Beitrags-Archiv für die Kategory 'Grabungsprojekte'

EIn filmischer Nachschlag des Oberpfälzer Fernsehens OTV zum laufenden Projekt in Kümmersbruck

Monday, 31. August 2015 21:28

…und hier noch ein filmischer Nachschlag von heute des Oberpfälzer Fernsehens OTV zum laufenden Projekt mit sehr gut dargestelltem Inhalt… zum ansehen, klicken Sie bitte hier.

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Großes Medienecho zu unseren Entdeckungen in Kümmersbruck

Tuesday, 25. August 2015 21:14

Großes Medienecho zu unseren Entdeckungen in Kümmersbruck - das zeigt einmal mehr, wie groß das Interesse der Öffentlichkeit an geschichtlichen Inhalten ist… wir posten hier die Links zu den Berichten des Bayerischen Rundfunks und von Sat1

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Ein Beitrag zur Historischen Informationsstätte St. Martin in Ermhof in den aktuellen Denkmalpflege Informationen des BLfD

Sunday, 23. August 2015 20:33

In den neuen Denkmalpflege Informationen des Bayerischen Landesamts für  finden Sie auf den Seiten 92 bis 95 einen Beitrag zu unserer Historischen Informationsstätte Sankt Martin in Ermhof. Zum Herunterladen klicken Sie bitte hier.

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Ein Fernsehbeitrag zur Entdeckung der Reste des Bergfrieds der Burg Falkenberg…

Thursday, 20. August 2015 21:24

Der Fernsehsender Oberpfalz TV zeigt einen Beitrag zur Entdeckung der Reste des Bergfrieds der Burg Falkenberg im Landkreis Tirschenreuth… Zum ansehen klicken Sie bitte hier

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Mehr als nur Tagwerk - Spuren einer frühmittelalterlichen Montanhandwerkersiedlung in Kümmersbruck

Friday, 14. August 2015 22:35

Wohl kaum eine andere Region Bayerns war während des Mittelalters derart stark vom Montanwesen geprägt, wie der Raum um die Bergstädte Auerbach, Sulzbach und Amberg. Die Oberpfälzer Kreideerze bildeten über Jahrhunderte das wirtschaftliche Rückgrat der Region nördlich von Regensburg und besaßen europäische Bedeutung. Mit Einstellung des Bergbaues auf Eisen durch die Schließung der Gruben am Erzberg in Amberg (1964), St. Anna (1974) und Eichelberg (1977) in Sulzbach-Rosenberg sowie der Grube Leonie im Auerbacher Revier (1984) ging hier in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Ausbeutung von Eisenerz zu Ende. Nach Schließung der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg fand die Montanwirtschaft, die über viele Jahrhunderte die Menschen, die Landschaft und den gesamten Naturraum der mittleren Oberpfalz nachhaltig geprägt und verändert hat, im Jahr 2002 ihr weitgehendes Ende.
Die Anfänge von Bergbau, Verhüttung und Verarbeitung von Eisenerzen liegen weitgehend im Dunkeln, obwohl vereinzelte bodendenkmlpflegerische Beobachtungen und punktuelle archäologische Befunde immer wieder darauf hinwiesen, dass es in der mittleren Frankenalb und dem östlich anschließenden Oberpfälzer Bruchschollenland eine weit vor die ersten schriftlichen Nennungen zurückreichende Tradition in der Gewinnung und Verarbeitung von Eisenerzen gab und früh spezialisierte Handwerker im Auftrag früh- und hochmittelalterlicher Herrschaftsträger arbeiteten. In den Jahren 1993 bis 2002 konnten dann im Bereich des Oberen Schlosses von Sulzbach (-Rosenberg) erstmals Werkstattbefunde untersucht werden, die belegen, dass hier vor dem Jahr 1000 bereits spezialisierte Metallhandwerker arbeiteten. Die Befunde in Sulzbach beleuchten die Verbindung von Handwerk und Herrschaft eindrucksvoll. Am Westrand der Kernburg arbeitete im 9./10. Jahrhundert nämlich eine Werkstatt, in der u.a. Kettenhemden gefertigt und unterschiedliche Metalle wie Bronze, Messing, Zink und Eisen verarbeitet wurden. Der Einzelfund eines gusseisernen Barrens aus dem frühen 11. Jahrhundert belegt darüber hinaus die Anwesenheit von Handwerkern in Sulzbach, die innovative metallurgische Prozesse zu beherrschen im Stande waren und sich zudem eingehend mit Technologiefortschritt und -transfer beschäftigten.
In diesem Zusammenhang ist vielleicht auch die große frühmittelalterliche Befestigung auf dem Frohnberg an der Vils, wenig westlich von Sulzbach zu sehen. Die Bebauung im Inneren der Ringwall-Graben-Anlage könnte nach neuen geophysikalischen Untersuchungen durch Jörg Faßbinder (BLfD) in Zusammenarbeit mit Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie) aus zahlreichen Gruben- und Pfostenhäusern sowie vielleicht großen Erdkellern bestanden haben. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass der Frohnberg während der karolingisch-ottonischen Zeit eine sehr spezifische, herrschaftsgebundene Funktion bei der Eisenverhüttung und Eisenverarbeitung gehabt haben könnte. So sind große Bereiche des südlichen Hanggrabens offenbar mit Eisenverhüttungsschlacken verfüllt worden, die mit einiger Sicherheit von der Hochfläche stammen, auf der sich ebenfalls immer wieder Rennfeuerschlacken finden lassen. Möglicherweise arbeiteten innerhalb der Befestigung also Handwerker an der Herstellung herrschaftsnaher Produkte aus Eisen. Zu denken wäre auch hier an die Herstellung von Waffen , wie es auf der benachbarten Burg in Sulzbach mit der Produktion von Kettenhemden nachzuweisen ist. Es zeichnet sich ab, dass einer weiteren Erforschung der Burg auf dem Frohnberg für unser Verständnis der Verbindung von frühem Montanwesen und herrschaftlicher Organisation des gesamten Raums große Bedeutung zukommen würde.

