt unmittelbar südlich des in Plänen der Zeit um 1814 noch verzeichneten Burggrabens. Diesen haben wir archäologisch nördlich des Bauwerks ebenfalls erfasst.

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Zwar beginnen die detaillierten archäologischen Untersuchungen an diesem Platz erst Anfang des Jahres 2017, doch scheint sich zu erhärten, dass wir an dieser Stelle ein zentrales und repräsentatives Bauwerk der ab 1317 überlieferten Stadtburg von Tirschenreuth erwischt haben. Wie dem auch sei, wir möchten Euch mit diesem Beitrag den höchst bemerkenswerten Befund schon vorab schmackhaft machen. Es gilt aber abzuwarten, was wir bei der archäologischen Untersuchung 2017 an Erkenntnissen zur Feindatierung, Funktion und Nutzung dieses mächtigen Bauwerks herausfinden werden. Wir werden hier auf www.schauhuette.de berichten…
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Neue Publikation zur karolingerzeitlichen Mauertechnik mit archäologischen Beiträgen zu Fundorten in der heutigen Oberpfalz

Sunday, 18. September 2016 9:07

In eigener Sache: In einer nagelneuen, von den Bauforscherinnen Katarina Papajanni (Lorsch) und Judith Ley (Aachen) herausgebenen Publikation zur karolingerzeitlichen Steinbautechnik, die auf die Resultate eines im März 2015 in Aachen abgehaltenen Workshop zum Thema “Karolingische Bautechnik” zurückgeht, wird in 35 Beiträgen die karolingerzeitliche Bautechnik erstmals überregional behandelt. Das Buch bietet umfangreiches Foto- und Planmaterial und gewährt einen umfassenden Einblick in die jüngsten Forschungen zur karolingischen Architektur in Deutschland und der Schweiz. Im “Bayernteil” werden von Mathias Hensch (Schauhütte Archäologie) auch karolingische Baubefunde aus Sulzbach, Ermhof (beide Landkreis Amberg-Sulzbach) Nabburg (Landkreis Schwandorf), Lauterhofen (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) und Penk (Landkreis Regensburg) vorgestellt, die einen Einblick in die Dynamik herrschaftlicher Organisation und Administration im karolingischen Nordgau geben und das Potential dieses für die Karolinger sehr wichtigen Herrschaftsraums geben können.

Das 384 Seiten starke Buch ist im Verlag Schnell + Steiner in Regensburg erschienen und kostet 49,80 €.

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Die karolingischen Meisterschmiede von Kümmersbruck? Zwischenergebnisse der Anthropologie und spannende Fragen…

