Beitrags-Archiv für die Kategory 'Grabungsprojekte'

Fakten, so hart wie Eisen… zur Frühzeit der Hammertechnologie in der nördlichen Oberpfalz…

Wednesday, 20. July 2016 22:01

Interessante Neuigkeiten zur Geschichte der Eisenhammertechnologie in der nördlichen Oberpfalz… Erstmals liegen nämlich mit den Ergebnissen der 14C-Proben aus unseren Untersuchungen unter der St. Laurentiuskirche in Hütten “harte” Fakten zum Beginn der Eisenhammertechnologie vor. Die Radiokarbondaten aus der ältesten Schmiedeschlackenschicht unter der Kirche im Bereich des Hammerguts datieren die Aufnahme der Hammerproduktion an diesem Standort an der Heidenaab mit großer Wahrscheinlichkeit in den Zeitraum von 1280 bis 1320. Die Proben stammen aus einer Schicht, die aus Abfällen der Eisenhammerproduktion entstanden ist, die wiederum unmittelbar auf einer durch Hochwasser der Heidenaab entstandenen natürlichen Schwemmschicht auflag. Die Proben repräsentieren momentan also den ältesten bei der Fundamentuntersuchung des Kirchleins erfassten Kulturauftrag. In den Daten spiegelt sich die technologische Revolution im Montanwesen der Oberpfalz ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wider, die dem Raum vor allem durch die Etablierung der Eisenhammertechnologie eine europaweite Spitzenstellung bei der vorindustriellen Eisen- und Stahlerzeugung bescherte… wir finden, das ist eine Meldung wert!
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Neue 14C-Daten aus unseren Grabungen am Drillingsfeld bei Amberg-Eglsee

Wednesday, 13. July 2016 17:37

Noch einmal Amberg-Eglsee - die freundlicherweise von der Stadt Amberg finanzierten 14C-Daten zu unseren Montanbefunden am Drillingsfeld sind da…
… Die Proben aus dem kleinen Grubenhaus am oberen Hangbereich östlich der Frühlingsstraße datieren in die spätkarolinigsich-ottonische Zeit von 885 bis 1015 n. Chr. Die Proben aus dem bereits vorgestellten Rennofenbefund lieferten zwei relativ stark voneinander abweichende Datierungen. Diese liegen in den Zeiträumen von 600 bis 660 n. Chr. und von 775 bis 975 n. Chr. liegen. Interpoliert man beide Radiokarbonalter zu einem gewichteten Mittel, so liegt die größte Datierungswahrscheinlickeit im Zeitraum von 684 bis 717 n. Chr. Diese Datierung würde sich sehr gut mit der Datierung der aus der Verfüllung der Ofengrube geborgenen handaufgebauten, rauwandigen Keramik zur Deckung bringen lassen. Somit haben wir neben dem Rennofenbefund aus Hartmannshof zwischen Hersbruck und Sulzbach möglicherweise einen zweiten Beleg für Eisenerzverhüttung und Eisenverarbeitung auf der mittleren Frankenalb und dem anschließenden Bruchschollenland bereits in der Zeit um 700 n. Chr.
Erstaunlich sind die Daten einer weiteren Probe, die wir aus der Verfüllung eines mit Schlacken und Ofenabfällen durchsetzten ehemaligen Bachbetts nördlich des Rennofens entnommen haben. Sie datiert in den Zeitraum von 360 bis 170 v. Chr. und ist somit latènezeitlich (Stufen Latène B/C). Ob sich hier tatsächlich keltische Eisenverarbeitung fassen lässt, ließe sich nur durch weitere 14C-Datierungen aus diesen Verfüllschichten klären. Super spannend ist es allemal und wiederum wird die große Bedeutung archäologischer Quellen für die frühe Geschichte der Oberpfalz deutlich sichtbar. Dies zu erkennen und dementsprechend zu würdigen und zu fördern, ist auch Aufgabe der Städte, Gemeinden und Kommunen.

