Beitrags-Archiv für die Kategory 'Grabungsprojekte'

Das Radiokarbonlabor der Universität Erlangen-Nürnberg muss schließen

Saturday, 27. June 2015 10:51

Das AMS-14C-Labor an der Universität Erlangen-Nürnberg muss seine Arbeit einstellen… eine sehr schlechte Nachricht für die archäologische Forschungsarbeit auch in Ostbayern, denn wir haben mit den Erlanger Physikern seit 1999 bei zahlreichen Projekten eng und gut zusammengearbeitet. (Bildungs-)Sparen am falschen Ende - wieder einmal.

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Die Ausgrabungen in der Wallfahrtskirche St. Mariä Heimsuchung in Oberfahrenberg gehen in die Endphase

Friday, 26. June 2015 17:52

Unsere archäologischen Untersuchungen im Inneren der Wallfahrtskirche St. Mariä Heimsuchung in Oberfahrenberg (Lkr. Neustadt an der Waldnaab) gehen in die Endphase.

Weit über 100 Befunde können eine facettenreiche Geschichte des Platzes als sakrales Zentrum erzählen. Wichtigstes Ergebnis ist der Nachweis einer rund 30 m langen und 14 m breiten Kirche des 14. Jahrhunderts, die sich mit ihrem kompletten Grundriss und zahlreichen Details zur ehemaligen Ausstattung dokumentieren ließ. Das außerordentlich qualitätvolle Bauwerk ist zugleich der einzige mittelalterliche Kirchenbau, der sich an der Stelle der heutigen Wallfahrtskirche aus der Zeit um 1779 fassen lässt. Eine steinerne Kirche des 12. oder 13. Jahrhunderts, wie dies die legendenhafte Überlieferung nahe legt, kann an dieser Stelle ausgeschlossen werden. Möglich ist jedoch ein hölzerner Kirchenbau in Pfostenbauweise, der sich vielleicht mit vereinzelten Pfostengruben in Verbindung bringen ließe, die wohl älter als die gotische Kirche sein dürften.

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Bei der nachgewiesenen Kirche könnte es sich um die Klosterkirche der 1352 nachweisbaren Zisterzienserinnen oder aber der älteren Probsteikirche des Klosters Waldsassen handeln. Auffallend ist ihre enorme Größe. Der Bau des 14. Jahrhunderts war eine einschiffge Saalkirche mit einem “klassischen” 5/8-Chor im Osten. Der Chor war, wie Strebepfeiler an dessen Ecken und Gewölberippenfragmente im Abbruchschutt belegen, gewölbt, während das Schiff mit großer Sicherheit flach gedeckt war und eine Dachdeckung aus Holzschindeln besaß. Im Westen gab es wahrscheinlich eine Empore, die nicht über die gesamte Breite des Schiffs verlief, sondern nach Süden verschoben war. Besondere Aufmerksamkeit verdienen sechs ungleichmäßg große Pfeilerstellungen im Osten des Schiffs, unmittelbar vor dem Chor. Diese Pfeiler, von denen die westlichen auffallend mächtig waren, könnten zu einem Nonnenchor oder einer Ostempore gehören, auf der die Zisterzienserinnen der Ordensregel nach abgeschieden von der Öffentlichkeit an der Messe teilnehmen konnten, ohne von unten gesehen zu werden. Möglicherweise war dieser Osteinbau vor dem Chor im unteren Bereich baldachinartig ausgeführt. Estrichreste an dieser Stelle könnten auf den Standort eines Altars hindeuten. Allerdings bedarf es zur Deutung der sechs Pfeilerstellungen weiterer Nachforschungen und Vergleiche mit anderen Zisterzienserinnenkirchen.

Im Chor hatten sich das Altarfundament, die Mörtelbettungen des Ziegelfußbodens und Putzreste an den Innenseiten erhalten. Im Abbruchschutt der Zeit kurz vor 1757 fanden sich zahlreiche Gewölberippen- und Maßwerkfragmente, zum Teil mit Bemalungsresten, bemalter Putz und farbige Fensterglasfragmente, die eine gute Vorstellung von der einst prächtigen Ausstattung des Sanktuariums geben. Der Chor war gegenüber dem Schiff leicht erhöht und war über eine niedrige Stufenanlage zu erreichen.