Monday, 22. August 2016 11:54

Bei unseren Untersuchungen am Bachweg in Kümmersbruck trafen wir inmitten des karolingerzeitlichen Schmiedeareals auf zwei Männergräber. Die anthropologische Untersuchung der Skelette durch den Hechinger Anthropologen Steve Zäuner erbrachte nun sehr interessante Einblicke in die Lebensumstände dieser Männer, die auch hinsichtlich eines Zusammenhanges von Gräbern und Handwerksareal von Bedeutung sein könnten.
In einer zum Teil mit Steinen umstellten Grabgrube lag ein etwa 30 bis 50 jähriger Mann, bei dem die Ansatzstellen der Muskeln an den Knochen auf einen drahtig wirkenden Typ schließen lassen. Er hatte Körperhöhe von etwa 1,67 m. Der Mann im zweiten Grab, das sich durch einen außergewöhnlichen Grabbau mit mächtiger Steinpackung auszeichnete wurde zwischen 50 und 70 Jahre alt und besaß einen kräftigeren Körperbau und war mit bis zu 1,75 m auch deutlich größer, als sein Grabnachbar.
Beide Männer weisen eine auffällig starke Abnutzung der Zähne auf, litten unter Parodontose und schwerwiegenden Kariesbefall. Einige Zähne wurden durch die Zahnfäule bis auf die Wurzeln zerstört und es finden sich gleich mehrere Fisteln in den Kiefern. Auch der Gaumen war von Entzündungen betroffen. Wahrscheinlicher war hierfür eine kohlenhydratreiche Nahrung, etwa Getreidebreie, verantwortlich. Vorhandener Zahnstein weist darauf hin, dass daneben aber auch eiweißreiche Nahrung eine Rolle bei der Ernährung spielte. Die vorgefundenen Erkrankungen im Mundraum haben nicht nur große Schmerzen verursacht, sondern dürften aufgrund ihrer Schwere auch Auswirkungen auf den gesamten Organismus gehabt haben. Kariöse Zähne und Abszesse können das Herz angreifen und zu schwerwiegenden Problemen bis hin zum Infarkt führen.
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Beide Männer litten zudem an Arthrose der Wirbelsäule, die auf hohe Belastung verursacht wird, beispielsweise durch das Tragen schwerer Lasten und harte körperliche Arbeit. Arthrotische Veränderungen finden sich auch an anderen Stellen, etwa an den Fingern. Auffällig ist, dass die linke Schulter des grazilen Mannes deutlich stärkere Belastungsspuren anzeigt als die rechte. Möglicherweise war er Linkshänder. Dagegen war beim kräftigeren Mann aus dem „Steinpackungsgrab“ die rechte Schulter stärker betroffen. Seine Schlüsselbeine weisen deutliche Einkerbungen auf, was auf starke Muskelbelastungen des Schulterbereichs hinweist. Sehr auffallend war bei ihm zudem eine kräftige, in Bereich der Ellenbogen sogar sehr kräftige Muskulatur.
Neben den aufgezählten Gemeinsamkeiten zeigen die Männer natürlich auch individuelle Unterschiede. Riefen im Schmelz mancher Zähne des älteren Mannes, sogenannte Schmelzhypoblasien, deuten auf Phasen von Mangelernährung in dessen Kindheit hin. Dabei ist „Mangel“ nicht automatisch gleichzusetzen mit „Hunger“. Schmelzhypoblasien entstehen beispielsweise oft während der Entwöhnung, wenn das Kind auf selbständige Nahrungsaufnahme umgestellt wird. Eine einseitige Ernährung kommt für die Entsteung solcher Schmelzhypoblasien ebenfalls in Betracht.
Beide Männer litten zudem unter Hüftgelenksarthrose. Es finden sich bei beiden sowohl eine “Hockerfacette”, als auch eine “Reiterfacette”. Hockerfacetten entstehen, wenn ein Individuum von klein auf eine hockende Sitzstellung einnimmt, wie man sie gut bei spielenden Kleinkindern im Sandkasten beobachten kann. Bei Erwachsenen kann sie auf eine entsprechende oft geübte Haltung beim Arbeiten hindeuten. Gleiches gilt für die sogenannte Reiterfacette. Sie zeigt ein regelmäßiges Spreizen der Beine an und ist daher nicht automatisch ein Nachweis für reiterische Tätigkeit. Bei dem älteren Mann lässt sich außerdem eine starke Belastung der an der Kniescheibe eine stärkere Belastung des betroffenen Knies an.
Die Spuren an den Skeletten legen nahe, dass beide Männer schweren körperlichen Belastungen ausgesetzt waren, wobei Art und Umfang der Tätigkeiten nicht allein anhand der Skelette ermittelt werden können. Die vorgefundenen Muster entsprechen interessanterweise denen, wie sie für Schmiedetätigkeiten anzunehmen wären.
Nach der archäologischen Situation und den 14C-Datierungen gehören die Gräber am Kümmersbrucker Bachweg wahrscheinlich in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts. Da wir aus archäologischer Sicht wissen, das zu dieser Zeit die Produktion an diesem Platz begonnen haben muss, ist es nicht auszuschließen, dass beide Männer wichtige Funktionen innerhalb der karolingerzeitlichen Schmiedewerkstätten bekleidet haben.
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Aus keltischem, germanischen, merowinger- und wikingerzeitlichen Zusammenhängen kennen wir zahlreiche Gräber von Schmieden, in denen dem Schmied seine Werkzeugausstattung als Beigabe mit in das Grab gegeben wurde. Die Zeit, aus der die beiden Kümmersbrucker Gärber stammen, das 8. Jahrhundert, war in der heutigen Oberpfalz eine Zeit religiöser und sozialer Umbrüche, in der die Bevölkerung zwar nicht mehr vollständig heidnisch, doch längst noch nicht frei von althergebrachten Glaubensvorstellungen war. Da besonders die Sitte, den Toten Gegenstände für das Leben im Jenseits mitzugeben, als heidnisch und somit unchristlich empfunden wurde, verschwindet die sie im Laufe des 8. Jahrhunderts mehr und mehr. Was also tun, wenn man aufgrund kanonischer Vorschriften dem verdienten Schmiedemeister kein Werkzeug mehr mitgeben darf? Wenn die Schmiedewerkstatt also nicht in das Grab des toten Meisters gelegt werden darf, war es dann vielleicht (noch) möglich, dass das der tote Meister zu seiner Schmiedewerkstatt kam und nachfolgenden Schmiedemeistern durch seine Anwesenheit zur Seite stehen konnte? Wir finden, das ist ein ziemlicher spannender Gedanke…