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Archäologische Erkenntnisse zur Baugeschichte der Laurentiuskirche in Hütten bei Grafenwöhr

Sunday, 10. July 2016 14:25

Hier kommt eine Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Bauuntersuchung an der Kirche St. Laurentius in Hütten, Stadt Grafenwöhr, Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab.
Die vor Beginn der Untersuchung formulierten Fragen zur Baugeschichte und Datierung der Hüttener St. Laurentiuskirche konnten durch die Untersuchung der Fundamentabschnitte Ende Juni größtenteils beantwortet werden.
Im gesamten Bereich des Kirchenumgriffs wurde eine ausgedehnte Schwemmsandschicht angetroffen, die massive Überschwemmungsereignisse im Bereich der Heidenaabniederung wohl während des Mittelalters überliefert. Diese Schwemmschichten wurden von einer bis zu 1,3 m mächtigen Schlackeabfallschicht der spätmittelalterlichen Eisenhammerproduktion überlagert. Hier lässt sich die Dimension spätmittelalterlicher Eisenindustrie an der unteren Heidenaab erahnen. Die noch ausstehende Radiokarbondatierung aus Holzkohlen in dieser Schicht wird zu deren Entstehungszeitpunkt weitere Anhaltspunkte liefern.

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Den ältesten Baubestand stellt der heutige kleine Kirchensaal dar, zu dem auch der unregelmäßig gebrochene Polygonalchor gehört. Aufgrund der Bautechnik und der stratigraphischen Beobachtungen gehört der Kirchenbau in das Spätmittelalter, wobei das überlieferte Baudatum 1472 sehr gut mit dem archäologisch-baugeschichtlichen Befund korrespondieren würde. Ob es sich bei diesem spämittelalterlichen Kirchenbau um die erste Kirche am Platz gehandelt hat, lässt sich durch die Untersuchung nicht klären. Es ist möglich, dass sich sowohl in den nicht untersuchten Flächen, besonders im Innenbereich, Spuren eines hölzernen Vorgängerbaus befinden, die sich dem archäologischen Nachweis momentan entziehen. Ferner könnten auch unterhalb der wohl durch Hochwasser entstandenen Schwemmschicht noch ältere Baureste, dann wohl am ehesten ebenfalls aus Holz, vorhanden sein. Die Klärung dieser Fragen ist künftigen archäologischen Maßnahmen vorbehalten.respondiert. Zudem könnte das Dachwerk der Kirche noch aus ihrer Erbauungszeit stammen, so dass möglicherweise eine dendrochronologische Untersuchung der im Dachstuhl verbauten Hölzer das Baudatum 1472 hutten2.JPGverifizieren könnte.
Die Untersuchung legt zudem nahe, dass sich zur Bauzeit nördlich der Kirche ein größerer Baukörper befunden hat, auf den man bei der Errichtung Rücksicht nehmen musste. Wahrscheinlich verband man diesen erschlossenen Bau mit der Nordwand des Chores. Hierauf deutet zumindest eine beim Abbruch des gebäudes entstandene Abrissfuge im oberen Teil der Chornordwand hin, die im Inneren der Sakristei sichtbar ist. Zudem erklärt sich somit auch der nicht vollständig ausgeführte 5/8-Chor der Kirche: Da das Gebäude im Norden bereits stand konnte der Chor nicht gleichmäßig geschlossen werden.
Da weder der Westturm, noch die Sakristei auf der Uraufnahme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verzeichnet ist, sind beide Bauteile frühestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet worden. Nach mündlicher Überlieferung ist der Sakristeianbau erst nach 1900 an den Chor angefügt worden. Dagegen dürfte der Turm noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Hierfür sprechen insbesondere seine gegenüber der Sakristei verhältnismäßig qualitätvolle Fundamentausführung sowie die im Neo-Renaissancestil gehaltenen Bauformen.
Die archäologische Begleitung der Fundamentsondagen an der St. Laurentiuskirche gibt einen bescheidenen, aber dennoch sehr spannenden Einblick nicht allein in die Ortsgeschichte von Hütten, sondern auch in die Verbidung von Herrschaft und Frömmigkeit im spätmittelalterlichen Montanwesen der Oberpfalz.

