Beitrags-Archiv für die Kategory 'Grabungsprojekte'

Weihnachten 2014

Wednesday, 17. December 2014 14:26

Allen Freunden, Auftraggebern und unentdeckten Bewunderern der Schauhütte-Archäologie wünschen wir frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr 2015. Danke für das Vertrauen im vergangenen Jahr. Wir freuen uns auf kommende, gemeinsame Projekte und hoffen, Ihr bleibt uns gewogen.

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Foto  © Mathias Hensch

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Der Turm des Liutwin de Grazze - Machtsymbol bischöflicher Vasallität des 12. Jahrhunderts vor den Toren Regensburgs auf der ehemaligen Burg Graß

Tuesday, 9. December 2014 21:26

Nicht viele Regensburger wissen, dass es in Graß, einem kleinen Dorf südlich des Ziegetsbergs, das zum Stadtgebiet gehört, im Mittelalter eine nicht unbedeutende Niederungsburg der Regensburger Bischöfe gab. Bereits 1134 wird mit Liutwin de Grazze in einer Schenkung Bischof Burchards von Regensburg ein bischöflicher Vasall genannt, der sich nach seinem Ansitz bzw. seiner Burg in Graß nannte. Dies setzt eine unmittelbare Identifikation dieser Familie mit dem Ort und der dortigen Burg voraus. Die wenigen Schriftquellen zur Burg verraten zumindest eine wechselvolle Besitzgeschichte ab dem 14. Jahrhundert.
Im Ortskern noch gut sichtbar ist die spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Anlage mit breitem Trockengraben und Futtermauer, in deren Zentrum die Kirche St. Michael steht. Der schriftlichen Überlieferung zufolge, wurde der heutige Kirchenbau 1689 an Stelle eines mittelalterlichen Vorgängers, der auf die Burgkirche zurückgehen dürfte, neu errichtet.

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Über die Baugeschichte der mittelalterlichen Burg war bislang kaum etwas konkretes bekannt. Im Zuge der Sanierung der Michaelskirche finden durch Schauhütte-Archäologie nun erstmals im Burgareal archäologische Untersuchungen statt, die bereits in den ersten Wochen wichtige neue Erkenntnisse zur Bau- und Nutzungsgeschichte erbracht haben. Neben Befunden zur inneren Ringmauer ist die Entdeckung des bis in das 18. Jahrhundert als Ruine erhaltenen Haupturms der Burg Graß von besonderer Bedeutung. Unmittelbar westlich der Kirche wurden bei den Kanalbauarbeiten die Reste eines mächtigen Turms angeschnitten, der einen quadratischen Grundriss von etwa 10 x 10 m Grundfläche gehabt haben dürfte. Die Mauerstärke im unteren Bereich des Turms betrug rund 3,5 m, bei einem Innenraum von ca. 2 x 2 m lichter Weiter. Mauertechnik, Steinversatz und Pietra-Rasa-Putz im Innenraum lassen eine Erbauungszeit in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, möglicherweise noch zur Salierzeit vermuten.

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Das Fundmaterial, die Schichtenabfolgen und eine schriftliche Überlieferung von 1726 belegen einen sukzessiven Abbruch des Turms: die südliche Hälfte wurde bereits um 1500 abgetragen und überbaut, während die nördliche Hälfte des Turms wohl als ausgebrannter Stumpf noch bin in die Zeit nach 1726 gestanden hat.

Die Untersuchungen haben schon jetzt spannende neue Aspekte zur Baugeschichte der Graßer Burg erbracht und werden im Zuge der Sanierungsarbeiten im Frühjahr 2015 fortgesetzt. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine konsequente Begleitung von Bodeneingriffen im Zuge von Baumaßnahmen durch die Archäologie ist. Nur so lassen sich wichtige neue historische Quellen erschließen und dokumentierenm sowie zugleich einmalige Zeugnisse der Vergangenheit vor einer Zerstörung durch den Bagger möglichst bewahren. Wir danken der Stadt Regensburg und dem Architekturbüro Kiendl (Saal an der Donau) für die konstruktive Zusammenarbeit auf der Baustelle.
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Fotos © Mathias Hensch
Literaturhinweise:
Andreas Boos, Burgen im Süden der Oberpfalz: Die früh- und hochmittelalterlichen Befestigungsanlagen des Regensburger Umlandes, Regensburg 1998, 174–177.
Werner Chrobak: Graß, ehemalige Burg – vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zur Säkularisation Besitz des Deutschen Ordens. In: Burgen und Schlösser in und um Regensburg. Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 47, 2013, 25-46.