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Text und Bilder: © Mathias Hensch und Steve Zäuner.

Siehe auch: http://www.anthropol.de/

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Der Stephansturm in Ensdorf - Ein steinernes Zeugnis aus der Zeit Kaiser Heinrichs IV.

Wednesday, 10. August 2016 22:01

Ensdorf im Lankreis Amberg-Sulzbach besitzt eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Nordostbayerns: Den sog. Stephansturm. Der Glockenturm ist der letzte Rest der 1805 abgebrochenen Pfarrkirche St. Stephan, deren Geschichte deutlich vor die Zeit der Gründung des Benediktinerklosters St. Jakobus am Ort im Jahr 1121 zurückreicht. Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen im Bereich des Turms durch Schauhütte Archäologie erbrachten interessante Erkenntnisse zur Baugeschichte der Stephanskirche. Ein erster archäologisch fassbarer Kirchenbau unbekannter Größe entstand an diesem Platz demnach wohl spätestens im 9./10. Jahrhundert.

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So ließen sich Teile eines trocken gesetzten Fundaments der Südwand einer frühen Steinkirche nachweisen. Menschliche Knochen aus der Baugrube belegen die Nutzung des Areals als Friedhof schon vor der Errichtung dieser Kirche, so dass es wahrscheinlich einen noch älteren Vorgängerbau gab, der sich zur Zeit noch dem archäologischen Nachweis entzieht. In einer zweiten Bauphase wurde der Südwestecke dieses Kirchenbaus der noch heute stehende Stephansturm als frei stehender Campanile vorgesetzt. Neben der archäologischen und bauforscherischen Untersuchung des Turms gelang es Georg Brütting von der Universität Bamberg) durch die dendrochronologische Untersuchung der originalen Geschossbalkenlagen zwischen dem Erd- und ersten Obergeschoss dessen Baujahr exakt zu bestimmen: Baubeginn war demnach das Jahr 1075 – ein Jahr heftigster Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. um die Investitur der Bischöfe.
Der Turm wurde in einem Zuge erbaut und auch die imposante Glockenstube mit Ausnahme des Treppengiebels gehört zur Bauphase von 1075. Ursprünglich war das Bauwerk außen verputzt und getüncht.
Neben zahlreichen Gerüsthölzern haben sich einmalige baugeschichtliche Details in einigen Fensteröffnungen erhalten: Die für die Abmauerung der Bögen benötigten Schalhölzer wurden durch gespaltene, unten angespitzte, halbrund gebogene, hervorragend konservierte Haselruten gehalten, die ihrerseits in horizontal eingemauerte Holzbretter am Ansatz des Bogens gesteckt und dadurch auf Spannung gehalten wurden. Diese sehen aus, als wären sie gerade verbaut worden und sind doch 941 Jahre alt…

