Tuesday, 3. August 2010 23:11
Bitte klicken Sie hier: ermhof_faltblatt_l5.pdf
Nach der Bewilligung von Geldern durch die Leader-Förderung der Europäischen Union über die Zukunftsagentur Plus, sowie zahlreicher weiterer Geldgeber, darunter dem Landkreis Amberg-Sulzbach, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Bayerischen Landesstiftung, werden in Kürze die Bauarbeiten für die Dokumentations- und Informationsstätte St. Martin in Ermhof beginnen. Erste Vorarbeiten zum Beginn der Baumaßnahmen werden durch den Verein der Freunde von St. Martin in Ermhof übernommen.

Wir freuen uns über die Umsetzung, dieses wichtigen Projekts zur Kultur-, Herrschafts- und Siedlungsgeschichte in der mittleren Oberpfalz, das wir wissenschaftlich und konzeptionell betreuen:

Den neuen Flyer zum Projekt erhalten Sie beim
Förderverein Freunde von St. Martin in Ermhof e.v.
Bergstraße 17
92259 Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg, Tel.: 09993/645
Die verlorene Kirche St. Martin in Ermhof — eine Gründung der Karolingerzeit
Mit dem Abbruch der ehemaligen Martinskirche von Ermhof 1979 verschwand eine der ältesten Kirchen in der Oberpfalz. Im Jahr 1306 erstmals urkundlich erwähnt, belegt ein im Vatikan ausgestellter Ablassbrief von 1457 die außergewöhnliche Stellung des Gotteshauses in der spätmittelalterlichen Kirchenlandschaft der Region. Vom 15. bis in das späte 18. Jahrhundert war St. Martin in Ermhof zudem eine der wichtigsten Wallfahrtskirchen in der mittleren Oberpfalz. 2006 bis 2008 wurde die frühe Geschichte der Kirche archäologisch erforscht. Die Grabungen erbrachten den Nachweis einer Kirchengründung im ausgehenden 8./frühen 9. Jahrhundert. Damit gehört die Ermhofer Martinskirche zu den ältesten bekannten Kirchen der Oberpfalz nördlich der Donau.
·   Der Blick in die Vergangenheit…
Im Mittelpunkt der Ausgrabungen stand die Frage nach dem Alter der Martinkirche und des zugehörigen Friedhofs. Es spricht vieles dafür, dass der fränkische König Karl der Große in der Zeit um 800 an der Gründung der Kirche beteiligt war. Die Landschaft wurde damals von der karolingischen Königsmacht strukturiert, mit dem Burgzentrum Sulzbach und dem Königshof Karls des Großen in Lauterhofen als administrative Mittelpunkte. Ermhof wurde dabei wahrscheinlich als Haupthof (Fronhof) einer königlichen oder gräflichen Grundherrschaft ausgebaut. Die älteste Kirche war ein Holzbau in Pfostenbauweise. Schon im 9. Jahrhundert brach man die Holzkirche ab und begann mit dem Bau einer steinernen Saalkirche mit Apsis. Steinkirchen auf dem Land müssen zu dieser Zeit als große Besonderheit gelten. Im 11. Jahrhundert brach man die Apis ab und die Kirche erhielt einen Rechteckchor, der bis 1979 erhalten war. Vielleicht stand dieser Umbau in Zusammenhang mit überlieferten Altarweihen, die der Eichstätter Bischof Gundekar II. um 1060 in der Region vornahm. Zahlreiche interessante Grabfunde auf dem an die Kirche anschließenden Friedhof, ermöglichten den Archäologen ungewöhnliche Einblicke in Lebens und Sterben der Menschen in und um Ermhof vom späten 8. bis in das 12. Jahrhundert.
·   … und in die Zukunft…
Als eine der ältesten Kirchengründungen in der heutigen Oberpfalz und im angrenzenden Mittelfranken stellt die verschwundene Kirche St. Martin in Ermhof ein überregional bedeutendes Bodendenkmal dar. Denkmäler müssen immer aus ihrem Kontext heraus verstanden werden. In ihrer Bedeutung für die Geschichte des Raums vom 8. bis zum 12. Jahrhundert steht die frühmittelalterliche Kirchengründung St. Martin daher gleichrangig neben berühmten Klöstern, Schlösser und Burgen der Oberpfalz. Um Bedeutung und Geschichte der St. Martinskirche kommenden Generationen zu überliefern, soll an deren ehemaligem Standort eine für die Oberpfalz einmalige historische Informationsstätte entstehen. Durch eine Präsentation der Ausgrabungsergebnisse, der wechselvollen Vergangenheit der Kirche und deren siedlungsgeschichtlicher Einbettung, wird das Projekt einen einzigartigen Beitrag zum Geschichtsverständnis und zur Vermittlung historischer Identität leisten.
·   …eine Informationsstätte für St. Martin in Ermhof
Die Historische Dokumentations- und Informationsstätte St. Martin in Ermhof bei Neukirchen gestaltet Geschichte hautnah, lebendig und informativ. Ein begehbarer Steg ermöglicht dem Besucher einen ungehinderten Blick auf die archäologisch ergrabenen Bauphasen der Kirche. Modern gestaltete Informationstafeln geben wissenschaftlich fundierte und dennoch leicht verständliche und grafisch ansprechend aufbereitete Erklärungen. Durch sogenannte Audiostelen werden Inhalte in deutscher, englischer und tschechischer Sprache akustisch erzählend vermittelt und spannend aufbereitet. Der Besucher erhält also visuelle und akustische Informationen — Texte werden in Schrift- und Hörform präsentiert. Zahlreiche interessante Bilder, Pläne und Karten bereichern den Informationsgehalt, in dessen Zentrum die beeindruckenden archäologischen Reste verschiedener Bauphase der Kirche stehen. Tribünenartige Terrassierungen laden zum Rasten, Verweilen, Nachdenken und zum Entspannen in reizvoller landschaftlicher Umgebung ein.
Die Historische Dokumentations- und Informationsstätte St. Martin in Ermhof wird eine der herausragenden touristischen Sehenswürdigkeiten des Raums Hersbruck-Sulzbach-Rosenberg. Unterstützen Sie dieses wichtige Projekt zur Kultur-, Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte der mittleren Frankenalb mit einer Spende! Helfen Sie mit, die Historische Dokumentations- und Informationsstätte St. Martin in Ermhof zu verwirklichen!

Literaturhinweis: Mathias Hensch, Die vergessene Kirche St. Martin in Ermhof - Archäologische Forschungen zur frühen Kirchengeschichte der mittleren Oberpfalz. Ein Überblick über die Grabungsergebnisse der Jahre 2006 und 2007. In: Der Eisengau 31, 2008, 6-31.