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In eigener Sache - zur Berichterstattung in der Presse zu unseren Voruntersuchungen in Schmalnohe

Monday, 10. November 2014 18:03

Zu einem Artikel in der Sulzbacher-Rosenberger/Amberger Zeitung zu unseren Voruntersuchungen in Schmalnohe ist eine Zurechtrückung des verzerrt darsgestellten Sachverhalts angebracht.
Die archäologische Denkmalpflege in Bayern ist wie in den anderen Bundesländern eine staatliche Aufgabe bzw. eine gesetzliche Forderung, die durch das jeweilige Denkmalschutzgesetz geregelt ist (vgl. für Bayern das Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler - DSchG). Die vor Ort ausführenden, privatwirtschaftlich arbeitenden Archäologen sind dabei in Bayern zunächst einmal Dienstleister am Bauherrn, der eine Baumaßnahme im Bereich eines Bodendenkmals durchführen will. Die Archäologen der Ausgrabungsfirmen kommen demnach im Auftrag des Bauherrn dessen gesetzlicher Verpflichtung gegenüber dem Freistaat Bayern nach, archäologische Denkmäler vor einer Zerstörung durch die geplante Baumaßnahme zu bewahren bzw. ggf. vor einer nicht abzuwendenen Zerstörung zu dokumentieren. Hierbei werden sie in ihrer Arbeitsweise und Methodik von der zuständigen Behörde, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, kontrolliert. Der beauftragte Archäologe vor Ort ermöglicht dem Bauherrn letztlich also, sein Vorhaben umzusetzen - wie ein Architekt, ein Statiker und ein Handwerker auch. Dass dies mit Kosten verbunden ist, ist selbstverständlich und sollte jedem Bauherrn bereits bei der Planung einer Maßnahme bewusst sein. Lässt er eine Sondage vor der endgültigen Planung durchführen, erlangt er Planungssicherheit und kann seine Planung denkmalgerecht optmieren bzw. Kosten für eine eventuelle archäologische Ausgrabung bei der endgültigen Planung in das Bauvolumen mit einrechnen.
Ein so bedeutendes Bau- und Bodendenkmal wie in Schmalnohe besitzt darüber hinaus einen großen Mehrwert, auch für die Gemeinde, der sich langfristig nutzen lässt und auszahlt. Gut umgesetzte Konzepte für eine nachhaltige Didaktik und Vermittlung von Grabungsergebnissen, die eine Gemeinde in der Innen- und Außenwirkung deutlich aufwerten können, finden sich immer wieder.
Dass bodendenkmalpfegerische Maßnahmen mit finanziellem Aufwand verbunden sind und zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung, besonders kleiner Kommunen in strukturschwachen Räumen wie der mittleren und nördlichen Oberpfalz führen können, soll sich nicht verschwiegen werden. Doch ist die Frage nach der praktischen Umsetzung des sogenannten Veranlasserprizips, nach dem in Bayern der Bauherr die Kosten für eine archäologische Untersuchung zu übernehmen hat, ein politisches Problem zwischen dem Freistaat Bayern und den Bauherren bzw. den belasteten Kommunen. Dieses Problem darf nicht die, die praktische archäologische Arbeit ausführenden und privatwirtschaftlich arbeitenden Archäologen betreffen und auf deren Rücken ausgetragen werden.
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Foto: Stadtkernarchäologische Grabungen im Bereich eines großen Bauvorhabens in der Lederergasse in Kelheim/Niederbayern im Herbst 2013 (Schauhütte-Archäologie und Arcteam, Regensburg)

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Überraschende Spuren der Blütezeit eines kleinen Weilers - die herrschaftliche Curtis von Schmalnohe