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Kurz nach dem Turm errichtete man nordwestlich von diesem ein profanes Steingebäude, dessen Ostmauer in der heutigen Friedhofsmauer am Stephansplatz noch zu großen Teilen im aufgehenden Mauerwerk erhalten ist. Dieses Gebäude war äußerst qualitätvoll ausgestattet.
Möglicherweise gehörte die Kirche St. Stephan zum einem (früh- und) hochmittelalterlichen Herrenhof im wüst gefallenen bzw. in Ensdorf aufgegangenen Dorf Weilenbach. Schon 1115 schenkt Kaiser Heinrich V. das Gut “Wilinbac” dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach. In den 1130er Jahren ist der Ort in Besitz der Wittelsbacher mehrfach fassbar. Die herrschaftliche Konstellation mit Königsgut in “Wilinbac” und der Übergang an die Wittelsbacher könnte die hohe Bauqualität des Turms und des archäologisch erfassten „Repräsentationsgebäudes“ westlich der Stephanskirche erklären.

Die Erwähnung eines Minsterialen Eberhart de Willenbach als Gefolgsmann Kunos von Horburg, einem Halbbruder Graf Berengars von Sulzbach, im frühen 12. Jahrhundert könnte zudem dafür sprechen, dass auch Herrschaftsträger aus dem reichspolitisch bedeutenden Familiengeflecht der Grafen von Sulzbach in Weilenbach Besitz hatten.
Wie dem auch sei, die Gemeinde Ensdorf südlich von Amberg besitzt mit dem Stephansturm eines der ältesten vollständig erhaltenen Bauwerke Nordbayerns und ein sichtbares, fast tausend Jahre altes Zeugnis christlichen Lebens in der mittleren Oberpfalz.
Vielen Dank an die Ensdorfer Ortsheimatpflegerin Isabel Lautenschlager vom Naturpark Hirschwald für die heutige Öffnung des Turms zum (erneuten) fotografieren.

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Fakten, so hart wie Eisen… zur Frühzeit der Hammertechnologie in der nördlichen Oberpfalz…

Wednesday, 20. July 2016 22:01

Interessante Neuigkeiten zur Geschichte der Eisenhammertechnologie in der nördlichen Oberpfalz… Erstmals liegen nämlich mit den Ergebnissen der 14C-Proben aus unseren Untersuchungen unter der St. Laurentiuskirche in Hütten “harte” Fakten zum Beginn der Eisenhammertechnologie vor. Die Radiokarbondaten aus der ältesten Schmiedeschlackenschicht unter der Kirche im Bereich des Hammerguts datieren die Aufnahme der Hammerproduktion an diesem Standort an der Heidenaab mit großer Wahrscheinlichkeit in den Zeitraum von 1280 bis 1320. Die Proben stammen aus einer Schicht, die aus Abfällen der Eisenhammerproduktion entstanden ist, die wiederum unmittelbar auf einer durch Hochwasser der Heidenaab entstandenen natürlichen Schwemmschicht auflag. Die Proben repräsentieren momentan also den ältesten bei der Fundamentuntersuchung des Kirchleins erfassten Kulturauftrag. In den Daten spiegelt sich die technologische Revolution im Montanwesen der Oberpfalz ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wider, die dem Raum vor allem durch die Etablierung der Eisenhammertechnologie eine europaweite Spitzenstellung bei der vorindustriellen Eisen- und Stahlerzeugung bescherte… wir finden, das ist eine Meldung wert!
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Neue 14C-Daten aus unseren Grabungen am Drillingsfeld bei Amberg-Eglsee