In der Mittelachse des Schiffs lag im westlichen Teil eine Gruppe von mindestens fünf Gräbern, die zum Teil offenbar mehrfach belegt wurden. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Adelsgrablege lokaler Herrschaftsträger der Herren von Waldthurn, Waldau oder Wirsberg. Die Familien sollen der Überlieferung nach in Oberfahrenberg bestattet haben.

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Der gotische Kirchenbau wurde um 1757 durch einen Barockbau ersetzt, der bereits 1775 durch Blitzschlag abbrannte. Der heutige Neubau war im wesentlichen 1779 fertig gestellt. Der erste barocke Kirchenbau nutze wie der heutige Bau die gotische Nordwand als Fundament weiter und war nach Westen genauso lang wie sein mittelalterlicher Vorgänger. Nach Süden wurde die Kirche um etwa 5 m verbreitert. Auf der älteren barocken Südwand sitzt die Südwand des heutigen Barockbaus II auf. Der Chor der Kirche von 1757 wurde gegenüber der mittelalterlichen Kirche deutlich nach Osten verschoben und gestelzt sowie nach Süden verbreitert. Die heutige barocke Kirche von 1779 wurde gegenüber ihrem kurzlebigen Vorgänger lediglich nach Westen um rund 6 m verlängert.

Neben den Befunden zur sakralen Nutzung lassen sich an einigen Stellen Siedlungs- und Pfostengruben nachweisen, die älter als die Kirche des 14. Jahrhunderts sein müssen. Auch Keramikscherben des 12./13. Jahrhunderts belegen immerhin eine hochmittelalterliche Vornutzung des Platzes. Ob diese tatsächlich mit einer Kirche und/oder einer Burg einher ging, ist bislang nicht zu klären. Der Platz selbst bietet allerdings gute topographische Voraussetzungen zur Anlage einer Burg während des 12. Jahrhunderts. Sicherlich bewahrt das Umfeld der heutigen Wallfahrtskirche weitere Aufschlüsse zur frühen Geschichte des bedeutenden Wallfahrtsorts an der nordöstlichen Peripherie der heutigen Oberpfalz.

Am 2. Juli 2015 bieten wir um 17 Uhr eine öffentliche Führung zu den Ergebnissen der Untersuchungen in der Kirche St. Mariä Heimsuchung an. Interessierte Besucher sind gern willkommen.

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Ein neuer Videoblog zur bauarchäologischen Untersuchung an der Befestigung der Klosterburg Kastl

Tuesday, 16. June 2015 22:35

Nach nunmehr drei Jahren kommt hier ein neuer Videoblog von Schauhütte-Archäologie. Wir berichten über unsere Untersuchungen an der südlichen Befestigung der Klosterburg in Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach. Vielen Dank an Harald Meier, Utzenhofen. - Zum ansehen klicken Sie bitte hier

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Von der Burg zum Kloster zur Wallfahrtskirche - Archäologische Untersuchungen in der Kirche St. Mariä Heimsuchung auf dem Fahrenberg

Monday, 15. June 2015 20:06

Heute haben wir im Zuge der Sanierung der Wallfahrtskirche St. Mariä Heimsuchung auf dem Fahrenberg (Gmde. Waldthurn, Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab) mit baubegleitenden archäologischen Untersuchungen begonnen.

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Bereits im 12. Jahrhundert soll es auf dem Fahrenberg eine Burganlage gegeben haben, die um 1200 an den Templerorden kam. Der Überlieferung nach soll ein Angehöriger der Templer im Jahr 1204 vom vierten Kreuzzug eine Marienstatue mitgebracht haben, die er in einer Kapelle auf dem Fahrenberg aufstellen ließ. Das Jahr 1204 gilt daher als Beginn der Wallfahrt, die somit zu den ältesten Wallfahrten Bayerns zählen würde. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts ging die Burganlage in Besitz der Herren von Waldthurn über. Nach deren Aussterben 1308 errichtete dann das Kloster Waldsassen eine Probstei vor Ort, durch die die Marienverehrung eine erste nachhaltige Blüte erfuhr. Nach dem Verkauf durch das Kloster Waldsassen an die Herren von Waldau 1352 wurde das monastische Leben auf dem Fahrenberg von den neuen Herren durch die Ansiedlung böhmischer Zisterzienserinnen wiederbelebt. Wohl im Hussitenkrieg zerstört, kam es auf dem Fahrenberg nach 1425 zur Gründung eines Priorats durch die Zisterzienser aus Waldsassen, doch fand das Klosterleben in den Bauernaufständen des frühen 16. Jahrhunderts sein endgültiges Ende. Während des 30-jährigen Krieges kam die Wallfahrt fast zum erliegen, doch blüte sie dann bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts erneut auf und gilt bis heute als eine der wichtigsten Wallfahrten der Oberpfalz.