Sunday, 2. November 2014 12:04

Der kleine Weiler Schmalnohe bei Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach steht im Vorfeld geplanter Erschließungsmaßnahmen an der Kirche St. Otto seit kurzem erstmalig im Fokus archäologischer Voruntersuchungen. Schmalnohe gehört dem Ortsnamen mit dem Grundwort germanisch -aha “Bach” nach zu urteilen, zu den ältesten germanischen Toponymen des Sulzbacher Raums. Der Name bedeutet also “zur schmalen Ache” und weist somit auf eine Entstehung in vorkarolingischer Zeit hin.An einem exponierten Südhang über dem Bachtal der Schmalnohe nördlich des Weilers steht noch heute das Kirchlein St. Otto, das bis in das späte 18. Jahrhundert dem Hl. Martin von Tours geweiht war. Das Martinspatrozinium könnte auf frühmittelalterliche Wurzeln des Kirchleins hindeuten. Der Ort selbst wird als Smalnaha erstmalig 1130 erwähnt. Schon zu dieser Zeit ist eine Familie hier ansässig, die sich nach ihrem Sitz de Smalnaha nennt. Eine Kirche wird bereits im Jahr 1143 erstmals genannt, als Otto von Schmalnohe, einer der bedeutendsten Ministerialen der mächitgen Grafen von Sulzbach, die Kirche, einen befestigen Hof („Curtis“) und einen Wald an das Kloster Michelfeld schenkte. Schmalnohe war zu dieser Zeit einer der wichtigsten Verwaltungsmittelpunkte nördlich des Herrschaftszentrums Sulzbach. Die Herren von Schmalnohe war „Spitzengefolgsleute“ der Grafen von Sulzbach, die im 11. und 12. Jahrhundert zu den mächtigsten Adelsfamilien im Reich gehörten. Letzere stellten zur Zeit der Ersterwähnung von Schmalnohe u.a. eine deutsche Königin und die einzige deutschstämmige byzantinische Kaiserin, die jemals den oströmischen Thron bestieg.imgp3164klein.jpgimgp3185klein.jpg
Die aktuellen, bauvorgreifenden Voruntersuchungen können die außerordentliche Stellung des Ortes und seiner Kirche im hochmittelalterlichen Herrschaftsgefüge nördlich des Burgzentrums Sulzbach bereits eindrucksvoll bestätigen. Es zeichnet sich ab, dass der stehende Kirchenbau deutlich vor das 12. Jahrhundert zurückreicht. Von überregionaler Bedeutung sind besonders auch die bei den Voruntersuchungen im Boden angetroffenen Reste der in den Quellen erwähnten herrschaftlichen Curtis der Grafen von Sulzbach: Ein eindrucksvoller, in seinen Mauerstrukturen offenbar gut erhaltener, herrschaftlicher Saalbau von 15 m Länge und 7 m Breite, wohl mit Heizanlage direkt westllich der Kirche St. Martin, wohl aus dem späten 10./frühen 11. Jahrhundert, zahlreiche mittelalterliche Holzbauspuren, darunter möglicherweise Reste von Grubenhäusern, hochmittelalterliche Eisenverhüttungsöfen, sowie Teile des mittelalterlichen Friedhofs um die Kirche und wahrscheinlich der Befestigung der Curtis, sind nicht nur für die Region einmalig, sondern auch von überragender Bedeutung für die hochmittelalterliche Landesgeschichte des gesamten Herrschaftsraums des hochmittelalterlichen Nordgaus. Die angetroffenen archäologischen Reste sind eindrucksvolles Zeugnis hochmittelalterlicher Herrschaftsgeschichte des reichsweit agierenden Hochadelsgeschlechts der Grafen von Sulzbach und der Repräsentation von Herrschaft vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. Die politische Gemeinde Edelsfeld und die katholische Kirchengemeinde Schlicht bestizt demnach ein weit über die Ortsgrenzen hinaus bedeutendes Bodendenkmal. Die bei der Vorunterschung erfassten archäologischen Reste sind im Bereich der Wegebaumaßnahmen zur Neugestaltung des Zugangs zur Kirche akut gefährdet und müssen daher in jedem Fall fachgerecht archäologisch untersucht werden.

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… und noch eine ehemalige Martinskirche: Erste archäologische Untersuchungen am Kirchlein St. Otto in Schmalnohe im Landkreis Amberg-Sulzbach

Monday, 20. October 2014 20:43

Die kleine Kirche St. Otto in Schmalnohe bei Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach steht erstmalig im Fokus archäologischer Untersuchungen. Das Kirchlein, das bis in das späte 18. Jahrhundert dem hl. Martin von Tours geweiht war und erst spät einen Patroziniumswechsel hin zum hl Otto von Bamberg erfahren hat, wird bereits im Jahr 1143 erstmals genannt, als Otto von Schmalnohe, ein Ministeriale der Grafen von Sulzbach, die Kirche an das Kloster Michelfeld schenkte. Offenbar bestand in Schmalnohe zu dieser Zeit eine Curtis, also ein grundherrlicher Hof mit Kirche. Mit großer Wahrscheinlichkeit saß ein großer Teil der in diesem Raum überlieferten Ministerialenfamilien während des 11./frühen 12. Jahrhunderts nicht auf Burgen im eigentlichen Sinne, sondern innerhalb großer, grundherrlicher Höfe: Otto de Smalnohe […] fecit heredem trandens Michelfeldensi ecclesie cum capella et dote eius cum curte sua dominicali cum silva […].

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Der Ortsname mit dem Grundwort germanisch -aha/-oha “Bach” gehört zu den ältesten germanischen Toponymen des Raums und dürfte auf eine Entstehung in vorkarolingischer Zeit hinweisen. Auch das Martinspatrozinium könnte auf frühmittelalterliche Wurzeln des Kirchleins hindeuten. Die aktuellen, bauvorgreifenden Untersuchungen durch die Archäologen Ines Buckel (Arcteam Regensburg) und Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie), betreffen nicht allein die Fundamentbereiche der Kirche, sondern betreffen auch die neue Wegegestaltung westlich der Kirche. Somit sind neben den bereits erkennbaren Befunden zur Baugeschichte der mittelalterlichen Kirche und eines bereits erfassten Friedhofs auch Erkenntnisse zur in den Quellen erwähnten herrschaftlichen Curtis zu erwarten. Wir werden an dieser Stelle über den Fortgang der Grabungen berichten.