Wednesday, 13. July 2016 17:37

Noch einmal Amberg-Eglsee - die freundlicherweise von der Stadt Amberg finanzierten 14C-Daten zu unseren Montanbefunden am Drillingsfeld sind da…
… Die Proben aus dem kleinen Grubenhaus am oberen Hangbereich östlich der Frühlingsstraße datieren in die spätkarolinigsich-ottonische Zeit von 885 bis 1015 n. Chr. Die Proben aus dem bereits vorgestellten Rennofenbefund lieferten zwei relativ stark voneinander abweichende Datierungen. Diese liegen in den Zeiträumen von 600 bis 660 n. Chr. und von 775 bis 975 n. Chr. liegen. Interpoliert man beide Radiokarbonalter zu einem gewichteten Mittel, so liegt die größte Datierungswahrscheinlickeit im Zeitraum von 684 bis 717 n. Chr. Diese Datierung würde sich sehr gut mit der Datierung der aus der Verfüllung der Ofengrube geborgenen handaufgebauten, rauwandigen Keramik zur Deckung bringen lassen. Somit haben wir neben dem Rennofenbefund aus Hartmannshof zwischen Hersbruck und Sulzbach möglicherweise einen zweiten Beleg für Eisenerzverhüttung und Eisenverarbeitung auf der mittleren Frankenalb und dem anschließenden Bruchschollenland bereits in der Zeit um 700 n. Chr.
Erstaunlich sind die Daten einer weiteren Probe, die wir aus der Verfüllung eines mit Schlacken und Ofenabfällen durchsetzten ehemaligen Bachbetts nördlich des Rennofens entnommen haben. Sie datiert in den Zeitraum von 360 bis 170 v. Chr. und ist somit latènezeitlich (Stufen Latène B/C). Ob sich hier tatsächlich keltische Eisenverarbeitung fassen lässt, ließe sich nur durch weitere 14C-Datierungen aus diesen Verfüllschichten klären. Super spannend ist es allemal und wiederum wird die große Bedeutung archäologischer Quellen für die frühe Geschichte der Oberpfalz deutlich sichtbar. Dies zu erkennen und dementsprechend zu würdigen und zu fördern, ist auch Aufgabe der Städte, Gemeinden und Kommunen.

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Archäologische Erkenntnisse zur Baugeschichte der Laurentiuskirche in Hütten bei Grafenwöhr

Sunday, 10. July 2016 14:25

Hier kommt eine Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Bauuntersuchung an der Kirche St. Laurentius in Hütten, Stadt Grafenwöhr, Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab.
Die vor Beginn der Untersuchung formulierten Fragen zur Baugeschichte und Datierung der Hüttener St. Laurentiuskirche konnten durch die Untersuchung der Fundamentabschnitte Ende Juni größtenteils beantwortet werden.
Im gesamten Bereich des Kirchenumgriffs wurde eine ausgedehnte Schwemmsandschicht angetroffen, die massive Überschwemmungsereignisse im Bereich der Heidenaabniederung wohl während des Mittelalters überliefert. Diese Schwemmschichten wurden von einer bis zu 1,3 m mächtigen Schlackeabfallschicht der spätmittelalterlichen Eisenhammerproduktion überlagert. Hier lässt sich die Dimension spätmittelalterlicher Eisenindustrie an der unteren Heidenaab erahnen. Die noch ausstehende Radiokarbondatierung aus Holzkohlen in dieser Schicht wird zu deren Entstehungszeitpunkt weitere Anhaltspunkte liefern.