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Mit großer Spannung haben wir daher mit archäologischen Untersuchungen im heutigen Ortsgebiet von Kümmersbruck begonnen. Der Altort Kümmersbruck liegt rund drei Kilometer südöstlich der Amberger Altstadt, zu beiden Seiten des von Norden kommenden Krummbachs, der im Nachbarort Haselmühl in die Vils mündet.

Der Ortsname erscheint erstmals um 1187, als sich ein Cůnrad de Cůnebrehtesbrůcke  nach seinem Ansitz nennt. Das patronymische Toponym nennt uns dabei wohl den Namen des ursprünglichen Brückenmeisters, also „der Ort an der Brücke des Cunebreht“. Diese Brücke ist zweifelsohne an der Vils und nicht am Krummbach im Bereich des Dorfkerns zu suchen. Der Name kann durchaus eine Ortsgründung vor dem 11. Jahrhundert andeuten, denn Bau und Unterhalt von Brücken waren bereits in karolingischer Zeit grundherrlich geregelt, das erhobene Brückgeld ein wichtiger Zoll. Ab spätkarolingischer Zeit wurden die zum Bau und zum Unterhalt der Brücken verpflichteten Königsleute zu Besitzern bzw. Verwaltern der Brücken und somit nicht nur zu Zolleintreibern, sondern auch zu Zolleinnehmern, zu pontearii.

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Im Zuge der Errichtung von zwei größeren Wohneinheiten, wird von uns derzeit ein rund 1100 Quadratermer großes Areal untersucht, auf dem während des 8./9. Jahrhunderts offenbar eine größere Siedlung bestand. Nur etwa 600 m nordwestlich des Areals konnten bereits 2014 Spuren einer Eisen gewinnenden Siedlung des 8. Jahrhunderts untersucht werden. Es scheint sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Untersuchung abzuzeichnen, dass sich auch nördlich des Krummbachs eine ausgedehnte Siedlung der späten Merowinger- und Karolingerzeit befand, in der ebenfallls die hier anstehenden Brauneisenerze im großen Maßstab verhüttet und verarbeitet wurden. Eine dichte Bebauung mit Pfosten- und Grubenhäusern belegt eine intensive Nutzung der Flächen in seichter Südhanglage. Die Grabungen werden in den nächsten Wochen mit Nachdruck fortgeführt. Über die weiteren Ergebnisse werden wir Sie an dieser Stelle umfassend informieren.

