Beiträge vom June, 2013

Was für eine Geschichte! - Grabungen am Penker Kircherl sind vorerst abgeschlossen

Thursday, 27. June 2013 19:31

Nach rund sechs Wochen haben wir heute die Grabungen in und um die Penker Kirche St. Leonhard für dieses Jahr beendet. Schon jetzt lässt sich sagen, dass die Befunde aufregend, komplex und umfangreich sind und die Geschichte der Kirche und des Ortes in einem unerwarteten neuen Licht erscheinen lassen.

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Der steinerne Kernbau mit omegaförmiger Apsis scheint dabei deutlich älter zu sein, als die Ergebnisse der Bauforschung zunächst erkennen ließen. Obgleich endgültige Klarheit erst die wissenschaftliche Auswertung der Befunde und Funde erbringen wird, scheint der steinerne Kernbau vor das 10. Jahrhundert zurückzureichen. Ließe sich diese Einschätzung bestätigen, so würde der Saal des Kirchleins zu den ältesten erhaltenen Kirchenräumen nördlich der Alpen gehören. Völlig überraschend ist auch der Nachweis von wahrscheinlich zwei hölzernen Vorgängerbauten, die wohl in das 8., allerspätestens ins frühe 9. Jahrhundert gehören müssten. Dabei ist nur für den jüngeren Holzbau, ein Pfostenbau von Typ Herrsching, die Deutung als Kirche gesichert. Vor diesem Bau scheint jedoch bereits ein hölzernes Gebäude an dieser Stelle gestanden zu haben, das einem Feuer zum Opfer fiel. Ob es sich dabei um eine Kirche handelte, lässt sich nicht sagen. Dass jedoch ein Profanbau von einer Kirche an gleicher Stelle abgelöst wird, wäre völlig untypisch, so dass ein wie auch immer sakraler Bezug dieses ersten Holzbaus ziemlich wahrscheinlich wird.

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Die Befunde ziehen die Frage nach der Funktion des Orts Penk im Frühmittelalter nach sich. Hierzu gibt es erste Ansätze der Deutung, die sich aus einer physischen Analyse der Ortsflur und der Umgebung, den Schriftquellen und dem Toponym ergeben. Da an dieser Stelle kein Platz für eine umfangreiche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Problem geleistet werden und der abschließenden Bearbeitung nicht vorweggegriffen werden kann, soll auf die archäologisch-historische Auswertung verwiesen werden, die sicher folgen wird.

Am Tag des offenen Denkmals 2013 werden voraussichtlich Führungen durch den Grabungsleiter Mathias Hensch und das BLfD zur Baugeschichte St. Leonhards und zur Siedlungsgeschichte des Orts angeboten. Bitte beachten Sie das Programm des Tags des offenen Denkmals 2013 für den Landkreis Regensburg.

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(c) alle Fotos M. Hensch, Schauhütte-Archäologie

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Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Stettkirchen (Lkr. Amberg-Sulzbach) - Auswertung zur Publikation

Sunday, 23. June 2013 12:01

Unsere wissenschaftliche Auswertung des von den Kollegen der Firma Adilo (Parsberg) 2010 ausgegrabenen Gräberfelds neben der Wallfahrtskirche St. Maria Heimsuchung in Stettkirchen (Gmde. Hohenburg, Lkr. Amberg-Sulzbach) schreitet voran. Die Auswertung wird durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gefördert und wird unter dem Titel “Stettkirchen, Utzenhofen, Ermhof. Archäologische Forschungen zur frühen Kirchengeschichte auf der mitteleren Frankenalb” in den Materialien zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg erscheinen. Nach der Analyse der Horizontalstratigraphie und der wenigen Gräber mit datierbaren Trachtbestandteilen dürfte der Belegungsbeginn des Gräberfelds noch im 8. Jahrhundert liegen.

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Um einen genaueren Einblick in die chronologische Belegungsabfolge der weit über 200 Gräber zu erhalten, wurden jetzt ca. 20 Bestattungen für Radiokarbondatierungen ausgewählt, die dankenswerterweise ebenfalls durch den Freistaat Bayern finanziert werden. Der Bestattungsplatz ist von großer Bedeutung für unser Verständnis z siedlungs- und kirchengeschichtlicher Abläufe in der Kontaktzone zwischen fränkischen und bairischen Herrschaftsansprüchen während des 8. Jahrhunderts in diesem Teil Bayerns. Gemeinsam mit unseren archäologischen Untersuchungen in Ermhof und Utzenhofen geben sie einen weit reichenden Einblick in die Frühzeit einer für das karolingische und ottonische Königtum wichtigen Siedlungskammer an der Südostgrenze Ostfrankes zu Bayern. Wir werden Sie über die weiteren Ergebnisse der Auswertung hier unterrichten.

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(c) Fotos Firma Adilo, Parsberg (Friedrich Loré).

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