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Den ältesten Baubestand stellt der heutige kleine Kirchensaal dar, zu dem auch der unregelmäßig gebrochene Polygonalchor gehört. Aufgrund der Bautechnik und der stratigraphischen Beobachtungen gehört der Kirchenbau in das Spätmittelalter, wobei das überlieferte Baudatum 1472 sehr gut mit dem archäologisch-baugeschichtlichen Befund korrespondieren würde. Ob es sich bei diesem spämittelalterlichen Kirchenbau um die erste Kirche am Platz gehandelt hat, lässt sich durch die Untersuchung nicht klären. Es ist möglich, dass sich sowohl in den nicht untersuchten Flächen, besonders im Innenbereich, Spuren eines hölzernen Vorgängerbaus befinden, die sich dem archäologischen Nachweis momentan entziehen. Ferner könnten auch unterhalb der wohl durch Hochwasser entstandenen Schwemmschicht noch ältere Baureste, dann wohl am ehesten ebenfalls aus Holz, vorhanden sein. Die Klärung dieser Fragen ist künftigen archäologischen Maßnahmen vorbehalten.respondiert. Zudem könnte das Dachwerk der Kirche noch aus ihrer Erbauungszeit stammen, so dass möglicherweise eine dendrochronologische Untersuchung der im Dachstuhl verbauten Hölzer das Baudatum 1472 hutten2.JPGverifizieren könnte.
Die Untersuchung legt zudem nahe, dass sich zur Bauzeit nördlich der Kirche ein größerer Baukörper befunden hat, auf den man bei der Errichtung Rücksicht nehmen musste. Wahrscheinlich verband man diesen erschlossenen Bau mit der Nordwand des Chores. Hierauf deutet zumindest eine beim Abbruch des gebäudes entstandene Abrissfuge im oberen Teil der Chornordwand hin, die im Inneren der Sakristei sichtbar ist. Zudem erklärt sich somit auch der nicht vollständig ausgeführte 5/8-Chor der Kirche: Da das Gebäude im Norden bereits stand konnte der Chor nicht gleichmäßig geschlossen werden.
Da weder der Westturm, noch die Sakristei auf der Uraufnahme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verzeichnet ist, sind beide Bauteile frühestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet worden. Nach mündlicher Überlieferung ist der Sakristeianbau erst nach 1900 an den Chor angefügt worden. Dagegen dürfte der Turm noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Hierfür sprechen insbesondere seine gegenüber der Sakristei verhältnismäßig qualitätvolle Fundamentausführung sowie die im Neo-Renaissancestil gehaltenen Bauformen.
Die archäologische Begleitung der Fundamentsondagen an der St. Laurentiuskirche gibt einen bescheidenen, aber dennoch sehr spannenden Einblick nicht allein in die Ortsgeschichte von Hütten, sondern auch in die Verbidung von Herrschaft und Frömmigkeit im spätmittelalterlichen Montanwesen der Oberpfalz.

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Die Datierung der hölzernen Pfahlrostbrücke über den Erlbach in Sulzbach…

Sunday, 26. June 2016 12:34

Nun ist es also Gewissheit: Die von uns dokumentierte hölzerne Pfahlrostbrücke an der “Alten Straße” über den Erlbach in Sulzbach-Rosenberg stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nachdem schon die gezogenen Drahtnägel, mit denen die eisernen Rammschuhe an den Pfählen befestigt waren eine sehr junge Zeitstellung nahe legten, konnte der Dendrochronologe Franz Herzig vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Fichtenstämme der Brückenkonstruktion in eine, wenn auch nur kurze Fichtenkurve aus dem Oberpfälzer Jura in das Jahr 1934 einhängen. Nun erbrachte die 14C-Datierung eines Jahrringabschnitts aus Pfahl Nummer 34 zudem ein Alter von 90 +/- 30 Jahren vor 1950. Dies entspricht einem wahrscheinlichstem Kalenderalter von 1808 bis 1928. Der Jahrring unserer Probe aus Pfahl Nummer 34 ist 53 Jahre vor der Fällung der Fichte ausgebildet worden. Setzt man nun das Fälldatum 1934 voraus, wie es die von Franz Herzig benutzte Fichtenchronologie nahe legt, so stammt unsere Probe aus dem Jahr 1881. Diese Datierung liegt also voll im wahrscheinlichsten Altersbereich von 1808 bis 1928. Den archivalischen Quellen nach wurde im Jahr 1934 durch den sogenannten Reichsarbeitsdienst mit der Regulierung des Erlbachs “auf Höhe der Dreifaltigkeitskapelle” begonnen - das ist genau der Abschnitt, der von der jetzigen Baumaßnahme erfasst wurde. Ein Vergleich der Lage der Brückenübergänge des 20. Jahrhunderts mit dem um 1832 entstandenen Urkastaster zeigt zudem, dass der historische Verlauf der Alten Straße am Übergang über den Erlbach etwa 11 m weiter südlich gelegen hat - wir haben also wahrscheinlich “an der falschen Stelle” gebaggert…
…und selbst wenn es schade ist, dass die aufgedeckte Brückenkonstruktion nicht aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit stammt, so ist doch interessant, wie kurz die Erinnerungsspannen für derartige Baumaßnahmen in unserer modernen Gesellschaft sind, denn in Sulzbach kann sich offenbar niemand - oder kaum noch jemand unmittelbar - an dieses, wahrscheinlich erst in den 1960er Jahren abgebrochene Brückenbauwerk erinnern - zumindest hat sich bislang niemand zu Wort gemeldet, der eine Erinnerung daran hat. Auch die Archäologie des 20. Jahrhunderts sollte also ihren Platz haben.