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“Von den Pfeilen der Ungarn befreie uns, Herr!” - Neue Informationstafeln und archäologische Funde zu den Grabungen in der Vituskirche von Utzenhofen zu bestaunen

Friday, 26. September 2014 23:12

Rund zwei Jahre nach Beendigung der archäologischen Untersuchungen im Inneren der St-Vitus-Kirche von Utzenhofen im Landkreis Amberg-Sulzbach wurden heute die Informationstafeln zu den Ergebnissen der Grabungen der Kirchenstiftung Utzenhofen übergeben. Auf den zwei großformatigen Tafeln werden dem Besucher der Kirche zahlreiche Informationen zur früh- und hochmittelalterlichen Siedlungsgeschichte der Region, zu frühen Kirchenbauten und zur Baugeschichte der Vituskirche anhand kurzer, prägnanter Texte und zahlreicher Abbildungen vermittelt. Außerdem werden einige spannende Funde aus der Utzenhofener Kirchengrabung gezeigt, darunter auch das Inventar einer Grube, die vermutlich nach einem Überfall heidnischer Ungarn im frühen 10. Jahrhundert im Chor der frühmittelalterlichen Holzkirche angelegt wurde. Hierbei dürfte es sich um eine bewusste Deponierung handeln, bei der u.a. mindestens acht “ungarische” Pfeileisen niedergelegt wurden. Diese stellen bislang den größten zusammenhängenden Fundkomplex derartiger Pfeileisen in Süddeutschlanland dar.

Die Tafeln wurden von der Katholischen Kirchenstiftung Utzenhofen finanziert, vom Regensburger Archäologen Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie), der auch die Grabungen geleitet hat, konzipiert und vom Studio Strahl (Kathrin Strahl, Berlin) grafisch gestaltet. Die kleine Ausstellung gibt einen interessanten Einblick in die Entwicklung des Platzes von der Karolingerzeit bis in das späte Mittelalter. Wir danken dem Utzenhofener Kirchenpfleger Hubert Gradl für seine Unterstützung und sein Interesse an der Vermittlung der Grabungsergebnisse vor Ort.

Die Grabungen in Utzenhofen werden derzeit von Mathias Hensch ausgewertet und gemeinsam mit den archäologischen Untersuchungen zur früh- und hochmittelalterlichen Kirchengeschichte der mittleren Frankenalb an der Martinskirche von Ermhof und der Kirche St. Maria Heimsuchung in Stettkirchen (beide ebenfalls Landkreis Amberg-Sulzbach) zur Publikation vorbereitet. Diese wird unter dem Titel Stettkirchen, Utzenhofen, Ermhof. Archäologische Forschungen zur frühen Kirchengeschichte auf der mittleren Frankenalb in den “Materialien zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg” erscheinen.
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Von Pfeilen in Kirchen und von jenen, die ihnen zum Opfer fielen – Archäologie in der Pfarrkirche St. Vitus von Utzenhofen
Lkr. Amberg-Sulzbach, Oberpfalz