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Die Datierung der hölzernen Pfahlrostbrücke über den Erlbach in Sulzbach…

Sunday, 26. June 2016 12:34

Nun ist es also Gewissheit: Die von uns dokumentierte hölzerne Pfahlrostbrücke an der “Alten Straße” über den Erlbach in Sulzbach-Rosenberg stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nachdem schon die gezogenen Drahtnägel, mit denen die eisernen Rammschuhe an den Pfählen befestigt waren eine sehr junge Zeitstellung nahe legten, konnte der Dendrochronologe Franz Herzig vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Fichtenstämme der Brückenkonstruktion in eine, wenn auch nur kurze Fichtenkurve aus dem Oberpfälzer Jura in das Jahr 1934 einhängen. Nun erbrachte die 14C-Datierung eines Jahrringabschnitts aus Pfahl Nummer 34 zudem ein Alter von 90 +/- 30 Jahren vor 1950. Dies entspricht einem wahrscheinlichstem Kalenderalter von 1808 bis 1928. Der Jahrring unserer Probe aus Pfahl Nummer 34 ist 53 Jahre vor der Fällung der Fichte ausgebildet worden. Setzt man nun das Fälldatum 1934 voraus, wie es die von Franz Herzig benutzte Fichtenchronologie nahe legt, so stammt unsere Probe aus dem Jahr 1881. Diese Datierung liegt also voll im wahrscheinlichsten Altersbereich von 1808 bis 1928. Den archivalischen Quellen nach wurde im Jahr 1934 durch den sogenannten Reichsarbeitsdienst mit der Regulierung des Erlbachs “auf Höhe der Dreifaltigkeitskapelle” begonnen - das ist genau der Abschnitt, der von der jetzigen Baumaßnahme erfasst wurde. Ein Vergleich der Lage der Brückenübergänge des 20. Jahrhunderts mit dem um 1832 entstandenen Urkastaster zeigt zudem, dass der historische Verlauf der Alten Straße am Übergang über den Erlbach etwa 11 m weiter südlich gelegen hat - wir haben also wahrscheinlich “an der falschen Stelle” gebaggert…
…und selbst wenn es schade ist, dass die aufgedeckte Brückenkonstruktion nicht aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit stammt, so ist doch interessant, wie kurz die Erinnerungsspannen für derartige Baumaßnahmen in unserer modernen Gesellschaft sind, denn in Sulzbach kann sich offenbar niemand - oder kaum noch jemand unmittelbar - an dieses, wahrscheinlich erst in den 1960er Jahren abgebrochene Brückenbauwerk erinnern - zumindest hat sich bislang niemand zu Wort gemeldet, der eine Erinnerung daran hat. Auch die Archäologie des 20. Jahrhunderts sollte also ihren Platz haben.

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“…macht Euch die Erde untertan” - archäologische Hinweise auf den Umfang frühmittelalterlicher Eisenproduktion am Amberger Erzberg bei Eglsee

Friday, 17. June 2016 10:20

Hier nun ein aktuelles Update zu unseren Ausgrabungen im Baugebiet Drillingsfeld 2 (Stadt Amberg).
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Die Befundsituation belegt eindrucksvoll, wie sehr der Mensch wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert in den Naturraum der heutigen Oberpfalz eingegriffen hat und wie stark sich hierdurch die Landschaft veränderte. Anhand der angetroffenen archäologischen Befunde und der Bodenprofile lässt sich nämlich zeigen, dass es am Südhang des Amberger Erzberges im Frühmittelalter erhebliche Bodenverluste durch Erosion gegeben haben muss. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Grund hierfür die großflächige Rodung der Hänge zur Holzkohlegewinnung im Zusammenhang mit der Eisenerzverhüttung und der Weiterverarbeitung des gewonnenen Eisens war. Im gesamten, etwa 4 Hektar großen Areal waren aufgrund dieser Erosionsvorgänge des Frühmittelalters daher leider nur noch wenige archäologische Strukturen anzutreffen, die sich zudem nurmehr sehr flach erhalten hatten. Darunter befand sich ein frühmittelalterliches Grubenhaus im oberen Hangabschnitt, das Keramik des 7./8. Jahrhunderts erbrachte.
In der Niederung ließen sich mehrere alte Bachläufe nachweisen, an deren Rändern intensiv Eisenverhüttung stattgefunden haben muss, denn die Sohlen der nur noch etwa 20 bis 30 cm tief erhaltenen Bachbetten waren extrem stark mit Eisenverhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, geröstetem und gepochtem Eisenerz sowie Ofenresten, darunter auch mehrere Verschlusssteine zum Abdichten des Ofenmundlochs, verfült. Durch das “Mundloch” konnte die Schlacke aus dem Ofenschacht abgestochen werden und in eine Grube oder einen Kanal vor dem Ofen abfließen. Die oberen Ränder der Bachläufe und die Öfen selbst waren ebenfalls durch die starke Erosion abgegangen und von eingeschwemmten Bodenmaterial (sog. Kolluvium) überlagert. Die Bachläufe mündeten am Fuß des Hanges ein eine breite, wohl sumpfige Senke, an deren Rand sich ein gut erhaltener, auffallend großer Rennfeuerofen zur Eisenverhüttung fand. Dieser wurde wahrscheinlich an gleicher Stelle mehrfach erneuert. Weit über 200 kg Schlacke und Luppenreste haben wir bislang aus den Resten dieses Verhüttungsofens geborgen. Außerdem fanden sich zahlreiche Fragmente von verschlackten Düsenziegeln, über die die Luft mit Hilfe von Blasebälgen in den Ofen eingeblasen wurde. Zudem lässt sich an diesem Ofen erkennen, dass die Hüttenleute verstärkt quarzhaltigen Sand als silikatisches Flussmittel einsetzten, um so den Reduktionsvorgang innerhalb des Ofens während der Verhüttung zu optimieren. Die Keramikfunde weisen den Ofen wahrscheinlich dem 8., möglicherweise sogar dem späten 7. Jahrhundert n. Chr. zu. Dankenswerterweise finanziert die Stadt Amberg als Auftraggeber einige 14C-Untersuchungen zu den Befunden, so dass wir hoffentlich bald weitere Aufschlüsse zum Alter der frühen Eisenindustrie am Hang des Erzberges bei Alt-Eglsee erhalten. Wir werden Euch über die Ergebnisse informieren.

