Beiträge vom November, 2012

Die Pfarrkirche St. Vitus in Schnaittenbach - eine Kirche mit reicher Baugeschichte

Friday, 30. November 2012 18:06

Im Zuge von Fundamentsanierungen an der katholischen Pfarrkirche St. Vitus in Schnaittenbach (Lkr. Amberg-Sulzbach) konnten wir diese Woche einige interessante baugeschichtliche Untersuchungen vornehmen. Der zuletzt im frühen 20. Jahrhundert erheblich veränderte und erweiterte Kirchenbau besitzt demnach eine komplexe und wohl auch sehr weit zurückreichende Baugeschichte. Wir konnten für den mittelalterlichen Ostteil der Kirche mindestens fünf, vielleicht sogar sechs Steinbauphasen nachweisen, deren älteste möglicherweise in früh- oder gar vorromanische Zeit zurückreichen.

imgp8736_kleine.jpg

Die ältesten Teile wurden dabei im Fundamentbereich der Nordwand dokumentiert. Die archaisch anmutende Bautechnik des Mauerwerks mit trocken in Sand gesetzter Fundamentzone und kleinteligem Lesesteinmaterial lässt es durchaus möglich erscheinen, dass diese Bauteile bis in vorsalische Zeit zurückreichen. Da sich im Setzmörtel der aufgehenden Mauerpartien Holzkohle fand, besteht Dank der Finanzierung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Möglichkeit, anhand von 14C-Analysen genauere Aussagen zum Alter dieser Mauerteile zu erhalten.

Die Südwand der stehenden Kirche stammt im Ostteil dagegen offenbar aus romanischer Zeit und zeigt eine für das 12. Jahrhundert charakteristische Mauertechnik aus kleinquaderartigen Steinen. Auch diese Einschätzung soll anhand von Holzkohleproben aus dem Setzmörtel mit Hilfe der AMS-14C-Datierung zeitlich näher eingeordnet werden.

Die Gotik ist mit zwei Bauphasen vertreten: Der Chor stammt aus einer Bauphase, die wohl “vor 1461″ zu datieren ist. In einer zweiten gotischen Bauphase wird im Süden der stehende Turm angefügt. Der Schnaittenbacher Heimatforscher Stefan Siegert konnte die Bauzeit des Turms anhand von archivalischer Überlieferung für die Zeit um 1461 wahrscheinlich machen. Aus archäologischer Sicht spricht nichts gegen eine solche Datierung.

Bemerkenswert ist, dass sie sowohl im Süden, als auch im Norden eine wohl hochmittelalterliche Steinbebauung im unmittelbaren Anschluss an die hochmittlelalterliche Kirche fassen ließ. So stand nordöstlich der romanischen Kirche offenbar ein Steingebäude, das vielleicht noch im 12./13. Jahrhundert erbaut wurde und mindestens eine grundlegende Reparaturphase aufwies. Diese Befunde könnten darauf hindeuten, dass die Kirche ursprünglich zu einem Herrensitz gehörte, zumal sie auf einer noch heute gut erkennbaren Anhöhe steht. Schnaittenbach liegt an der später auch als “Goldene Straße” bekannten, wichtigsten West-Ost-Route in den böhmischen Raum. Eine weit zurückreichende Siedlungs-, Herrschaftsgeschichte lässt sich daher mit guten Gründen annehmen. Durch eine frühe Kirchengründung könnte diese Annahme erstmals mit “harten” archäologischen Fakten gestüzt werden.

imgp8725kleine.jpg

Fotos (c) Mathias Hensch, Schauhütte-Archäologie

Literaturhinweis: Stefan Siegert, Sankt Vitus Schnaittenbach. Chronik der Pfarrei. Selbstverlag, Schnaittenbach 2011.

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (1)

Ein Fernsehbeitrag zu den aktuellen Ausgrabungen in Utzenhofen

Friday, 2. November 2012 19:17

Mit diesem Link können Sie einen Fernsehbeitrag des Senders OTV zu den Grabungen in Utzenhofen ansehen. Klicken Sie bitte hier.

imgp4330klein.jpg

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe, Schauhütte-Videothek | Kommentare (0)