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Literaturhinweise:

Mathias Hensch, Die Burg Sulzbach (Oberpfalz) als Standort früher Montantätigkeit im „Ruhrgebiet des Mittelalters“. In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 13, 2002, 34-39.

Mathias Hensch, Montanarchäologie in der Oberpfalz — von der Forschung vergessen? In: Berichte zur bayerischen Bodendenkmalpflege 43/44, 2002/3 München 2005, 273-288.

Mathias Hensch, Territory, Power and Settlement - Observations on the Origins of Settlement Around the Early Medieval Power Sites of Lauterhofen and Sulzbach in the Upper Palatinate. In: Jiri Mahacek (Hrsg.) Praktische Funktion, gesellschaftliche Bedeutung und symbolischer Sinn der frühgeschichtlichen Zentralorte in Mitteleuropa, Studien zur Archäologie Europas, Bonn 2011, 421-458.

Mathias Hensch, Zur Struktur herrschaftlicher Kernräume zwischen Regensburg und Forchheim in karolingischer, ottonischer und frühsalischer Zeit. In: Peter Ettel, Lukas Werther (Hrsg.), Zentrale Orte und zentrale Räume des Frühmittelalters in Süddeutschland. RGZM Tagungen 18, Mainz 2013, 267-308.

Mathias Hensch, Spuren frühmittelalterlicher Montantätigkeiten in Kümmersbruck, Lkr. Amberg-Sulzbach. In: Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz 11, in Vorbereitung.

Mathias Hensch, Der Frohnberg bei Hahnbach — Frühmittelalterliche Befestigung und neu entdeckter Herrensitz des hohen Mittelalters. Materialien zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg 4, Büchenbach in Vorbereitung.

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Ein barbarossazeitlicher Bergfried auf der Burg Falkenberg?

Wednesday, 5. August 2015 16:27

Bei unserer jüngsten Notdokumentation im Bereich der eindrucksvollen Burg Falkenberg (Markt Falkenberg, Landkreis Tirschenreuth) konnten wir auf einem teilweise künstlich überarbeiteten Felsplateau am Nordrand des Terrassensporns außerhalb der heutigen Kernburg Mauerreste des späten 12. Jahrhunderts untersuchen.

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Bildnachweis oben: „Falkenberg-Burg-2“ von Walter J. Pilsak, Waldsassen - Übertragen aus de.wikipedia nach Commons.. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Falkenberg-Burg-2.jpg#/media/File:Falkenberg-Burg-2.jpg

An dieser exponierten Stelle wurde wahrscheinlich in den letzten Jahrzehnten vor 1200 ein mächtiger Steinbau errichtet, dessen unterste Buckelquaderlagen und Füllmauerwerkreste sich nur mehr an der Nordostecke erhalten haben. Abarbeitungs- und Mörtelspuren auf dem markanten Felsplateau legen jedoch nahe, dass es sich dabei um einen etwa 10 x 10 m großen Turm gehandelt hat, bei dem es sich um den Bergfried der stauferzeitlichen Burg gehandelt haben dürfte. Fundmaterial aus umliegenden Schichten, das erst nach der Errichtung des Turms in den Boden gelangt sein kann, gehört in das ausgehende 12. und beginnende 13. Jahrhundert.