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(c) Bilder M. Hensch, Schauhütte Archäologie

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Frühmittelalterliche Köhlerei am Amberger Erzberg

Sunday, 22. May 2016 21:04

Unser Auftakt zur archäologischen Begleitung im Neubaugebiet Drillingsfeld im Amberger Ortsteil Eglsee. Nach den 14C-Daten wurde in diesem Grubenmeiler vor rund 1300 Jahren am Südhang des Amberger Erzberges Holzkohle zur Verhüttung der hier anstehenden Eisenerze hergestellt. Der Meiler war etwa 4 x 3,6 m groß und wahrscheinlich mindestens 0,7 m tief. Er konnte also eine stattliche Menge an Holzscheiten aufnehmen. Die Holzkohle wurde gewonnen, indem man frisches Holz unter Luftabschluss durch Schwelen verkohlte. Dabei fand eine thermochemische Reaktion statt, bei der u.a. Wasser, Kohlenmonoxid und andere Gase sowie Teer entweichen konnten und fast reiner Kohlenstoff als Holzkohle zurückblieb. Die Herstellung von Holzkohle in einem Grubenmeiler gilt als ältestes bekanntes Verfahren der Köhlerei. In einer Grube von in der Regel etwa 0,7 bis 0,9 m Tiefe und wenigen Metern Durchmesser wurden Holzscheite geschlichtet und anschließend mit Erde oder auch mit Grassoden abgedeckt. Zur Verkohlung musste der Meiler entweder angezündet werden, so dass bei geringer Luftzufuhr ein Teil des Holzes verbrennen, das umliegende Holz aber verkohlen konnte. Möglich war auch, bereits beim Stapeln der Holzscheite glühende Kohle in die Grube einzufüllen oder das Holz auf glühende Asche bzw. Holzkohlen zu stapeln. Dabei war es anschließend sehr wichtig, dass der Meiler am Schwelen gehalten wurde, ohne dass das Holz zu verbrennen begann. Ein kleiner Grubenmeiler konnte schon etwa einen Tag nach dem Anfahren geöffnet und die Holzkohle entnommen werden. Größere Meiler waren auch deutlich länger in Betrieb.
Etwa sieben bis acht Tonnen Holz wurden benötigt, um eine Tonne Holzkohle herzustellen. Zur Holzkohlegewinnung, setzte man im Mittelalter daher u.a. “Bäume auf Stock”. Hierzu wurde der Baum rund einen Meter über dem Boden gekappt, so dass sehr schnell armdicke Äste nachwuchsen. Das Spalten des Holzes zur Verwendung im Grubenenmeiler konnte so zum Teil entfallen. Zudem wurde durch diese Art der Waldwirtschaft eine höhere quantiative Ausbeute von Brennholz erreicht.

