Thursday, 10. June 2010 22:28
Eines unserer nächsten Ziele wird die kleine Insel Papa Stour sein, die neben der Insel Foula einen der westlichsten Punkte der Shetland-Inseln bildet. Am Mittwoch haben wir die Insel erstmals besucht, um die Messpunkte mit Hilfe eines GPS Gerätes und der Shetlandischen Archäologin Val Turner für die nun folgende geomagnetische Prospektion auszustecken. Hier befand sich im Mittelalter ein Hof des norwegischen Königs. Auf Papa Stour wurde im Jahr 1299 das älteste bekannte schriftliche Dokument der Shetland-Inseln ausgestellt, in dem eine Herzog Haakan Magnusson betreffende Rechtsstreitigkeit auf Papa Stour verhandelt wird.

Von 1977 bis 1990 fanden auf Papa Stour archäologische Grabungen statt, die u.a. eines mehrphasige, wohl königliche Hofstelle des 13. bis 16. Jahrhunderts erforschten. Die Ergebnisse der Grabungen wurden 1999 von Barbara E. Crawford und Beverly Ballin Smith veröffentlicht.


2007 wurde am Ort der Ausgrabungen eine archäologische Informationsstätte mit Teilrekonstruktion der Hausbefunde des 13./14. Jahrhunderts eröffnet. Im Zentrum steht die sog. Stofa (”Stube”), ein gut 5 x 6 m großes, aufwändig errichtetes und beheizbares sowie mit einer Latrine ausgestattes Gebäude des 13. Jahrhunderts. Besonders interessant ist eine für derartgie gehobene Bauten im norwegischen Einflussbereich chrakteristische “Mischbauweise” aus Block- und Steinbau. Die Teilrekonstruktion wurde, wie im Mittelalter, mit Bauholz aus Norwegen errichtet, das in traditioneller Bautechnik bearbeitet wurde. Daneben erlaubt der Rundgang einen Blick auf die bei der Grabung erfassten weiteren Bauten im unmittelbaren Umfeld der Stofa. Die Vermittlung der archäologischen Ergebnisse erfolgt zudem über übersichtliche Schautafeln.


Papa Stour besaß außerdem eine Ting-Versammlungsstätte an der Hamna Voe (”Hafenbucht”) genannten Bucht, die in den nächsten Tagen im Fokus unserer geomagnetischen Messungen stehen wird. Joris Coolen und ich werden am Samstag mit einer kleinen Fähre übersetzen, um auf dem nur wenige Einwohner zählenden Eiland zu arbeiten. In der nächsten Woche werden wir dann durch Natascha Mehler, Frode Iversen und Alexandra Sanmark unterstützt.

Für Shetland-Reisende ist ein Besuch dieser kleinen Insel sehr empfehlenswert. Die Fähre pendelt jedoch nicht jeden Tag, Vorinformationen sind am besten telefonsich beim Fährterminal zuerfragen. Eine Überfahrt muss zuvor gebucht werden, denn es passen nur wenige Fahrzeuge und Passagiere auf die Fähre.