Utzenhofen liegt vier Kilometer südlich des ehemaligen Benediktinerklosters Kastl, dem ältesten Kloster des mittelalterlichen Nordgaus, in einer durch Königshöfe, Befestigungen und Zentralorte als äußerst dynamischen Herrschaftsraum charakterisierten Siedlungskammer des 8. bis 12. Jahrhunderts. Über die frühe Ortsgeschichte ist kaum etwas bekannt. Das Toponym, das als zu den Höfen des Utzo zu rekonstruieren ist, spricht am ehesten für eine Ortsgründung des 8./9. Jahrhunderts. Wie fast alle Dörfer des Raums wird Utzenhofen erst während des Hochmittelalters in den schriftlichen Quellen fassbar. Dabei ist bemerkenswert, dass die frühesten Erwähnungen, zwischen 1220 und 1321, alle in Zusammenhang mit einer Funktion als Pfarrort in Verbindung stehen. Dort besaßen bis 1305 die Grafen von Hirschberg einen mairhof, der nach deren Aussterben an das Kloster Kastl gelangte. Der Hofname könnte dafür sprechen, dass es sich hierbei um den Fronhof einer älteren Grundherrschaft handelte, die weit ins Mittelalter zurückreichte. Die Uraufnahme zeigt eine Art „Dreiteilung“ des Dorfes, die auf mittelalterliche Zustände fußen dürfte. In der Niederung liegen zwei deutlich voneinander separierte Siedlungsbereiche westlich bzw. nördlich des Zusammenflusses von Wierlbach und Utzenhofener Bach. Auf einem, sich nach Osten gegen das Bachtal terrassenspornartig vorschiebenen Ausläufer des Kalvarienbergs hebt der Pfarrhof Nr. 1 mit der Kirche St. Vitus als dritte separate Einheit ab. Dieser große Haupthof fiel Anfang der 1970er Jahre dem Bagger zum Opfer.
Wohl kaum jemand rechnete damit, dass bei der Innensanierung von St. Vitus in größerem Umfang archäologische Strukturen zutage treten würden, denn der Bau der heutigen Kirche erfolgte erst 1938, wobei man den als „barock“ geltenden Kirchenbau größtenteils abbrach und ihn nach Süden und Osten erheblich erweiterte. Im gesamten Innenraum sollten die Fußböden erneuert und an einigen Stellen neue Wartungsschächte für die Fußbodenheizung installiert werden. Unmittelbar unter den modernen Fußbodenaufbauten traten umfangreiche mittelalterliche Befunde zutage, die es erlauben die Baugeschichte der Kirche näher zu beschreiben.
In der Nordhälfte der heutigen Kirche war der komplette Grundriss einer lang gestreckten, ca. 15 x  6,5 m großen Saalkirche mit eingezogener Apsis bewahrt. Die lichte Weite des Saals lag bei etwa 10,5 m, die Apsis hatte eine lichte Weite von rund 3 m, bei einer lichten Tiefe von 2,5 m. Das etwa 1 m breite Fundament bestand aus unbearbeiteten, zum großen Teil aber auch quaderartig zu gerichteten Plattenkalksteinen. Das geringfügig schmäler ausgeführte aufgehende Mauerwerk zeigte, soweit sich dies zu beurteilen ließ, überwiegend plattige, lang-rechteckige Steine, deren Schauseiten grob abgespitzt wurden. Wie sich überraschend herausstellte, gehörte die 1938 abgebrochene Südwand zu dieser Bauphase, ebenso wie die Nordwand der stehenden Kirche. Der heutige Bau bewahrt in großen Teilen also sehr viel ältere Substanz, als bekannt war. Die Mauerwerkstechnik unter Hinzuziehung weniger Keramikfunde aus den Baugruben der West- und Südwand lässt eine Erbauung der steinernen Saalkirche „um 1100“ denkbar erscheinen. Gut vergleichbar ist beispielweise das Mauerwerk des dendrochronologisch 1075 datieren Turms der ehemaligen Kirche St. Stephan im nahen Ensdorf. Dagegen zeigt die erhaltene romanische Kirche St. Nikolaus im nur zwei Kilometer von Utzenhofen entfernt gelegenen Umelsdorf aus dem mittleren 12. Jahrhundert in Bearbeitungstechnik und Steinversatz schon deutlich fortschrittlichere Züge. Aus dem Setzmörtel der Kirche wurde zudem Holzkohle für eine 14C-Datierung herangezogen, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen.
Die steinerne Saalkirche stand in baulicher Verbindung mit einer von Westen nach Osten verlaufenden, 1,1 m breiten Mauer, die gleichzeitig mit der Kirche erbaut wurde und im Bereich des Apsiseinzugs nach Norden einsprang. Diese Mauer wurde in ihrem östlichen Abschnitt in einer zweiten Bauphase nach Süden derart aufgedoppelt, dass die südliche Mauerschale nun in einer Flucht mit der Kirchensüdwand lag, wobei die Mauerstärke auf beachtliche 1,85 m anwuchs. Im Kontext mit der topographischen Lage des Platzes wirft dieser Befund die Frage auf, ob wir es in romanischer Zeit nicht allein mit einer Kirche, sondern vielmehr mit einer Burganlage zu tun haben könnten. Die Burgkirche wäre dann in einer Art Randhausbebauung in eine Befestigungsmauer integriert gewesen, wie es im Burgenbau der Salierzeit nicht untypisch ist.
Im 14. Jahrhundert brach man die Westwand der romanischen Saalkirche ab und erweiterte die Kirche um etwa 3 m nach Westen. Der Westabschluss dieser spätmittelalterlichen Kirche ist ebenfalls im stehenden Bau erhalten. Zeitgleich scheint die „Befestigungsmauer“ westlich der Kirche niedergelegt worden zu sein. In einer ebenfalls wohl spätmittelalterlichen Bauphase wurde östlich der Kirche ein Gebäude angebaut, dessen Westwand in die „Befestigung“ eingeklinkt wurde. Die Umbaumaßnahmen des Spätmittelalters, deren Anlass vielleicht ein Funktionsverlust der Burg gewesen sein könnte, lassen sich durch das Fundmaterial gut datieren.