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Rund 10 Kilogramm Holzkohle aus dem Grubenmeiler in Eglsee werden zur Zeit auf die Holzartenzusammensetzung von Franz Herzig am Dendrolabor des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege untersucht. Wir können gespannt sein, welche Bäume am Erzberg zur Holzkohleherstellung im 8. Jahrhundert gefällt wurden. Wie stark der Mensch schon im 8. und 9. Jahrhundert in den Holzbestand der mittleren Oberpfalz eingriff, zeigen erste Untersuchungen an Holzkohlen aus Kümmersbruck. Hier finden sich fast nur noch dünne Äste und Stämme, vorwiegend von Erlen, die für die Erreichung der bei Schmieden von Klingen zum Feuerverschweißen benötigten Temperaturen nicht mehr geeignet waren. Möglicherweise war dies der Grund, warum die Produktion am Bachweg in Kümmersbruck nach der Dendrodatierung eines Stücks Buchenholzkohle im Jahr 886 eingestellt werden musste.

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Neues aus Umelsdorf: Hinweise auf eine frühmittelalterliche Vorgängerbebauung im Bereich der Nikolauskirche

Thursday, 19. May 2016 5:26

Neues und hoch Spannendes aus dem schönen Umelsdorf bei Kastl im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach: Die Radiokarbondaten zu den beiden frühen Steinbauten unter der heute stehenden romanischen Nikolauskirche aus dem frühen 12. Jahrhundert sind da. Die Holzkohlen aus dem Setzmörtel der Südmauer am Apsiseinzug der Vorgängerkirche erbrachten Datierungen in den Zeitraum von 665 bis 775 n. Chr., die Datierungen des westlich dieser Steinkirche stehenden Gebäudes gehören in den Zeitraum von 895 bis 1020 n. Chr. Demnach ist es wahrscheinlich, dass Umelsdorf eine der ältesten bekannten Kirchengründungen in der heutigen Oberpfalz besitzt. Hierbei dürfte frühkarolingischer Einfluss des nahe gelegenen Königshofs in Lauterhofen, der bereits vor 788 bestand und dem letzten agilofingischen Herzog Tassilo III. von Karl dem Großen als Lehen verliehen worden war, eine entscheidene Rolle gespielt haben.
Bei dem westlich anschließenden Gebäude könnte es sich um einen Saalbau bzw. Repräsentationsbau des 10. Jahrhunderts gehandelt haben, der mit nur sehr geringem Abstand unmittelbar westlich der Kirche stand. Derartige Baukonzeptionen, in der Bauwerke unterschiedlicher Funktion in axialer oder aber rechtwinkliger Ausrichtung mit sehr geringem Abstand nebeneinander standen, sind für das 9./10. Jahrhundert mehrfach bekannt, in der mittleren Oberpfalz etwa von der Adelscurtis Schmalnohe oder dem Burgzentrum Sulzbach.
Spannend ist auch, dass die im Urkataster verzeichneten Parzellenfluchten um die Kirche, die noch heute im Wesentlichen erhalten sind, mit den Baufluchten der Steingebäude des frühen Mittelalters weitgehend übereinstimmen, während die Kirche des frühen 12. Jahrhunderts gegenüber diesen Grenzen im Kataster deutlich nach Süden gedreht liegt. Die Ausrichtung der Parzellierung um die Kirche könnte somit ihren Ursprung in der frühmittelalterlichen Situation eines karolingischen Herrenhofs haben.
Für die Beurteilung der frühmittelalterlichen Herrschafts- und Kirchengeschichte im Raum Lauterhofen-Amberg-Sulzbach sind die Befunde aus Umelsdorf ein ganz wichtiger Puzzlestein. Im Zuge der weiteren Sanierung der Nikolauskirche werden wir diese frühen Gebäude hoffentlich noch einmal genauer unter die Lupe nehmen können.
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Bilder (c) M. Hensch, G. Gresik, Schauhütte Archäologie, Bayer. Vermessungsverwaltung (Plangrundlage)

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Beginn der Untersuchungen am Drillingsfeld bei Amberg-Eglsee

Thursday, 12. May 2016 18:48

Nach Pfingsten beginnen wir mit ersten archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der Erweiterung des Neubaugebiets Drillingsfeld zwischen Eglsee und Alt-Eglsee bei Amberg. Die ersten Sondagen hatten im letzten Jahr Hinweise auf Köhlerei- und Montantätigkeiten der Karolingerzeit am Südwesthang des Amberger Erzbergs nördlich des Speckmannshofer Bachs erbracht. Wir sind sehr gespannt, was da unter dem Humus auf uns wartet. Interessierte Besucher sind jederzeit willlkommen.