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Die begonnenen Untersuchungen werden erstmals konkrete Aufschlüsse über die Bauentwicklung der Vorgängerbauten der um 1779 entstandenen heutigen Kriche erbringen. Schon nach dem Entfernen der modernen Fußböden sind zahlreiche Mauer- und archäologische Befundstrukturen im Kircheninneren erkennbar. Der Fokus der Untersuchungen liegt zunächst im Chorraum und wird anschließend auf das gesamte Kirchenschiff ausgedehnt werden. Erste Ergebnisse können wir Ihnen hier auf Schauhütte in Kürze vorstellen.

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“For the first time…” - Das Kloster Kastl - allererste archäologische Einblicke in einen der wichtigsten Zentralorte der Oberpfalz

Wednesday, 10. June 2015 0:39

Manche Orte (nicht nur) in Deutschland fallen in eine Art historischen “Dornröschenschlaf”… einst für die Entwicklung ganzer Großregionen enorm bedeutend, finden sie heute kaum überregionale Beachtung, obwohl sie dies aufgrund ihrer geschichtlichen Relevanz verdient hätten. Zu diesen Orten gehört zweifelsohne Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach.

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Kastl gehörte ursprünglich zu den ganz wichtigen frühmittelalterlichen Burgen des Herrschaftsraumes nördlich von Regensburg. Die Burg lag östlich des schon 806 in einer wichtigen Urkunde Karls des Großen genannten Königshofs Lauterhofen. Der Ortsname überliefert uns eine Burg unmittelbar. Sowohl das Toponym als auch die Topographie weisen ebenso wie der siedlungsgeschichtliche Kontext auf karolingische Wurzeln des Ortes. Auf der frühmittelalterlichen Burg wurde wahrscheinlich noch vor dem Jahr 1100 das erste Benediktinerkloster des mittelalterlichen Nordgaus gegründet. Die Gründung erfolgte nach den Vorgaben der Hirsauer Reformbewegung. Wie der benachbarte herrschaftliche Zentralort Sulzbach liegt Kastl an bedeutenden Fernwegen von Ostfranken nach Bayern und Böhmen.

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Die frühmittelalterliche Burg selbst lag auf einem lang gestreckten Terrassensporn, der sich nach Westen gegen das Lauterachtal vorschiebt. Sie wurde fortifikatorisch günstig am Eingang des Flusstals genau an der Stelle angelegt, an der der Fluss nach Süden umbiegt und sich das Tal nach Westen in Richtung des frühkarolingischen Königshofs Lauterhofen erweitert. Bislang fehlten moderne archäologische Ausgrabungen an diesem enorm wichtigen Ort mittelalterlicher Geschichte. Die zahlreichen Baumaßnahmen seit der Mitte des 20. Jahrunderts haben dabei ohne Frage einmalige archäologische Strukturen und Befunde zur Herrschaftsgeschichte der Oberpfalz unwiederbringlich zerstört. Noch im Jahr 2007 fanden großflächige Bodenöffnungen im zentralen Klosterareal von Kastl durch das zuständige Staatliche Bauamt ohne die eigentlich zwingend erforderliche und enorm wichtige ständige archäologische Begleitung statt, so dass die genaue Siedlungs- und Befestigungsentwicklung bis heute verdunkelt bleibt.

Die dichte geographische Lage der drei bekannten Burgzentren Sulzbach, Ammerthal und Kastl, sowie die karolingischen Königshöfe in Lauterhofen und Velden (und vielleicht in Amberg) zueinander verdeutlicht aber die Bedeutung der Region für die Herrschaftsträger des 8. bis 12. Jahrhunderts mehr als eindrucksvoll. Hinzu kommt wahrscheinlich die bereits Mitte des 9. Jahrhunderts genannte Burg in Allersburg, wenig südlich von Kastl. Die Ursachen hierfür sind nicht allein in der militärischen, sondern vor allem in der ökonomischen und administrativen Funktion dieser Orte und ihres Umlandes zu suchen. Wissen wir über die Entwicklung der vorgestellten politisch-administrativen Zentralorte durch die Ergebnisse der Archäologie zumindest ansatzweise Bescheid, so gibt es im gleichen Siedlungsraum auch eine Reihe von vermeintlich frühmittelalterlichen Burganlagen, über deren Funktion und Genese nichts bekannt ist. Diese „historisch unbekannten Burgen“, die sich besonders im Raum westlich der Vils finden, zeigen, wie vielschichtig und komplex Herrschaftsstrukturierung innerhalb der Siedlungskammern und Verkehrsräumen auf der Frankenalb vor sich gegangen sein muss . Sie zeugen von enormen Anstrengungen ihrer Erbauer und einer differenzierten Logistik innerhalb der Siedlungskammern.