Nach der 14C-Datierung wurde während des 15. Jahrhunderts im Chor der Kirche ein Grab angelegt, das man zumindest teilweise unter den Altar, sub altare, schob – ein ganz außergewöhnlicher und herausragender Grabplatz. Nach der anthropologischen Untersuchung handelte es sich um einen hoch gewachsenen, etwa 40 Jahre alten Mann, der sich offenbar in erstaunlich guter körperlicher Verfassung befunden und sich bereits seit frühester Kindheit häufig zu Pferde fortbewegt hat. Schwere körperliche Arbeit musste er niemals verrichten. Neben der Wahl des Grabplatzes zeigen auch die anthropologischen Merkmale, dass dieser Herr zu Lebzeiten eine angesehene, sozial hoch stehende Persönlichkeit im regionalen Kontext zu Utzenhofen gewesen sein muss. So ungewöhnlich sein Grabplatz ist, so ungewöhnlich ist auch seine Todesursache – er starb an einem Pfeilschuss. Das Pfeileisen war unterhalb des rechten Rippenbogens in den Unterkörper eingedrungen und führte wahrscheinlich zum Tod durch Verbluten. Offenbar brach man den Pfeilschaft ab, denn die Geschossspitze verblieb im Körper. Ob die seltsame Armhaltung des Toten mit der Todesursache zusammenhängt (Ruhigstellung?) bleibt unklar, ist aber vorstellbar.
Sind schon die hoch- und spätmittelalterlichen Befunde hoch spannend, so ist der Nachweis einer frühmittelalterlichen Nutzung des Platzes für die herrschaftsgeschichtliche Bewertung der gesamten Siedlungskammer von Belang  Östlich der Westwand der romanischen Kirche verlief parallel zu dieser ein maximal 0,25 m tiefes Schwellgräbchen, das nach Süden offenbar an einer Pfostengrube endete. Etwa 2 m parallel zur Südwand der Steinkirche lag ein zweites Schwellgräbchen, das nach Westen wiederum an der gleichen Pfostengrube endete. Der Befund lässt sich relativ sicher als Südwestecke eines Pfostenbaus mit Schwellriegeln deuten. Die Verfüllung der Schwellgräbchen erbrachte einige frühmittelalterliche Keramikscherben sowie zahlreiche, zum Teil bemalte Putzreste sowie größere Holzkohlestücke. Holzkohle aus dem westlichen Gräbchen lieferte eine 14C-Datierung im Zeitraum von 880 bis 990 n. Chr. Zu dieser Nutzungsphase gehört offenbar auch eine Grube im Chor der späteren Steinkirche, bei der es sich vielleicht um eine weitere Pfostengrube gehandelt hat. Der durch das spätmittelalterliche Grab und die Apsis zum Teil gestörte Befund war überwiegend mit asche- und holzkohlehaltigem Brandschutt verfüllt, wobei gebrannter Wandlehm und Schindelnägel wiederum auf einen mit Holzschindeln gedeckten hölzernen Bau hinweisen. Auch hier fanden sich bemalte und getünchte Putzreste. Bisherige 14C-Daten aus Holzkohlestücken der Grubenverfüllung liegen im Zeitraum von 770 bis 880 n. Chr. Von großer Bedeutung für die Einordnung der Befundsituation sind u.a. Fragmente eines Trichterbechers aus Glas. Derartige Glasgefäße des späten 8. bis frühen 10. Jahrhunderts sind sehr selten und treten nur in einem herausgehobenen sozialen Milieu auf. Dicht beinander lagen außerdem zahlreiche Eisenteile in der Grubenverfüllung, darunter eine frühmittelalterliche Gürtelschließe, eine Pflugreute, ein kleiner säbelförmiger Eisenbeschlag sowie insgesamt acht Pfeileisen mit rhombischem Blatt und Schaftdorn (Abb. 4). Derartige Pfeileisen wurden lange mit den zu Beginn des 10. Jahrhunderts einfallenden Ungarn in Verbindung gebracht. Obwohl diese Zuweisung mittlerweile methodisch angezweifelt wird und die Ungarneinfälle als Teil politischer und gesellschaftlicher Krisen in Mitteleuropa von der Forschung sehr viel differenzierter als früher gesehen werden, steht außer Frage, dass auch ungarische Reiter mit ihren Reflexbögen derartige Pfeileisen benutzten. In Utzenhofen zeigt sich zumindest ein Zusammenhang der Geschossspitzen mit der Brandzerstörung eines repräsentativen Holzbaus, der mit guten Argumenten als Kirche zu deuten ist. So zeigt auch die laufende Restaurierung der Pfeileisen, dass es sich offenbar um mit Textil umwickelte Brandpfeile handelte, die in Brandbeschleuniger getaucht werden konnten. Bei aller Vorsicht halte ich es daher für nicht unwahrscheinlich, hier einen seltenen archäologischen Anhaltspunkt für die gewaltsame Zerstörung einer Kirche durch ungarische Reiter zu Beginn des 10. Jahrhunderts vor sich zu haben. Der in einem zeitgenössischen Messbuch überlieferte Litaneiruf De sagittis Hungarorum libera nos, domine! (Von den Pfeilen der Ungarn befreie uns, Herr!) bekäme mit der Entdeckung in der Kirche St. Vitus in Utzenhofen womöglich einen ganz seltenen „archäologisch wahrnehmbaren Nachhall“. Man darf gespannt auf die laufende Auswertung der Grabungen sein.