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“…macht Euch die Erde untertan” - archäologische Hinweise auf den Umfang frühmittelalterlicher Eisenproduktion am Amberger Erzberg bei Eglsee

Friday, 17. June 2016 10:20

Hier nun ein aktuelles Update zu unseren Ausgrabungen im Baugebiet Drillingsfeld 2 (Stadt Amberg).
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Die Befundsituation belegt eindrucksvoll, wie sehr der Mensch wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert in den Naturraum der heutigen Oberpfalz eingegriffen hat und wie stark sich hierdurch die Landschaft veränderte. Anhand der angetroffenen archäologischen Befunde und der Bodenprofile lässt sich nämlich zeigen, dass es am Südhang des Amberger Erzberges im Frühmittelalter erhebliche Bodenverluste durch Erosion gegeben haben muss. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Grund hierfür die großflächige Rodung der Hänge zur Holzkohlegewinnung im Zusammenhang mit der Eisenerzverhüttung und der Weiterverarbeitung des gewonnenen Eisens war. Im gesamten, etwa 4 Hektar großen Areal waren aufgrund dieser Erosionsvorgänge des Frühmittelalters daher leider nur noch wenige archäologische Strukturen anzutreffen, die sich zudem nurmehr sehr flach erhalten hatten. Darunter befand sich ein frühmittelalterliches Grubenhaus im oberen Hangabschnitt, das Keramik des 7./8. Jahrhunderts erbrachte.
In der Niederung ließen sich mehrere alte Bachläufe nachweisen, an deren Rändern intensiv Eisenverhüttung stattgefunden haben muss, denn die Sohlen der nur noch etwa 20 bis 30 cm tief erhaltenen Bachbetten waren extrem stark mit Eisenverhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, geröstetem und gepochtem Eisenerz sowie Ofenresten, darunter auch mehrere Verschlusssteine zum Abdichten des Ofenmundlochs, verfült. Durch das “Mundloch” konnte die Schlacke aus dem Ofenschacht abgestochen werden und in eine Grube oder einen Kanal vor dem Ofen abfließen. Die oberen Ränder der Bachläufe und die Öfen selbst waren ebenfalls durch die starke Erosion abgegangen und von eingeschwemmten Bodenmaterial (sog. Kolluvium) überlagert. Die Bachläufe mündeten am Fuß des Hanges ein eine breite, wohl sumpfige Senke, an deren Rand sich ein gut erhaltener, auffallend großer Rennfeuerofen zur Eisenverhüttung fand. Dieser wurde wahrscheinlich an gleicher Stelle mehrfach erneuert. Weit über 200 kg Schlacke und Luppenreste haben wir bislang aus den Resten dieses Verhüttungsofens geborgen. Außerdem fanden sich zahlreiche Fragmente von verschlackten Düsenziegeln, über die die Luft mit Hilfe von Blasebälgen in den Ofen eingeblasen wurde. Zudem lässt sich an diesem Ofen erkennen, dass die Hüttenleute verstärkt quarzhaltigen Sand als silikatisches Flussmittel einsetzten, um so den Reduktionsvorgang innerhalb des Ofens während der Verhüttung zu optimieren. Die Keramikfunde weisen den Ofen wahrscheinlich dem 8., möglicherweise sogar dem späten 7. Jahrhundert n. Chr. zu. Dankenswerterweise finanziert die Stadt Amberg als Auftraggeber einige 14C-Untersuchungen zu den Befunden, so dass wir hoffentlich bald weitere Aufschlüsse zum Alter der frühen Eisenindustrie am Hang des Erzberges bei Alt-Eglsee erhalten. Wir werden Euch über die Ergebnisse informieren.