Bild (c) Oberpfalznetz / Der Neue Tag
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Ein Lebensbild des 11. Jahrhunderts der Curtis Dominicalis Smalnaha / Schmalnohe

Thursday, 5. May 2016 17:14

Smalnaha / Schmalnohe - “Curtis Dominicalis”.
Für eine Informationstafel zu unseren Ausgrabungen im Bereich des früh- und hochmittelalterlichen Herrenhofs in Schmalnohe bei Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach haben wir ein Lebensbild des 11. Jahrhunderts als Idealrekonstruktion entworfen, das von Grafiker und Museumsleiter Roger Mayrock (Kempten) grafisch umgesetzt wurde. Es zeigt den befestigten Hof mit der möglicherweise karolingischen Kirche St. Martin und dem von uns ausgegrabenen repräsentativen Steinbau, der wohl aus dem 10. Jahrhundert stammt. Daneben sollen bäuerliche Wirtschafts- und Wohngebäude mit Vollwalm- und Satteldächern sowie Grubenhäuser den ökonomischen Charakter eines solchen herrschaftlichen Platzes während des Mittelalters anzeigen.
Wir finden, es ist ein eindrucksvolles Bild geworden, das dem Besucher einen guten Eindruck vermitteln kann, wie derartige Herrenhöfe vom 9. bis zum 12. Jahrhundert ausgesehen haben könnten. Die Schautafel mit Informationen zur Archäologie und Siedlungsgeschichte Schmalnohes wurde dankenwerterweise von der Gemeinde Edelsfeld finanziert und wird in kürze im Bereich der Ausgrabungsflächen aufgestellt werden.

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Bild (c) R. Mayrock, Kempten, nach Vorlage M. Hensch (Schwaighausen)

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Neues aus Umelsdorfs Frühzeit

Sunday, 24. April 2016 16:16

Neues aus dem schönen Umelsdorf bei Kastl im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach. Die sehenswerte romanische St. Nikolaus-Kirche hatte einen steinernen Vorgängerbau!

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Diese ältere Kirche war nach Osten hin etwas kürzer als ihr Nachfolger des 12. Jahrhunderts und gegenüber diesem leicht nach Süden verschoben. Mit großer Wahrscheinlichkeit besaß sie als Chorabschluss eine halbrunde Apsis. In den kleinen Sondagen, die zur Beurteilung der Statik des heute stehenden Kirchleins angelgt werden mussten, konnten wir u.a. ein Teilstück der Südwand und den südlichen Choreinzug dieser wahrscheinlich vorromanischen Kirche untersuchen. Das Mauerwerk bestand aus vermörtelten Lesesteinen, wie es im Raum Lauterhofen-Sulzbach charakteristisch für den frühen Steinbau der karolingischen, ottonischen und frühsalischen Zeit ist. An der Innenseite dieser Wand hatten sich Reste des ursprünglichen, weiß getünchten Innenputzes erhalten, der zur Bestandszeit der Kirche mindestens einmal erneuert wurde. Die frühe Kirche war gegenüber ihrem Nachfolger deutlich mehr nach Norden gedreht und damit nicht genau geostet.
In der Bauflucht der frühen Kirche stand zudem ein weiteres Steingebäude, das möglicherweise profan genutzt wurde. Von diesem haben wir ein kleines Teilstück westlich der heutigen Kirche untersuchen können. Auch dieser Steinbau muss älter sein, als die heutige Kirche des 12. Jahrhunderts.
Holzkohlen aus den Setzmörteln beider früher Steinbauten befinden sich bereits zur Altersbestimmung bei Beta-Analytic in den USA… Wir werden Euch berichten, wenn die Ergebnisse vorliegen.

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