Beiträge vom June, 2014

Die Auswertung der Thurndorfer Burgengrabung schreitet voran

Monday, 30. June 2014 17:56

Rund 12 Jahre nach dem erzwungenden Ende der archäologischen Untersuchungen im Kernbereich der hochmittelalterlichen Burg Thurndorf, Gemeinde Kirchenthumbach, Landkreis Neustadt an der Waldnaab, schreitet die Auswertung der Grabung durch Dr. Mathias Hensch (Bau- und Siedlungsbefunde) und Dr. Eleonore Wintergerst (Fundmaterial) voran.

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Die Ministerialenburg der Grafen von Sulzbach in Thurndorf, zählte im 11. und vor allem 12. Jahrhundert zu den bedeutendsten Ministerialenburgen in der heutigen nördlichen Oberpfalz und verfügte offenbar nicht nur über eine enorme Flächenausdehnung, sondern auch über eine herausragende bauliche Ausstattung. Die Auswertung der drei, 1999, 2000 und 2002 durchgeführten Grabugskampagnen lässt den großen Verlust an Kulturgeschichte, der der Region 2004 durch den nicht genehmigten Bodenaustausch für die Friedhofserweiterung entstanden ist, erst in seiner ganzen Tragweite erkennen. So war neben vielen anderen gut konservierten Bauresten beispielsweise im südlichen Burgareal ein steinernes Saalgeschossgebäude des 11. Jahrhunderts mit repräsentativem Souterrain bis in eine Höhe von 1,6 m erhalten. Wie alle anderen Bauteile der Kernburg auch, wurde dieser Bau durch den Bagger 2004 ohne eine detailliertere Untersuchung und ohne Genehmigung zerstört. Die Auswertung wird dankenswerterweise von der Marktgemeinde Kirchenthumbach finanziert und findet in den nächsten Monaten ihren Abschluss. Die Ergebnisse werden in einer Monographie der Öffentlichkeit vorgelegt.

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Bemerkenswerte 14C-Daten aus dem frühmittelalterlichen Friedhof an der Kirche St. Maria Heimsuchung in Stettkirchen, Landkreis Amberg-Sulzbach

Saturday, 21. June 2014 16:47

Im Zuge der Bearbeitung der drei kirchenarchäologischen Grabungen Ermhof, Utzenhofen und Stettkirchen im Landkreis Amberg-Sulzbach wurden nun über 20 Gräber des Gräberfelds Stettkirchen mittels AMS-Radiokarbondatierung vom Physikalischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg chronologisch näher eingeordnet werden. Finanziert wurden die Datierungen durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München. Die wenigen chronologisch empfindlichen Funde in den Stettkirchener Gräbern machen eine Datierung des ansonsten beigabenlosen, archäologisch erfassten Teils des Friedhofs nicht leicht. Um dennoch einen möglichst genauen Einblick in die Belegungsdauer des Bestattungsplatzes zu erhalten, wurde versucht, anhand horizontalstratigraphischer Parameter mit Hilfe der Radiokarbondatierung einzelner Skelette einen möglichst repräsentativen absolutchronologischen Querschnitt durch die Belegungsschichten des Friedhofs zu erhalten. Die vorliegenden Daten scheinen zu belegen, dass es auf diese Weise außerdem gelungen ist, sowohl den Belegungsbeginn, als auch die jüngste Belegungsschicht im archäologisch untersuchten Bereich des Friedhofs chronologisch näher zu fassen. Da insbesondere die ältesten Gräber ohne datierbare Trachtbestandteile geblieben sind, kommt den Radiokarbondaten zum Beginn des Friedhofs auch siedlungsgeschichtlich eine besondere Rolle zu.

