Wednesday, 7. September 2011 21:12
Nabburg galt schon aufgrund ihrer Erstnennung im Jahre 929 als Aufenthaltsort des Königs Heinrich I. auf seinem Kriegszug gegen Böhmen, als einer der ältesten Orte in der Oberpfalz. Der Zentralort hoch auf dem Bergrücken oberhalb der Naab gelegen, war eine wichtige Drehscheibe des Fernverkehrs von West nach Ost und Nord nach Süd.

In Nabburg konnten wir in den letzten Jahren durch mehrere Grabungen wichtige neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte erzielen. Hierzu gehören u.a. dei Entdeckung von Siedlungsspuren und Friedhöfen, die bis ins 8. Jahrhundert zurückgehen. Als „Gradmesser“ für die Bedeutung dieses Ortes ist jedoch die frühe Befestigung zu sehen.
Beim Neubau des Kindergartens stießen wir auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche gleich auf mehrere Befestigungsreste, deren älteste Phasen möglicherweise bis ins 8./frühe 9. Jahrhundert zurückgehen. Zunächst wurde die Siedlung wahrscheinlich mit einer Holzpalisade umwehrt, die dann an gleicher Stelle durch eine massive Trockenmauer mit Hinterschüttung ersetzt wurde.

Schließlich errichtete man später eine gemörtelte Steinmauer, die an dieser Stelle in ihrer ältesten Bauphase wohl ins 10. Jahrhundert zu datieren ist und im 14. Jahrhundert einmal grundlegend repariert wurde.
Im Zusammenhang mit den bislang archäologischen untersuchten Mauerabschnitten deutet sich an, dass fast das gesamte heutige Altstadtareal schon vor 1000 Jahren mit einer gemörtelten bis 2 m starken Steinmauer umgeben war. Damit gehörte Nabburg damals neben Regensburg zu den größten befestigten Plätzen der Oberpfalz. Da die Befestigung bis in die frühe Karolingerzeit zurückgeht, dürfte Nabburg neben Sulzbach das älteste Herrschaftszentrum nördlich der Donau gewesen sein, ein Ort von zentraler Bedeutung für die administrative Organisation des östlichen Nordgaus.