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(c) Bilder M. Hensch, Schauhütte Archäologie

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Frühmittelalterliche Köhlerei am Amberger Erzberg

Sunday, 22. May 2016 21:04

Unser Auftakt zur archäologischen Begleitung im Neubaugebiet Drillingsfeld im Amberger Ortsteil Eglsee. Nach den 14C-Daten wurde in diesem Grubenmeiler vor rund 1300 Jahren am Südhang des Amberger Erzberges Holzkohle zur Verhüttung der hier anstehenden Eisenerze hergestellt. Der Meiler war etwa 4 x 3,6 m groß und wahrscheinlich mindestens 0,7 m tief. Er konnte also eine stattliche Menge an Holzscheiten aufnehmen. Die Holzkohle wurde gewonnen, indem man frisches Holz unter Luftabschluss durch Schwelen verkohlte. Dabei fand eine thermochemische Reaktion statt, bei der u.a. Wasser, Kohlenmonoxid und andere Gase sowie Teer entweichen konnten und fast reiner Kohlenstoff als Holzkohle zurückblieb. Die Herstellung von Holzkohle in einem Grubenmeiler gilt als ältestes bekanntes Verfahren der Köhlerei. In einer Grube von in der Regel etwa 0,7 bis 0,9 m Tiefe und wenigen Metern Durchmesser wurden Holzscheite geschlichtet und anschließend mit Erde oder auch mit Grassoden abgedeckt. Zur Verkohlung musste der Meiler entweder angezündet werden, so dass bei geringer Luftzufuhr ein Teil des Holzes verbrennen, das umliegende Holz aber verkohlen konnte. Möglich war auch, bereits beim Stapeln der Holzscheite glühende Kohle in die Grube einzufüllen oder das Holz auf glühende Asche bzw. Holzkohlen zu stapeln. Dabei war es anschließend sehr wichtig, dass der Meiler am Schwelen gehalten wurde, ohne dass das Holz zu verbrennen begann. Ein kleiner Grubenmeiler konnte schon etwa einen Tag nach dem Anfahren geöffnet und die Holzkohle entnommen werden. Größere Meiler waren auch deutlich länger in Betrieb.
Etwa sieben bis acht Tonnen Holz wurden benötigt, um eine Tonne Holzkohle herzustellen. Zur Holzkohlegewinnung, setzte man im Mittelalter daher u.a. “Bäume auf Stock”. Hierzu wurde der Baum rund einen Meter über dem Boden gekappt, so dass sehr schnell armdicke Äste nachwuchsen. Das Spalten des Holzes zur Verwendung im Grubenenmeiler konnte so zum Teil entfallen. Zudem wurde durch diese Art der Waldwirtschaft eine höhere quantiative Ausbeute von Brennholz erreicht.

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Rund 10 Kilogramm Holzkohle aus dem Grubenmeiler in Eglsee werden zur Zeit auf die Holzartenzusammensetzung von Franz Herzig am Dendrolabor des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege untersucht. Wir können gespannt sein, welche Bäume am Erzberg zur Holzkohleherstellung im 8. Jahrhundert gefällt wurden. Wie stark der Mensch schon im 8. und 9. Jahrhundert in den Holzbestand der mittleren Oberpfalz eingriff, zeigen erste Untersuchungen an Holzkohlen aus Kümmersbruck. Hier finden sich fast nur noch dünne Äste und Stämme, vorwiegend von Erlen, die für die Erreichung der bei Schmieden von Klingen zum Feuerverschweißen benötigten Temperaturen nicht mehr geeignet waren. Möglicherweise war dies der Grund, warum die Produktion am Bachweg in Kümmersbruck nach der Dendrodatierung eines Stücks Buchenholzkohle im Jahr 886 eingestellt werden musste.

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