© Text und Bilder: Mathias Hensch 2012/2014
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Mittelalterliche Baupräzision an der Klosterkirche Gnadenberg, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz

Wednesday, 6. August 2014 20:34

Mittelalterliche Baupräzision an der Klosterkirche Gnadenberg: Ein über 2,7 m tiefes Fundament (die Unterkante haben wir bei der laufenden Grabung nicht erreicht) und die erste Quaderlage des aufgehenden Mauerwerks der Nordwand der Kirche mit 0,0° Abweichung in der Horizontalen - beeindruckend…!

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Die Auswertung der Thurndorfer Burgengrabung schreitet voran

Monday, 30. June 2014 17:56

Rund 12 Jahre nach dem erzwungenden Ende der archäologischen Untersuchungen im Kernbereich der hochmittelalterlichen Burg Thurndorf, Gemeinde Kirchenthumbach, Landkreis Neustadt an der Waldnaab, schreitet die Auswertung der Grabung durch Dr. Mathias Hensch (Bau- und Siedlungsbefunde) und Dr. Eleonore Wintergerst (Fundmaterial) voran.

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Die Ministerialenburg der Grafen von Sulzbach in Thurndorf, zählte im 11. und vor allem 12. Jahrhundert zu den bedeutendsten Ministerialenburgen in der heutigen nördlichen Oberpfalz und verfügte offenbar nicht nur über eine enorme Flächenausdehnung, sondern auch über eine herausragende bauliche Ausstattung. Die Auswertung der drei, 1999, 2000 und 2002 durchgeführten Grabugskampagnen lässt den großen Verlust an Kulturgeschichte, der der Region 2004 durch den nicht genehmigten Bodenaustausch für die Friedhofserweiterung entstanden ist, erst in seiner ganzen Tragweite erkennen. So war neben vielen anderen gut konservierten Bauresten beispielsweise im südlichen Burgareal ein steinernes Saalgeschossgebäude des 11. Jahrhunderts mit repräsentativem Souterrain bis in eine Höhe von 1,6 m erhalten. Wie alle anderen Bauteile der Kernburg auch, wurde dieser Bau durch den Bagger 2004 ohne eine detailliertere Untersuchung und ohne Genehmigung zerstört. Die Auswertung wird dankenswerterweise von der Marktgemeinde Kirchenthumbach finanziert und findet in den nächsten Monaten ihren Abschluss. Die Ergebnisse werden in einer Monographie der Öffentlichkeit vorgelegt.

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Bemerkenswerte 14C-Daten aus dem frühmittelalterlichen Friedhof an der Kirche St. Maria Heimsuchung in Stettkirchen, Landkreis Amberg-Sulzbach

Saturday, 21. June 2014 16:47

Im Zuge der Bearbeitung der drei kirchenarchäologischen Grabungen Ermhof, Utzenhofen und Stettkirchen im Landkreis Amberg-Sulzbach wurden nun über 20 Gräber des Gräberfelds Stettkirchen mittels AMS-Radiokarbondatierung vom Physikalischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg chronologisch näher eingeordnet werden. Finanziert wurden die Datierungen durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München. Die wenigen chronologisch empfindlichen Funde in den Stettkirchener Gräbern machen eine Datierung des ansonsten beigabenlosen, archäologisch erfassten Teils des Friedhofs nicht leicht. Um dennoch einen möglichst genauen Einblick in die Belegungsdauer des Bestattungsplatzes zu erhalten, wurde versucht, anhand horizontalstratigraphischer Parameter mit Hilfe der Radiokarbondatierung einzelner Skelette einen möglichst repräsentativen absolutchronologischen Querschnitt durch die Belegungsschichten des Friedhofs zu erhalten. Die vorliegenden Daten scheinen zu belegen, dass es auf diese Weise außerdem gelungen ist, sowohl den Belegungsbeginn, als auch die jüngste Belegungsschicht im archäologisch untersuchten Bereich des Friedhofs chronologisch näher zu fassen. Da insbesondere die ältesten Gräber ohne datierbare Trachtbestandteile geblieben sind, kommt den Radiokarbondaten zum Beginn des Friedhofs auch siedlungsgeschichtlich eine besondere Rolle zu.