Im Zuge von Sanierungsarbeiten an der südlichen Befestigung der Klosterburg in Kastl konnten wir nun erstmals, wenn auch bescheidene Einblicke in die Archäologie dieses Zentralorts gewinnen. Hierbei steht jedoch bislang lediglich ein kleiner Abschnitt der Befestigungsmauer im Südwesten des riesigen Areals im Fokus der Untersuchungen. Immerhin zeigt die Befunddokumentation überaus deutlich, welch großes historische Potential der Platz trotz der putativen Zerstörungen durch die Baumaßnahmen der letzten Jahrzehnte noch birgt. Die ältesten Abschnitte der Befestigungsmauer gehen an der untersuchten Stelle bis in die Zeit der Klostergründung durch die Grafen von Sulzbach, die zähringisch-diepoldingische Markgräfin Luitgard und die Edelfreien Herren von Kastl um 1100 zurück.

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Mindestens vier weitere Reparaturphasen zeigen, wie prekär die Errichtung der Befestigung an dieser steil abfallenden Geländekante war. Das früh- und hochmittelalterliche Niveau lag an der Innenseite der Mauer offenbar über 5 m tiefer als heute. Im östlichen Abschnitt konnte wahrscheinlich die Westwand der im 14. Jahrhundert erstmals fassbaren Ägidiuskapelle erfasst werden. Wir werden an dieser einen ausführlichen Videoblog veröffentlichen und Sie weiter über den Ablauf und die Ergebnisse der Grabung informieren.

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Es ist sehr zu hoffen und dringend notwendig, dass alle zukünftigen Bodeneingriffe, seien sie auch noch so gering, konsequent archäologisch begleitet werden. Beim Besitz des größten Teils des Klosterareals durch den Freistaat Bayern müsste dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein…

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Ein Klang aus dem Mittelalter - die “Theophilusglocke” von Thurndorf

Saturday, 9. May 2015 19:12

Wer einmal einen akustischen Eindruck gewinnen möchte, wie vor rund 900 Jahren eine Kirchenglocke klang, kann dies hier tun: Die sog. Theophilus-Glocke aus Thurndorf des “Meisters Wolfger”, die um 1140 gegossen wurde. Und es ist noch dazu eine Glocke aus dem Machtbereich der Grafen von Sulzbach. Die Glocke dürfte ursprünglich wohl im Giebelreiter der Burgkirche von Thurndorf in der heutigen Oberpfalz gehangen haben…

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Die Ausgrabungen in der “curtis dominicalis” Schmalnohe - ein Glücksfall für die Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte der nordwestlichen Oberpfalz

Sunday, 3. May 2015 12:17

Unsere archäologischen Grabungen am Platz der hochmittelalterlichen Curtis der Grafen von Sulzbach in Schmalnohe, Gemeinde Edelsfeld, Lkr. Amberg-Sulzbach, sind vorerst beendet. Je nach Fortschritt der Sanierungsarbeiten an der Kirche und Baggerarbeiten im Zufahrtsbereich werden unter Umständen weitere Untersuchungen im vermuteten ehemaligen Torbereich sowie im baulichen Bestand der ehemaligen Martinskirche notwendig werden.

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Doch das, was bereits jetzt an Befunden gesichert und dokumentiert und an Fundmaterial geborgen wurde, übertrifft viele Erwartungen. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der stehende Kirchenbau in seinem Kern ein erstaunlich hohes Alter besitzt. Möglicherweise geht die im Wesentlichen noch erhaltene erste Steinbauphase bis in vorsalische Zeit (d.h. vor 1024) zurück. Ob sich hier vielleicht ein ottonischer oder gar spätkarolingischer Kirchenbau in großen Teilen aufrecht stehend erhalten hat, werden die Auswertung der Grabung und weitere Untersuchungen genauer sagen lassen.

