Beiträge vom August, 2013

Neue Publikation zu zentralen Räumen des Frühmittelalters in Süddeutschland - mit einem Aufsatz von Mathias Hensch

Friday, 16. August 2013 8:53

Die Tagung “Zentrale Orte und zentrale Räume des Frühmittelalters in Süddeutschland” lieferte eine Bilanz des entsprechenenden Forschungsstandes aus archäologischer, historischer und geographischer Perspektive. Der vorliegende Sammelband zeigt mit seinen 23 lokalen, regionalen und überregionalen Studien einen Querschnitt der Erforschung frühmittelalterlicher Zentren und Siedlungsstrukturen vornehmlich des bayerisch-ostfränkischen Raums und seiner Nachbarregionen. Das thematische Spektrum reicht dabei von überregional bedeutsamen Zentren der obersten Hierarchieebene wie Pfalzen und Bischofssitzen bis hin zu Zentren der ländlichen Gesellschaft wie Mühlen oder Pfarrkirchen. Der zeitliche Rahmen spannt sich von der Spätantike bis in das beginnende Hochmittelalter, wobei ein besonderer Fokus auf der karolingisch-ottonischen Epoche liegt. Leitfragen bilden Kriterien für Zentralität, methodische Probleme wie die Abgrenzung von Zentrum und Peripherie, Ursachen für strukturellen Wandel von Zentren sowie die räumliche Verteilung zentraler Funktionen innerhalb überörtlicher zentraler Räume. (Klappentext RGZM)
In seinem grundlegenden Aufsatz Zur Struktur herrschaftlicher Kernräume zwischen Regensburg und Forchheim in karolingischer, ottonischer und frühsalischer Zeit behandelt Mathias Hensch in diesem Band den nordostbayerischen Grenzraum von Ostfranken zu Bayern und der böhmischen Einflusssphäre. Dieser stand vom 8. bis zum 11. Jahrhundert immer wieder im Blickfeld karolingisch-ottonischer Politik. Schon anhand der wenigen schriftlichen Zeugnisse lassen sich nicht allein politisch-militärische Handlungsspielräume mächtiger Adelssippen im Spannungsfeld von Königtum und Adel erahnenen, sondern auch die Rolle von Zentralorten innerhalb von „Kernlandschaften“ königlicher und adliger Herrschaft erkennen. Es sind nämlich befestigte Burgorte, die offenbar entscheidende strategische Bedeutung für die Verwaltung großer Herrschaftsräume besaßen. Die schriftlichen Mitteilungen aus dieser Zeit verschweigen jedoch architektonisch-konzeptionelle, fortifikatorische und ökonomische Strukturen solcher wichtigen politischen „Schaltzentralen“ ebenso, wie deren Einbindung in die Siedlungskammern. Hier wird deutlich, welch große Rolle archäologischen und siedlungsgeschichtlichen Quellen zukommt, um die historische Dimension und Struktur solcher Herrschaftsräume zu erhellen. Der Beitrag zeigt einige Entwicklungslinien in der physischen Organisation und Strukturierung von Herrschaft von der karolingischen bis in die frühsalische Zeit im frühmittelalterlichen Grenzraum von Franken zu Bayern auf, beleuchtet die Wechselwirkung von Landschaft, Siedlung und Zentralität und stellt diese in einen größeren historischen Rahmen.

Peter Ettel/Lukas Werther (Hrsg.) Zentrale Orte und zentrale Räume des Frühmittelalters in Süddeutschland. RGZM-Tagungen Bd. 18, Mainz 2013. 406 Seiten, 55,- €

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Thema: Grabungsprojekte | Kommentare (0)