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Die frühesten Datierungen lieferten zwei beigabenlose Gräber mit Radiokarbonaltern von 1388 ± 45 Jahren BP und 1335 ± 35 Jahren BP, deren Datierungsschwerpunkte noch im 7. Jahrhundert liegen. Bemerkenswert ist die Lage dieser Gräber an der Mitte der Nordwand der heutigen Kirche. Dies gilt auch für das nächst jünger datierte Grab, das mit 1299 ± 45 Jahren BP seinen Datierungsschwerpunkt ebenfalls noch in der zweiten Hälfte des 7. bzw. beginnenden 8. Jahrhunderts hat. Diese Bestattung zeigt außerdem, dass es sich bei der mehrfachen Belegung eines Grabplatzes nicht unbedingt um zeitlich dicht aufeinanderfolgende Bestattungen handeln muss: Dieses Grab erbrachte eine über 150 Radiokarbonjahre ältere Datierung, als eine Nachbestattung an der gleichen Stelle, die ein Radiokarbonalter von 1146 ± 42 Jahren BP und damit eine wahrscheinlichste absolute Datierung in die zweite Hälfte des 9. bis 10. Jahrhunderts lieferte. Demnach ist nicht in jedem Fall von einer personalen Beziehung an gleicher Stelle bestatteter Individuen zu deren Lebzeiten auszugehen. Die drei der 14C-Datierung nach ältesten Gräber gehören auch relativchronologisch zu den frühesten Bestattungen unmittelbar an der heutigen Kirche, wo die Belegungsdichte mit zum Teil bis zu mindestens neun Bestattungen übereinander besonders hoch ist. Die Bestattungen liegen mehr oder weniger axial hintereinander, wobei deren Bezug zur heutigen Kirchennordwand nahe legt, dass sie auf einen bereits damals bestehenden Kirchenbau bezogen wurden. Auffallend ist zudem, dass im östlichen Bereich der heutigen Kirche nicht allein die Belegungsdichte deutlich zunimmt, sondern die Belegung hier auch weiter nach Süden zu reichen scheint, als im westlichen Abschnitt. Vielleicht kann diese Beobachtung als Hinweis auf einen an dieser Stelle nach Süden einziehenden Chor des putativ ältesten frühmittelalterlichen Vorgängerbaus verstanden werden, an den sich die frühen Gräber anlehnen, um eine besondere räumliche Nähe der Verstorbenen zu den Reliquien zu ermöglichen. Dies könnte sowohl die intensive Belegung unmittelbar westlich des heutigen Turms, als auch das Ausgreifen der Gräber nach Süden erklären. Aus den westlich der Kirche untersuchten Gräbern, bei denen die vergleichsweise lockere Belegung auffällt, wurde u.a.  Grab ein Individuum einer Doppelbestattung datiert. Das 14C-Alter mit 1277 ± 54 Jahren BP datiert dieses Grab ebenfalls erstaunlich früh: die größte Datierungswahrscheinlichkeit liegt in der letzten Drittel des 7. und der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Deren Positionierung lässt den Westabschluss einer frühmittelalterlichen Kirche im Bereich der heutigen Westwand oder wenig östlich von dieser vermuten. Die 14C-Daten geben in Verbindung mit der Befundsituation demnach konkrete Anhaltspunkte für eine Kirchengründung bereits in den Jahrzehnten um 700 - eine Feststellung, die eine intensivere Diskussion des herrschaftsgeschichtlichen Hintergrunds des Stettkirchener Friedhofs erfordert. Ferner fällt die vollständige Beigabenlosigkeit der ältesten Bestattungen auf, ein Befund, der vergleichbar bereits auf frühmittelalterlichen Friedhöfen des spätmerowingischen Ausbaugebiet im heutgien Oberfranken beobachtet werden konnte. Die weitere Bearbeitung der drei Kirchengrabungen durch den Regensburger Archäologen Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie) lässt spannende und neue Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Kirchen- und Christianisationsgeschichte der mittleren Oberpfalz erwarten.

Foto: Firma Adilo, Parsberg

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Schauhütte-international: Moschee und Siedlung von Cuatrovitas - Archäologische und baugeschichtliche Untersuchung einer almohadenzeitlichen Moschee und Wüstung bei Sevilla/Andalusien

Sunday, 15. June 2014 21:50

Im Mai 2014 arbeiteten Ines Buckel M.A. und Dr. Mathias Hensch bei den Kollegen der Universitäten Bamberg und Sevilla im Rahmen des Forschungsprojekts “Moschee und Siedlung von Cuatrovitas - Archäologische und baugeschichtliche Untersuchung einer almohadenzeitlichen Moschee und Wüstung im Aljarafe (Sevilla, Spanien)”. Eine Projektbeschreibung können Sie unter http://www.uni-bamberg.de/islamart/forschung/moschee-und-siedlung-von-cuatrovitas-dfg-projekt/ finden. Unter der Leitung von Professor Dr. Lorenz Korn und der örtlichen Leitung von Dr. Anja Heidenreich (beide Univesität Bamberg) finden hier seit 2012/13 in enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Magdalena Valor (Universität Sevilla) umfangreiche archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen zur Erforschung einer almohadenzeitlichen Siedlung und ehemaligen Moschee (12./frühes 13. Jahrhundert) südlich von Sevilla statt.

Für uns war die intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit eine interessante und spannende Bereicherung des archäologischen Horizonts, zumal Anja Heidenreich und Mathias Hensch vor 25 Jahren gemeinsam das Studium der Archöiologie des Mittelalters und der Neuzeit in Bamberg begannen und bis heute eng befreundet sind.

Und außerdem: Derartige Sonnenaufgänge gibt es wohl kaum auf einer Grabung im deutschsprachigen Raum:

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Thema: Grabungsprojekte | Kommentare (0)

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