Beiträge vom September, 2010

Archäologische Voruntersuchungen im ehemaligen Birgittenkloster Gnadenberg

Monday, 13. September 2010 19:44

imgp2430klein.jpgSeit gut einer Woche führen wir in Abstimmung mit dem Architekturbüro Conn & Giersch (Fürth) sowie Dr. Tilmann Kohnert und Robert Endres vom Büro für Bauforschung in Bamberg erste archäologische Voruntersuchungen im ehemaligen Birgittenkloster Gandenberg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz durch. Ziel ist es zum einen, statischen Fragen und Problemen des stehenden Baus nachzugehen, zum anderen Fragen der Bauforscher auf archäologischem Weg eine Antwort zu ermöglichen.

Das Kloster wurde 1426 durch Pfalzgraf Johann von Neumarkt (reg. 1410-1443) gestiftet, dessen Ehefrau Katharina von Pommern (gest. 1428) zur Zeit der Kalmarer Union eng mit dem dänischen Königshaus (damals zugehörig Norwegen und Schweden) verbunden war. Die Gründung stand in direkter Verbindung zum schwedischen Mutterkloster in Vadstena, wo die Ordensgründerin seit 1391 als Heilige verehrt wurde, und dessen Tochterklöstern S. Maria in Paradiso bei Florenz und Maribo auf Lolland in Dänemark. Der vormals Eichelberg genannte Ort der Stiftung wurde mit der Gründung in Gnadenberg (Mons Gratiae) umbenannt.

Die Einführung der Reformation in Nürnberg führte bereits rund 100 Jahre nach der Stfitung zu erheblichen wirtschalftichen Problemen für den Konvent und zur Verarmung des Klosters. Unter ?btissin Ursula von Seckendorff (reg. 1528-1533) löste sich der Priesterkonvent auf, bevor kurz nach 1570 das klösterliche Leben in Gnadenberg erlosch. 1632 wurde das ehemalige Kloster mit der beeindruckenden gotischen Klosterkirche von schwedischen Truppen gebrandschatzt. An nahezu allen Teilen des erhaltenen Baubestands des 15. und 16. Jahrhunderts ist die Brandzerstörung noch heute eindrucksvoll ablesbar. Auch die Reste der einstmals monumentalen Klosterkirche mit Maßen von gut 80 x 35 m beeindrucken selbst im ruinösen Zustand bis in unsere Tage.

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Unser derzeitiger Untersuchungsbereich befindet sich im (wohl) ehemaligen Nonnenrefektorium, das zu großen Teilen dem 15. und frühen 16. Jahrhundert angehören dürfte, jedoch das Ergebnis von mehreren Bauphasen ist. Schon nach der ersten Grabungswoche deutet sich eine interessante bauarchäologische Situation an, die eine komplexere Baugeschichte überliefern kann, als bislang angenommen. Wir werden Sie auch www.schauhuette.de über die Ergebnisse informieren.

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Thema: Grabungsprojekte | Kommentare (0)