Der Turm stand an exponierter, zentraler Stelle auf dem Schlossberg und belegt, dass im Hochmittelalter offenbar der gesamte Terrassensporn südlich des Waldnaabübergangs in die Burganlage einbezogen war. Dies legt auch ein Blick auf die Topographie nahe. Wahrscheinlich waren sogar weite Teile östlich des heutigen Zugangsbereichs zur Burg vom 11. bis zum 13. Jahrhundert in die Befestigung eingebunden. Hierfür sprechen u.a. zwei östlich der heutigen Kernanlage auf dem Hochplateau liegende Abschnittsgräben. Die Kernburg dürfte dann wohl erst im Laufe des 14. Jahrhunderts auf den markanten vorderen Felsturm reduziert worden sein. Es ist gut möglich, dass der heutige Bergfried der Burg aus dem 14. Jahrhundert mit Steinmaterial des stauferzeitlichen Turms errichtet wurde, denn sein Mauerwerk zeigt zahlreiche Buckel- und Glattquader in Zweitverwendung.
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Der von uns untersuchte, einst sicher mächtige Turm könnte noch unter den Grafen von Sulzbach, in den letzten Jahren vor ihrem Aussterben 1188 erbaut worden sein. Er ist dann wohl als architektonischer Ausdruck der Repräsentation gräflicher Macht auf der Burg Valchenberch am nördlichen Rand des Sulzbacher Allodialbesitzes um Tirschenreuth zu verstehen und war dann zugleich eine wesentliche fortifikatorische Modernisierung der Infrastruktur der Burganlage.

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Was zeigt man von einer Burg, wenn man etwas zeigen soll, aber nichts über sie weiß?

Tuesday, 28. July 2015 0:01

Was zeigt man von einer Burg, wenn man etwas zeigen soll, aber nichts über sie weiß? Gemeinsam mit unserem Freund und Partner Szabolcs Domonkos (Framefusion, Regensburg) wurden wir gebeten, für eine kleine Präsentation über die Orts- und Regionalgeschichte von Feldkirchen-Westerham in Oberbayern ein plakatives Lebensbild der verschwundenen Neuburg der Falkensteiner Grafen bei Westerham zu visualisieren… Aber was für eine Burg baut man denn nur am Computer, wenn von dieser obertätig nichts erhalten ist? Ist es für ernsthafte Archäologen und Historiker zulässig, überhaupt etwas zu zeigen?
Immerhin, durch Begehungen und Beobachtungen von Heimatforscher Sigehard Wagener konnten Standort und Größe einzelner Gebäude und Befestigungselemente auf dem ehemaligen Burgareal wahrscheinlich gemacht werden. Und schriftliche Quellen überliefern zudem eine repräsentativ ausgestattete Doppelkapelle des 12. Jahrhunderts auf der Burganlage…

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So haben wir uns also entschlossen, ein Idealbild dieser verschwundenen Burg, gewissermaßen “in Rohform” anzubieten. Denn die geschichtsinteressierten Feldkirchener haben tatsäschlich ein Recht darauf, eine kleine Vorstellungshilfe zu ihrer Hausburg “vor Augen geführt” zu bekommen.
Gezeigt werden also in relativ einfacher und schematischer Form die auf einer Adelsburg des 12. Jahrhunderts anzunehmenden wesentlichen baulichen Elemente: Steinerne Ringmauer mit Zinnen und ein an die Topographie angepasstes, seitlich liegendes Kammertor als Zugang, ein repräsentativer Saal- bzw. Saalgeschossbau, ein Bergfried, respektive Wohnturm und eben die überlieferte Doppelkapelle.

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Die Baukörper wurden in das modellierte tatsächliche topographische Relief auf dem Burgberg eingefügt und anhand festgestellter Fundamentausbruchgräben im Bild an ihrem “wahrscheinlichen” Standort positioniert. Wenngleich wir hier also ein rein fiktives Bild der Neuburg zeichnen, war es doch Ziel des Rekonstruktionsvorschlags, einen visuellen Eindruck anzubieten, der dem interessierten Betrachter die Elemente des frühstauferzeitlichen Burgenbaus zeigt, die unserem derzeitigen Wissenstand über den Burgenbau des mittleren 12. Jahrhunderts entsprechen. Wir meinen, das ist sowohl statthaft, als auch gut gelungen.

