Sunday, 6. September 2009 21:13
Für das Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg informiert Sie die Schauhütte:

Die Apotheke als “Ort des Genusses”??!!
Die Apotheke verbindet wohl im ersten Augenblick kaum jemand mit Genuss,
eher denken die meisten dabei an die sprichwörtlich “bittere Pille”. Dass
die Apotheke aber durchaus auch Genussvolles zu bieten hat, zeigt die Aktion “Lecker und gesund — Tees aus der Apotheke” am Tag des offenen Denkmals am 13. September 2009 im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg (14-17 Uhr Vorführung und Mitmachaktion) . Die Besucher können leckere Kräuter- und Früchtetees selbst mischen und probieren oder mit nach Hause nehmen. Apothekerin Barbara Maisch von der Apotheke in der Fröschau zeigt wie es geht und erzählt, wie die Kräuter gewonnen und verarbeitet werden.
Der Teeaufguss zählt zu den ältesten flüssigen Heilmitteln. Er enthält wasserlösliche Inhaltsstoffe von Pflanzen. Im Beruf des Kräuter- und Gewürzhändler des Mittelalters liegt wohl auch der Ursprung des
Apothekerwesens. Neben wohlschmeckenden und aromatischen Früchtetees gibt es oft weniger geschmackvolle Kräutertees, die allerdings mit Honig oder Zucker “versüßt” werden können.
Auch in vielen anderen Medikamenten schmecken die Wirkstoffe oft unangenehm. Um dem Patienten die Einnahme zu erleichtern, waren die Apotheker sehr einfallsreich. Den Arzneien wurden beispielsweise Honig, Zucker oder Sirup zum Überdecken des oft bitteren Geschmacks - aber auch zum Konservieren - beigegeben. Die äußere Form war oft kaum von kleinen Naschwerken zu unterscheiden. So dienten die heute nur noch als Backformen bekannten „Springerle“ ursprünglich zur Herstellung von Arzneimitteln. Besonders köstliche Rezepte für Confect (lat. conficere: anfertigen) - sei es als Süßigkeit oder Arzneimittel - kamen mit den Kreuzzügen nach Europa.
Neben Arzneimitteln konnte man daher in der Apotheke schon immer fachfremde Produkte erwerben, sei es weil sich ihr Verkauf und die Herstellung eben durch den Apothekenbetrieb anboten, und auch weil sie eine weitere finanzielle Einnahmequelle boten. So waren Zucker und Alkohol wichtige Grundstoffe für die Arzneimittelherstellung, dienten aber auch der Herstellung von süßem Nachwerk. Für Wein und andere alkoholische Getränke besaßen die Apotheken oft Privilegien und auch heute noch kann Branntwein zum medizinisch-pharmazeutischen Sonderpreis bezogen werden. Weitere Genussmittel waren Kakao, Kaffee, Tee oder Gewürze. Im 19. und 20. Jahrhundert wandelte sich das Sortiment zugunsten chemischer, hygienischer und kosmetischer Artikel, aber der Tee in all seiner Sorten- und Geschmacksvielfalt ist auch heute noch ein unverzichtbarer Bestandteil jeder Apotheke. Bei der Aktion im Stadtmuseum stehen natürlich die leckeren Teesorten im Mittelpunkt - gerade rechtzeitig zum Beginn der herbstlichen “Teesaison”.
Das Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg freut sich auf Ihren Besuch!
Verantwortlich für diesen Inhalt ist Edith Zimmermann M.A., Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg.