Beiträge vom June, 2012

Eröffnung der Historischen Informations- und Dokumentationsstätte am Tag des offenen Denkmals 2012

Sunday, 17. June 2012 14:58

Am Sonntag, den 9. September, auf den Tag fast genau 33 Jahre nach dem Abbruch der Martinskirche in Ermhof, findet im Rahmen des bundesweiten Tag des offenen Denkmals die feierliche Einweihung der Historischen Informations- und Dokumentationsstätte St. Martin in Ermhof statt.

Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen mit uns zu feiern. Die Veranstaltung beginnt mit einem ökomenischen Gottesdienst um 13.30 Uhr, in dem u.a. auch mittelalterliche geistliche Musik von professionellen Musikern auf Originalinstrumenten zu hören sein wird. Anschließend wird bis in den Abend gefeiert - für das leibliche Wohl ist gesorgt… Die Infostätte kann dann jederzeit ausgiebig besichtigt werden…
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Neue Befunde zu “Sankt Johans Freidhof” in Nabburg

Friday, 8. June 2012 18:39

Bevor wir unsere Untersuchungen im Randbereich des mittelalterlichen Friedhofs von Nabburg wegen des Schwarzenburg-Projekts für einige Zeit unterbrechen, möchten wir Ihnen an dieser Stelle ein paar ungewöhnliche Grabfunde kurz vorstellen. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die von der Baumaßnahme betroffene Fläche eine äußerst dichte Belegung mit mittelalterlichen Gräbern aufweist. Die jüngsten Gräber gehören wohl in das 15. Jahrhundert, wie weit der Friedhof an dieser Stelle zurückreicht, lässt sich momentan noch nicht sicher sagen.

Interessante Einblicke ergeben sich aber bereits in den mittelalterlichen Grabritus. So scheinen alle Toten ohne Sarg oder Totenbrett in einfachen, auffallend schmalen Erdgräbern beigesetzt worden zu sein. Alle Gräber sind entsprechend der mittelalterlichen Vorschriften beigabenlos. Die Gräber des 15. Jahrhunderts zeichnen sich durch die häufige Verwendung von Totenhemden mit bronzenen Häckchen aus. Ebenso geben sich die jüngsten Gräber durch die Armhaltung der Toten zu erkennen, bei der in der Regel die Unterarme über dem Oberkörper verschränkt oder stark angewinkelt wurden. Dagegen liegen die putativ hochmittelalterlichen Toten mit parallel zum Körper eng anliegenden Armen im Grab.

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Neben der im christlichen Mittelalter allgemein überlichen West-Ost-Orientierung der Gräber, fallen Gräber mit Nord-Süd-, Süd-Nord-Orientierung sowie bislang eine Bestattung in Ost-West-Richtung aus dem Rahmen. Im letztgenannten Grab liegt ein Kleinkind in West-Ost-Richtung, über das gleichzeitig eine Frau in Ost-West-Richtung gelegt wurde. Die Unterschenkel und Füße der Toten ruhen dabei direkt auf dem Körper des Kindes. Die Motivation zu dieser Grablege bleibt vorerst unklar - handelt es sich hier um Mutter und Kind?

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In einem weiteren Grab wurden im 15. Jahrhundert zur gleichen Zeit vier unterschiedlich alte Kinder bestattet - spiegelt sich in diesem Befund eine Familientragödie im Nabburg des späten Mittelalters wider, bei der vier Geschwister an einer Infektionskrankheit starben?

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In weiteren Gräbern wurde ein Kleinkind auf dem Bauch liegend einem erwachsenen Mann mit ins Grab gelegt, ein Säugling einer auf der Seite liegenden, in eine extrem enge Grabgrube hineingequetschten Greisin zwischen die Beine gelegt.
Eine schmale Grabgrube erbrachte ferner die direkt aufeinander liegenden Skelette zweier jüngerer Frauen und eines Mannes, die zu Lebzeiten wahrscheinlich eine familiäre oder persönliche Beziehung zueinander hatten.

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Wir sind gespannt auf die weiteren Grablegen, die uns hoch spannende Einblicke in die Begräbniskultur und Mentalitäsgeschichte der Menschen im mittelalterlichen Nabburg ermöglichen werden. Besuchen Sie uns auf der Grabung und stellen Sie uns Fragen - wir beantworten sie gerne.

(c) alle Fotos. M. Hensch, Schauhütte-Archäologie

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Der mittelalterliche Friedhof von Nabburg - erste Einblicke in eine längst vergangene Grabkultur

Sunday, 3. June 2012 10:38

Nun ist es “amtlich” - wir sind mit unseren laufenden Grabungen südlich der Marienkirche und westlich der Johanneskirche von Nabburg im westlichen Randbereich des mittelalterlichen Friedhofs gelandet. Dabei zeichnet sich bereits ab, dass die älteren Gräber deutlich vor das Spätmittelalter zurückreichen. Wie wiet genau, werden wir versuchen anhand von Radiokarbondatierungen zu klären.

Ferner lässt sich im Westen eine sehr alte rechtliche Grundstücksgrenze erkennen, an der sich in deutlicher Reihung bereits die bislang ältesten Gräber exakt orientieren. Dies spricht außerdem für eine genaue Kennzeichnung der Gräber in Größe und Lage an der Oberfläche. Hierfür spricht auch eine Dreifachbestattung im Westen des Areals, bei der nacheinander drei Individuen übereinander begraben wurden, ohne die ursprünglichen Grabgrenzen der auffallend schmalen Grabgrube zu überschreiten. Bislang scheinen alle Gräber ohne Sarg als einfache Erdgräber angelegt worden zu sein, in denen die Toten in Totenhemden oder Tüchern begraben wurden. Wir bekommen hier einen sehr interessanten Einblick in die mittelalterliche Sepulturkultur des christlichen Nabburg.

Wir werden Sie auf www.schauhuette.de weiter informieren.

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