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Thema: Grabungsprojekte, Projekte 3D Archäologie - Rekonstruktionen | Kommentare (0)

In eigener Sache: Kritische Anmerkungen zur Geschäftsstrategie von Grabungsfirmen in Bayern (und anderswo)

Wednesday, 22. July 2015 11:02

„Spiegel Online“ widmet uns Archäologen in seiner Rubrik Wissenschaft eine eigene Seite (http://www.spiegel.de/thema/archaeologie/). Dort ist einleitend unter der Überschrift „Geschichte der Menschheit“ zu lesen:

„Wie sind die Kulturen der Welt zu dem geworden, was sie heute sind? Archäologen suchen an historischen Schauplätzen und auf Friedhöfen, in alten Gemäuern und staubigen Archiven nach Antworten. SPIEGEL ONLINE begleitet die Forscher auf ihrer spannenden Reise in die Vergangenheit. (…)“

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“Günstig durch ganz Deutschland” - Die privatwirtschaftliche Archäologie ( SPIEGEL-ONLINE)
Diese fast als Werbeslogan zu lesende Beschreibung von Archäologie offenbart ein durchaus verbreitetes, aber schiefes Bild unserer Zunft. Wie kaum ein anderes Berufsfeld ist die Wahrnehmung der Archäologie und der Beruf des Archäologen in der Öffentlichkeit von einer bemerkenswerten Diskrepanz geprägt: Einerseits der Archäologe vom Schlage eines Howard Carter oder im Stile eines Indiana Jones, verklärt auf der Suche nach versunkenen Welten und mystischen Überlieferungen. Wie oft habe ich auf meinen Grabungen schon von interessierten Besuchern gehört: „Ich wollte auch immer Archäologe werden“ oder „Haben Sie schon einen Schatz gefunden?“. Die andere, die „dunkle Seite“ der Archäologe aber ist die, die Bauvorhaben verzögert oder gar verhindert, Investitionen im Wege steht und dem fortschritt- und investitionswilligen Bauherrn das Leben schwer und vor allem teuer macht. Zuweilen empfinde ich diese Diskrepanz als unerträglich. Dies ist  besonders dann der Fall, wenn sichtbar wird, dass man die Archäologie doch „toll“ und „spannend“ findet, wenn es aber darum geht, dass unsere spezialisierte und vom Staat vorgeschriebene Arbeit anständig bezahlt werden muss, wir als professionelle Archäologen eben von unserer Arbeit leben müssen, erntet man Unverständnis, bisweilen auch harsche Kritik.

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“…was es den Steuerzahler kostet, dass sich hier ein paar Archäologen austoben dürfen” - Kommentare unter einem Artikel über Grabungen in der Würzurger Altstadt vom 22. Juli 2015 in der Würzburger “Main-Post”

Nun ist Denkmalrecht ist Ländersache. In Bayern wird die praktische archäologische Arbeit, also das Ausgraben und Dokumentieren, die Versorgung der Funde, also das Waschen, Trocknen und das professionelle Verpacken sowie weitere Dienstleistungen rund um die praktische archäologische Arbeit von Grabungsfirmen übernommen, die nach den “Vorgaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zur Grabungsdokumentation” arbeiten – zur finanziellen Last der Bauherrn, respektive der Auftraggeber und Investoren. Ein Blick in diese Richtlinien lohnt auch für den interessierten Laien allemal.

In der Bodendenkmalpflege wird in Bayern, wie in anderen Bundesländern auch, das sogenannte Verursacherprinzip (auch Veranlasserprinzip) angewandt. Es bezeichnet die Kostentragungspflicht für bodendenkmalpflegerische Maßnahmen und legt die Kosten für eine vorangehende oder begleitende archäologische Maßnahme demjenigen auf, der, bedingt durch die Baumaßnahme, im Eigeninteresse archäologische Quellen zerstört. Mit der Unterzeichnung des Europäischen Übereinkommens zum Schutz des archäologischen Erbes verpflichtete sich auch Deutschland, das Verursacherprinzip zur besseren Finanzierung der Bodendenkmalpflege anzuwenden. Anders als etwa in Nordrhein-Westfalen nennt das Bayerische Denkmalschutzgesetz das Verursacherprinzip nicht im Gesetzestext.
Die Grabungsfirmen und selbstständigen Archäologen arbeiten also im Spannungsfeld zwischen dem gesetzlich geregelten Auftrag zum Denkmalschutz und zur Denkmapflege und dem ökonomisch orientierten Interesse des Bauherrn/Investors.