Mit einem Abstand von wenig mehr als 2 m stand westlich der Kirche ein rund 15 m langer und 7 m breiter, steinerner Saalbau mit nördlichem und westlichen Annex (Anbauten), dessen Erbauungszeit sicher ebenfalls vor dem Jahr 1100 liegt. Neben der auffallend guten und qualitätvollen Bautechnik ist besonders die exakte axiale Lage des Steinbaus westlich der Kirche interessant. Kirche und Saal bildeten somit eine beeindruckende “Schaufassade” zum Tal des Krummbachs, ohne untereinander eine direkte bauliche Verbindung einzugehen. Die auf repräsentative Außenwirkung angelegte Positionierung dieses Ensembles, zu dem sicherlich weitere Baulichkeiten gehört haben düften, wird hier offensichtlich. Ähnliche Konzeptionen kennen wir von ottonischen Königshöfen und Pfalzen. Zahlreiche Funde von sehr großen Hohlziegeln des Typs Mönch-Nonne in unterschiedlichen Rot-, Orange- und Gelbtönen belegen eine massive Dachdeckung bereits lange von dem frühen 13. Jahrhundert, dem Zeitpunkt, als das Gebäude abgebrochen wurde, und lassen erahnen, wie beeindruckend das Bauensemble für die Zeitgenossen einst gewesen sein muss. Es spricht nichts dagegen, dass diese Dachdeckung bereits aus der Erbauungszeit des Steinbaus stammen könnte.

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Neben dem Steinsaal bzw. Saalgeschossbau gibt es zahlreiche Hinweise auf eine ausgedehnte Holzbebauung in Form von Pfostenspuren. Ein Teil der Pfostenbefunde ist sicher älter als der steinerne Saal und könnte, wie das Fundmaterial belegt, bis in das Frühmittelalter zurückreichen. Radiokarbondaten aus Holzkohlen in Grubeneinfüllungen im Umfeld der Kirche lieferten Datierungen in das 5./6. und 7./8. Jahrhundert n. Chr. und können einen konkreten Hinweis auf eine weit zurückreichende Siedlungstradition am Platz geben, zu der der sehr alte aha-Name des Orts passen würde. Weitere 14C-Datierungen sind im Zuge der Auswertungen vorgesehen und werden den chronologischen Rahmen genauer abstecken lassen.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts suchte eine Brandkatatstrophe Schmalnohe heim. Während die ebenfalls von diesem Brand betroffene Kirche wiederhergestellt wurde, brach man den großen Steinbau westlich des Gotteshauses etwa zwischen 1200 und 1240 ab.

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In der Ruine errichtete man kurz nach der Brandzerstörung u.a. Öfen zur Eisenverhüttung, ohne dass es zu einer längerfristigen Weiternutzung im herrschaftlichen Sinne gekommen ist. Das Areal scheint nach dem frühen 13. Jahrhundert nicht mehr herrschaftlich genutzt worden zu sein. Wie Gräber des 13./14. Jahrhunderts belegen, scheint im Laufe des 13. Jahrhunderts auch die Kirche einen Wandel von der Eigenkirche zur “Parochialkirche” durchgemacht zu haben.
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Aus dem Fundmaterial der Grabung sind u.a. ein vergoldeter Beschlag einer Buchschließe, Pfeileisen, Rasiermesser und das Fragment einer wohl frühmittelalterlichen Knochenflöte besonders zu erwähnen.

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Wir danken der Gemeinde Edelsfeld, der Familie Radandt als Grundstücksbesitzer und der Pfarrgemeinde Schlicht, swie den Architekten Johann Ernst (Vilseck/Amberg) und Manfred Neidl (Sulzbach-Rosenberg) für die gute und konstruktive Zusammenarbeit und Unterstützung. Über den Fortgang dieses spannenden Projekts werden wir Sie aus www.schauhuette.de weiter auf dem Laufenden halten.

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Alle Bilder copyright: Mathias Hensch, Schauhütte-Archäologie; eine Nutzung und Vervielfältigung von Bild- und Textmaterial ist nur nach schriftlicher Genehmigung des Urhebers zulässig.

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Presse-Feedback zu unseren Grabungen im Bereich des mittelalterlichen Herrensitzes in Schmalnohe

Sunday, 26. April 2015 9:41

Die Oberpfälzer Presse berichtet in einem gelungenen Artikel über unsere Ausgrabungen in Schmalnohe. Sie können den Beitrag lesen, indem Sie hier klicken.

