Beiträge vom May, 2013

St. Leonhard in Penk - ein Schatzkästchen für die Kirchenarchäologie in der Oberpfalz

Saturday, 25. May 2013 12:19

Bereits nach den ersten zwei Wochen unserer Untersuchungen in Penk zeigt sich, welche hervorragende archäologische Substanz sich im Inneren der Kirche erhalten hat. Neben dem usrpünglichen Chorabschluss der ottonischen Kirche konnten wir den ursprünglichen Eingang in der Nordwand lokalisieren, zahlreiche Fußbodenlagen übereinander und Hinweise auf eine Vorgängerempore lassen sich bereits jetzt erkennen und belegen eine komplexe Bau- und Nutzungsgeschichte des Kirchleins.

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Im Außenbereich lag u.a. unmittelbar neben dem Eingang das Grab eines erwachsenen, großen und äußerst robust gebauten Mannes. Die Bestattung gehört mindestens in die Frühzeit der Steinkirche, wobei es momentan nicht auszuschließen ist, dass das Grab älter ist, als der ottonische Steinbau. Dann hätten wir hier erstmals einen unmittelbaren Beleg für eine Vorgängerkirche, wohl in Holzbauweise. Würde das Grab zum Steinbau gehören, so hätte man dem hier bestatteten Herrn zweifelsohne einen besonderen Grabplatz zugesprochen, denn das Betreten der Kirche war für die Kirchenbesucher nur durch ein Überschreiten des Grabes möglich. Dies kann durchaus als gewollte Memoria an den hier begrabenen Mann verstanden werden. Gehörte er vielleicht als Vorsteher (villicus/maior domus) zu einem frühmittelalterlichen Fronhof des Bischofs von Regensburg in Penk, der durch verschiedene Quellenanalysen als sehr wahrscheinlich anzunehmen ist und zu dem die Kirche als seelsorgerischer Mittelpunkt gezählt haben könnte? Eine fast identische Befundsituation wurde bei unseren Grabungen an der ehemaligen Martinskirche in Ermhof, Lkr. Amberg-Sulzbach, angetroffen. Knochenmaterial aus der Penker Bestattung befindet sich bereits auf dem Weg zu Beta-Analytic nach Miami/USA und an die Universität Erlangen, um einen genaueren Anhaltspunkt zur Datierung zu erhalten.

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Wir freuen uns über interessierte Besucher auf der Grabung und werden in den nächsten Wochen in Absprache mit Auftraggeber und BLfD auch öffentliche Führungen vor Ort anbieten.

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Archäologie in und um eine der ältesten stehenden Kirchen Ostbayerns - Untersuchungen in St. Leonhard in Penk

Wednesday, 8. May 2013 11:38

In der kommenden Woche beginnen wir von der Schauhütte-Archäologie mit archäologischen Untersuchungen in und an der Kirche St. Leonhard in Penk im Landkreis Regensburg. Die Grabungen werden durch Bodeneingriffe im Zuge der bevorstehenden Sanierung des Gebäudes notwendig.
Wie baugeschichtliche Untersuchungen durch Sigrid Engelmann (Bamberg/Münster) und durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege veranlasste 14C-Untersuchungen an Holzkohlen im Setzmörtel der Kirche ergaben, wurde die kleine Saalkirche in der Zeit um 1000 erbaut und gehört somit zu den ganz wenigen Landkirchen in Deutschland, die noch aus ottonischer Zeit stammen. Die Saalkirche erhielt im 15. Jahrhundert einen massiven Chorturm, der bis heute das proportional etwas unausgeglichene Erscheinungsbild des Sakralbaus prägt.

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Im Mittelpunkt der Grabungen werden weitere Fragen nach der Baugeschichte der Kirche, insbesondere nach dem ursprünglichen Chorabschluss und den mittelalterlichen Innenniveaus stehen. Daneben wird auch nach möglichen frühmittelalterlichen, am ehesten wohl hölzernen Vorgängerbauten zu fragen sein, die sich eventuell anhand älterer Gräber oder Pfostenspuren nachweisen ließen. Letztlich bündelt sich in den baugeschichtlich-archäologischen Problemstellungen ein ganzer Fragenkomplex, der insbesondere die herrschaftsgeschichtliche und sozialgeschichtliche Stellung der Kirche in deren Frühzeit betrifft. Handelt es sich um die Kirche eines Fronhofs als Mittelpunkt einer größeren Grundherrschaft? Inwieweit lässt sich der Eigenkirchencharakter dieser frühen Kirchengründung auch archäologisch nachvollziehen? Wann wird im Umfeld der Kirche erstmalig bestattet und welche Gemeinschaft begrub hier ggf. bereits vor dem 10. Jahrhundert ihre Toten?

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Die durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege als Fachaufsichtsbehörde ( Dr. Michael Schmidt, Dr. Christoph Steinmann) betreute Bausanierung wird durch den Regensburger Architekten Stefan Ebeling geleitet und vom Förderverein Penker Kircherl in vielerlei Hinsicht tatkräftig unterstützt. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit und auf das Objekt.

Auf www.schauhuette.de werden wir Sie über die Ergebnisse der Untersuchungen informieren.

Foto oben: user Herr Haarig unter http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kirche_au%C3%9Fen3_300×400.jpg

Foto unten: http://www.fuenf-fluesse-radweg.de/fotos/jpg/et1_00020.jpg

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Lebensbild von Altenstadt an der Waldnaab um das Jahr 1100

Thursday, 2. May 2013 13:52

Für den Heimatverein Altenstadt an der Waldnaab arbeitet Mathias Hensch derzeit gemeinsam mit dem bekannten Grafiker Roger Mayrock (Kempten) an einem Lebensbild, das Altenstadt während des 12. Jahrhunderts zeigen soll. Das großformatige Bild wird im neu entstehenden Museum Altenstadt einen wichtigen Bestandteil zur Vermittlung historischer Inhalte zur Frühzeit des zweifelsohne wichtigen Orts darstellen. Im Augenblick wird trotz aller Unwegsamkeiten anhand der in der Uraufnahme des Ortes verzeichneten Höfe und deren Fluranteile in der Ortsflur versucht, die mögliche Anzahl und Lage der Höfe im Hochmittelalter etwas näher einzugrenzen. Da archäologische Aufschlüsse aus dem Ortsbereich bislang fehlen, wird das Ergebnis zwar Modellcharakter haben, dennoch aber einen wissenschaftlich begründbaren Hintergrund bieten.

Besonders intensiv wird aber auch über die Frage hochmittelalterlicher Hauskonstruktionen nachzudenken sein, die bislang aus archäologischen Befunden in der Oberpfalz, wenn überhaupt, nur sehr schemenhaft zu erkennen sind. Dabei wird nicht auf regional weit entfernte Konstruktionen zurückgegriffen, sondern versucht, die wenigen aktuellen Befunde zum hochmittelalterlichen Hausbau aus der archäologischen Arbeit in der Oberpfalz mit den, im Vergleich zu hochmittelalterlichen Bauten weitaus besser bekannten Hausformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Nordbayern zu einem aussagekräftigen Bild zu verbinden. Hierbei kommt u.a. den Pfostenbauten vom (frühmittelalterlichen) Typ “Irlbach” und den jüngeren Innengerüstkonstruktionen des 14. Jahrhunderts vom Typ “Höfstetten” besondere Beachtung zu.

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