Und hier liegt eines von gleich mehreren Grundproblemen:
Es liegt im Interesse des Bauherrn, dass die archäologische Maßnahme

1.    so billig wie möglich
und
2.    so schnell wie möglich

durchgeführt wird. Er hat kein, zumindest kein primäres Interesse an einer besonderen Qualität der Dokumentation und dem wissenschaftlich-hitorischem Inhalt der Ausgrabung. Durch Richtlinien zur Grabungsdokumentation versucht die Denkmalschutzbehörde zumindest die notwendige Qualitätssicherung herbeizuführen. Doch steht hierbei mitunter die formale, nicht unbedingt inhaltliche Qualität im Vordergrund der Kontrollmechanismen.

Ökonomische Gesichtspunkte stehen bei der Untersuchung wie im Baugewerbe üblich also im Fokus der Auftragsvergabe. Die besondere Crux hierbei ist aber: Wir verkaufen Auftraggebern eine Dienstleistung, die sie eigentlich gar nicht haben wollen, und deren Notwendigkeit sie oftmals nicht einmal ansatzweise nachvollziehen können. Sie werden gewissermaßen rechtlich dazu gezwungen, fühlen sich kompromittiert und finanziell drangsaliert. Es fehlt oftmals an der nötigen historischen Sensibilität, die Bauherren nur selten aufbringen möchten oder können. Und in Abwägung finanzieller Belastungen dürften sogar diejenigen unter den Bauherren missstimmig werden, die historische Einblicke in den Boden als durchaus interessant betrachten - es darf aber eben nur nichts (oder nicht viel) kosten…

Demnach dürfte es kaum andere Dienstleistungsbereiche geben, in denen ein derartiges Paradoxum so sichtbar wird, wie bei Grabungsfirmen und bei der von ihnen angebotenen praktischen archäologischen Tätigkeit.
Neben der Problematik eines verlorengehenden kritischen Umgangs mit historischen (i.e. archäologischen)  Quellen, führt dieses Dilemma auch zu einem anderen problematischen Themenkompex der marktwirtschaftlich geprägten Archäologie: Zur sozialen Veranwortung der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer.

Fast alle Firmeninhaber von Ausgrabungsfirmen in Bayern sind ausgebildete Archäologen – nur ganz wenige von ihnen haben Betriebswirtschaftslehre studiert oder auch nur eine betriebswirtschaftliche Lehre absolviert. Man geht wohl nicht fehl, die in die Selbständigkeit „gezwungenen“ Archäologen als betriebswirtschaftliche Autodidakten zu bezeichnen, die sich ggf. nach eigenem Interesse betriebswirtschaftlich gebildet und fortgebildet haben. Der immense Konkurrenzdruck unter den mittlerweile über 30 in Bayern arbeitenden Grabungsfirmen verbunden mit der eingangs beschriebenen Problematik „ungewollter Dienstleistung“ hat zu einem drastischen Preisverlust im Bereich der privatwirtschaftlichen Archäologie geführt, den insbesondere die Angestellten und freien Mitarbeiter der Grabungsfirmen zu spüren bekommen, weniger die Firmeninhaber selbst. Dies gilt für Grabungshelfer ebenso wie für die zahlreichen beschäftigen studierten Archäologen. Gewerkschaftliche Anbindung der Wirtschaftssparte „Archäologie“ gibt es nicht, demnach gibt es auch weder gewerkschaftlichen Schutz, noch verbindliche tarifgebundene Löhne. Auch eine einheitliche Tarifordnung, die durchaus machbar und im Sinne der Grabungsfirmen wäre, ist nicht existent, weil jeder das Damoklesschwert fehlender Aufträge im Nacken spürt und daher möglichst billige Preise anbietet. Die praktische archäologische Arbeit ist dabei oftmals geprägt von schlechten Arbeitsbedigungen, schwerer physischer Belastung. Bis zu 11 Stunden auf der Ausgrabung in sengender Sommerhitze, bei Regen, Schnee und Frost, ständiger Zeitdruck, schwere körperliche Belastungen, stundenlang auf Knien rutschend oder hockend in unnatürlichen Körperhaltungen sind nur einige Belastungen, denen man auf Ausgrabungen täglich ausgesetzt ist. Ein Job, den in der Regel ohnehin nur jüngere Menschen auf Dauer leisten können. Dementsprechend viele studentische Mitarbeiter werden beschäftigt - jung, motiviert, idealisiert und eben günstig. Denn Grabungsfirmen müssen billig und schnell sein, damit sie Aufträge bekommen…. Das bedeutet in der Pracis aber auch Stundenlöhne im Bereich des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns, für extrem harte körperliche Arbeit. Studierte Archäologen mit Magisterabschluss werden für Stundenlöhne von Putzkräften beschäftigt. Zum Teil erhalten gut ausgebildete osteuropäische Kollegen, Studenten und Grabungsarbeiter lediglich den Mindestlohn für 8,50 €. Montagsgehälter von knapp über der Armutsgrenze sind keine Seltenheit. Wissenschaftliche Grabungsleiter werden bei einigen Grabungsfirmen mit weniger abgerechnet als ein Fliesenleger.