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Die Grabungen auf der “Adelscurtis” von Schmalnohe werden fortgesetzt…

Tuesday, 10. March 2015 22:35

Nach Beauftragung durch die Gemeinde Edelsfeld (Landkreis Amberg-Sulzbach) werden wir in der kommenden Woche unsere archäologischen Untersuchungen im Bereich der 1130 erstmals genannten Curtis der Sulzbacher Grafen in Schmalnohe fortsetzen und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse…

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Nach den Sondagegrabungen im Herbst 2014 wird nun die genaue Untersuchung eines großen, hochmittelalterlichen Steingebäudes westlich der Kirche St. Otto (ehemals St. Martin) eine besondere Rolle spielen. Hierbei stehen Fragen nach Alter, Funktion und Konzeption dieses Gebäudes im Vordergrund. Darüber hinaus erwarten wir konkrete Hinweise zur Nutzung des Areals im Zentrum des Adelshofes spätestens während des 11./frühen 12. Jahrhunderts. Über den Ablauf und die ersten Ergebnisse zur Ausgrabung werden wir Sie auf www.schauhuette.de und auf unserem youtube-Kanal in Form eines Video-blogs informieren. Besucher sind auf der Grabung jederzeit willkommen….

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Kindergrab des Spätmittelalters (?) mit Münzbeigabe (Untersuchung 2014)

Fotos:

Oben - (c) Bayerisches Landesvermessungsamt

Mitte - (c) Mathias Hensch

Unten - (c) Mathias Hensch

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Der Baugeschichte von St. Stephan in Stulln auf der Spur

Sunday, 1. March 2015 11:36

Die erste Projektphase zur Erforschung des Alters und der Baugeschichte der kleinen Stephanskirche in Stulln, Lkr. Schwandorf, hat begonnen. In der letzten Woche haben wir gemeinsam mit Kolleginnen von der Firma Arcteam (Regensburg) mit der Innenseite des Westgiebels die momentan einzig unverputzte, also für eine Untersuchung zugängliche Wandfläche der Kirche näher unter die Lupe genommen. Dabei ging es zuänchst um eine genaue fotogrammetrische Aufnahme und Analyse des Mauerwerks und die Erstellung eines Bauphasen bzw. Reparaturphasenplans und Mörtelkatasters, um unterschiedliche Bauabläufe am Giebel erkennen zu können.

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Neben der Entnahme von Mörtelproben zur weiteren Analyse im Labor war ein vorraniges Ziel auch , organische Bestandteile zu finden, die zur Erbauungszeit des Giebels in den frischen Mörtel hineingeraten waren. Hierbei hatten wir zunächst besonders an häufig in mittelalterlichen Mörteln zu findene Holzkohlepartikel gedacht. Trotz intensiver Suche konnten aber leider keine Holzkohlepartikel im Setzmörtel der mittelalterlichen Phasen des Westgiebels entdeckt werden. Dieser Befund spricht ebenso wie der makroskopische Eindruck der Mörtelzusammensetzungen für eine sehr sorgfältige Aufbereitung des Kalkmörtels zu dessen Erbauungszeit.

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Zu unserer Freude entdeckten wir aber einige Holz- und Strohreste, die beim Mischen des Mörtels bzw. bei der Aufmauerung der Giebelwandfläche im Mörtel eingeschlossen wurden. Nach der Dokumentation der Lage dieser organischen Bestandteile wurden insgesamt sechs Proben für eine 14C-Datierung geborgen. Dabei ist es sicher, dass nicht alle Proben zur vermeintlich ältesten Bauphase des Giebels gehören, sondern auch eine Umbauphase genauer datieren können, die wahrscheinlich mit dem Bau des Turms im 15. Jahrhundert einherging. Die Proben werden nun zur Radiokarbondatierung verschickt und wir sind gespannt auf die Ergebnisse. In einer hoffentlich zweiten Projektphase werden wir dann weiteren konkreten Fragen an die Baugeschichte des Kirchleins nachgehen können.

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Für die großzügige Unterstützung und gute Zusammenarbeit danken wir an dieser Stelle der Gemeinde Stulln, Bürgermeister Hans Prechtl und Ortsheimatpleger Hans Klar, sowie Dr. Silvia Codreanu-Windauer und Dr. Christoph Steinmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg. Wir werden auf der Schauhütte weiter über das kleine Projekt berichten.

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