Wenn wir als archäologische Arbeitgeber es nicht schaffen, dieser ebenso unsozialen, wie auf Dauer unwirtschaftlichen Entwicklung entgegenzuwirken und zu verstehen, dass faire Löhne und Preise und Wertschätzung gegenüber unserer eigenen Arbeit und unseren Mitarbeitern der wesentliche Bestandteil unseres Selbstverständnisses und ökonomischen Überlebens sind, wird die privatwirtschaftliche Archäologie keine Zukunft haben. Der privatwirtschaftlich organisierten praktischen Archäologie muss die Wertschätzung entgegengebracht werden, die ihrer gesellschaftlichen Aufgabe entspricht, nämlich zu helfen, unwiederbringlich verlorengehendes, kulturelles, historisches Erbe zu sichern, zu dokumentiern und weiterzugeben. Fangen wir also bei uns damit an, etwas zu verändern und hinterfragen wir unsere soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern ebenso, wie die eigene Wertschätzung unserer Arbeit gegenüber.

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Eine vorklosterzeitliche Befestigungsmauer am Westhang der Klosterburg Kastl?

Tuesday, 14. July 2015 22:05

Bei unseren archäologischen Maßnahmen im Zuge der Sanierung der Mauern am Westhang der Klosterburg in Kastl (Lkr. Amberg-Sulzbach) gelang es überraschend, einen Mauerabschnitt zu untersuchen, der möglicherweise zu einer steinernen Befestigung gehört, die deutlich vor die Zeit der Gründung des Benediktinerklosters um 1098 gehört.

Die ursprünglich unmittelbar am steilen Felsabfall etwa in Süd-Nord-Richtung errichtete Mauer hatte an der untersuchten Stelle eine Stärke von etwa mehr als 1,10 m. Zwar erscheint dies für eine Befestigung auf den ersten Blick sehr gering, doch zeigen vergleichbare Befestigungsen auf früh- und hochmittelalterlichen Burgen, dass Befestigungsabschnitte an topographisch gut geschützten und weniger stark gefährdeten Abschnitten durchaus solche geringe Mauerstärken aufweisen können. Eine solche topographische Situtation ist in Kastl am extrem steilen Hangbereich am Westende des Terrassensporns gegeben.
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Auffallend ist die Bauweise der Kastler Mauer mit sehr großen Dolomitlesesteinbrocken, die zum Teil mit Lesesteinen gegeneinander verkeilt wurden und einem relativ großteiligem Mauerfüllungsmaterial, ebenfalls aus Lesesteinen. Diese Bauweise und die Zusmammensetzung des Mörtels, der extrem kalkhaltig und hart war, unterscheidet sich deutlich von den weiter südlich festgestellten Befestigungsabschnitten des 12. Jahrhunderts. Gute Parallelen in der Bautechnik dieser putativ ältesten Mauer in Kastl finden sich in den karolingischen und frühottonischen Befesitgungsmauern der benachbarten Herrschaftszentren in Oberammerthal und Sulzbach. Aufgrund der herrschaftsgeschichtlichen Situation steht zu vermuten, dass die Bauherren der Befestigungen des 8./9. und 10. Jahrhunderts in Sulzbach und Ammerthal mit denen einer putativ frühmittelalterlichen Burg in Kastl (castellum (sic!) ) identisch waren.

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Zwar konnte im Zuge der Baumaßnahmen nur der oberste Bereich des Mauerabschnitts freigelegt und untersucht werden, doch ließen sich auch hier im Setzmörtel Holzkohlen bergen, die mittlerweile, ebenso wie Holzkohlen aus den hochmittelalterlichen Mauerabschnitten, an Beta-Analytic nach Miami/USA zu 14C-Datierung versandt wurden. Wir sind gespannt, was diese 14C-Untersuchungen für Ergebnisse liefern werden. Natürlich halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.

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Eisenverarbeitung des 13. Jahrhunderts im Ortskern von Lintach

Monday, 13. July 2015 19:18

Der Neubau des Kriegerdenkmals und die damit verbundene Neugestaltung des Vorplatzes am Pfarrhaus in Lintach, Gemeinde Freudenberg, Landkreis Amberg-Sulzbach, wurde von uns archäologisch begleitet. Obwohl die kleine Hoffläche nahezu vollständig modern gestört war, konnten im nördlichen Randbereich des Areals eindeutige Befunde hochmittelalterlicher Eisenverarbeitung dokumentiert werden.

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Neben mehreren Gruben mit Holzkohleresten, Schlacken und Eisenerzbrocken lagen im Norden des Hofes auch Reste eine Lehmkuppelofens, der ursprünglich offenbar für metallurgische Tätigkeiten genutzt wurde. Seine genaue Funktion ist bislang noch unklar. Immerhin ist sicher, dass es sich nicht um einen Verhüttungsofen, sondern um einen Ofen zur Weiterverarbeitung von Eisen oder eisenhaltigen Metallen gehandelt haben dürfte. Der länglich-ovale Ofen besaß ursprünglich ein mit Lehm verstrichenen Aufbau, der wahrscheinlich kuppelförmig angelegt war. Die Ofenkuppel war aus einem Gerüst aus zahlreichen, unten angespitzten Holzstaken errichtet worden, die im Außenbereich des Ofens durch zahlreichen Stakenlöcher nachweisbar waren. In einigen dieser Stakenstandspuren hatten sich Holzreste erhalten. Durch die Hitze der ersten Ofenreise verziegelte der Lehm der Ofenkuppel zu einer harten, ziegelartigen Masse, die Holzstaken zur Stabilisierung der Ofenkonstruktion hatten ihre stützende Funktion verloren und waren somit obsolet.

Was genau die Handwerker in diesem Ofen herstellten oder welche Arbeitsschritte hier vollzogen wurden, lässt sich derzeit noch nicht genau sagen. Die Keramikfunde deuten an, dass die Werkstatt um die Mitte des 13. Jahrhunderts arbeitete. Aus den Holzresten der Gerüststaken und Holzkohlen aus den Befunden sollen 14C-Daten weitere Anhaltspunkte zur Datierung der Werkstatt nördlich der Lintacher Kirche liefern. Im Dorfkern von Lintach arbeiteten also im 13. Jahrhundert Metallhandwerker, die offenbar auch das hier anstehende Brauneisenerz für ihre Zwecke nutzten.

Die Maßnahme belegt einmal mehr, dass auch kleine Restflächen innerhalb von Ortskernen spannende und interessante Spuren mittelalterlicher Nutzungsstrukturen und handwerklicher Tätigkeiten liefern können. Dorfarchäologie ist sicher eines der wichtigsten Desiderate mittelalterlicher Siedlungsforschung in der Oberpfalz.
Für die reibungslose und kollegiale Zusammenarbeit danken wir dem Amt für ländliche Entwicklung Oberpfalz (Weiden), sowie der Baufirma Staufer (Rieden an der Vils).

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