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Die frühesten Datierungen lieferten zwei beigabenlose Gräber mit Radiokarbonaltern von 1388 ± 45 Jahren BP und 1335 ± 35 Jahren BP, deren Datierungsschwerpunkte noch im 7. Jahrhundert liegen. Bemerkenswert ist die Lage dieser Gräber an der Mitte der Nordwand der heutigen Kirche. Dies gilt auch für das nächst jünger datierte Grab, das mit 1299 ± 45 Jahren BP seinen Datierungsschwerpunkt ebenfalls noch in der zweiten Hälfte des 7. bzw. beginnenden 8. Jahrhunderts hat. Diese Bestattung zeigt außerdem, dass es sich bei der mehrfachen Belegung eines Grabplatzes nicht unbedingt um zeitlich dicht aufeinanderfolgende Bestattungen handeln muss: Dieses Grab erbrachte eine über 150 Radiokarbonjahre ältere Datierung, als eine Nachbestattung an der gleichen Stelle, die ein Radiokarbonalter von 1146 ± 42 Jahren BP und damit eine wahrscheinlichste absolute Datierung in die zweite Hälfte des 9. bis 10. Jahrhunderts lieferte. Demnach ist nicht in jedem Fall von einer personalen Beziehung an gleicher Stelle bestatteter Individuen zu deren Lebzeiten auszugehen. Die drei der 14C-Datierung nach ältesten Gräber gehören auch relativchronologisch zu den frühesten Bestattungen unmittelbar an der heutigen Kirche, wo die Belegungsdichte mit zum Teil bis zu mindestens neun Bestattungen übereinander besonders hoch ist. Die Bestattungen liegen mehr oder weniger axial hintereinander, wobei deren Bezug zur heutigen Kirchennordwand nahe legt, dass sie auf einen bereits damals bestehenden Kirchenbau bezogen wurden. Auffallend ist zudem, dass im östlichen Bereich der heutigen Kirche nicht allein die Belegungsdichte deutlich zunimmt, sondern die Belegung hier auch weiter nach Süden zu reichen scheint, als im westlichen Abschnitt. Vielleicht kann diese Beobachtung als Hinweis auf einen an dieser Stelle nach Süden einziehenden Chor des putativ ältesten frühmittelalterlichen Vorgängerbaus verstanden werden, an den sich die frühen Gräber anlehnen, um eine besondere räumliche Nähe der Verstorbenen zu den Reliquien zu ermöglichen. Dies könnte sowohl die intensive Belegung unmittelbar westlich des heutigen Turms, als auch das Ausgreifen der Gräber nach Süden erklären. Aus den westlich der Kirche untersuchten Gräbern, bei denen die vergleichsweise lockere Belegung auffällt, wurde u.a.  Grab ein Individuum einer Doppelbestattung datiert. Das 14C-Alter mit 1277 ± 54 Jahren BP datiert dieses Grab ebenfalls erstaunlich früh: die größte Datierungswahrscheinlichkeit liegt in der letzten Drittel des 7. und der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Deren Positionierung lässt den Westabschluss einer frühmittelalterlichen Kirche im Bereich der heutigen Westwand oder wenig östlich von dieser vermuten. Die 14C-Daten geben in Verbindung mit der Befundsituation demnach konkrete Anhaltspunkte für eine Kirchengründung bereits in den Jahrzehnten um 700 - eine Feststellung, die eine intensivere Diskussion des herrschaftsgeschichtlichen Hintergrunds des Stettkirchener Friedhofs erfordert. Ferner fällt die vollständige Beigabenlosigkeit der ältesten Bestattungen auf, ein Befund, der vergleichbar bereits auf frühmittelalterlichen Friedhöfen des spätmerowingischen Ausbaugebiet im heutgien Oberfranken beobachtet werden konnte. Die weitere Bearbeitung der drei Kirchengrabungen durch den Regensburger Archäologen Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie) lässt spannende und neue Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Kirchen- und Christianisationsgeschichte der mittleren Oberpfalz erwarten.

Foto: Firma Adilo, Parsberg

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Schauhütte-international: Moschee und Siedlung von Cuatrovitas - Archäologische und baugeschichtliche Untersuchung einer almohadenzeitlichen Moschee und Wüstung bei Sevilla/Andalusien

Sunday, 15. June 2014 21:50

Im Mai 2014 arbeiteten Ines Buckel M.A. und Dr. Mathias Hensch bei den Kollegen der Universitäten Bamberg und Sevilla im Rahmen des Forschungsprojekts “Moschee und Siedlung von Cuatrovitas - Archäologische und baugeschichtliche Untersuchung einer almohadenzeitlichen Moschee und Wüstung im Aljarafe (Sevilla, Spanien)”. Eine Projektbeschreibung können Sie unter http://www.uni-bamberg.de/islamart/forschung/moschee-und-siedlung-von-cuatrovitas-dfg-projekt/ finden. Unter der Leitung von Professor Dr. Lorenz Korn und der örtlichen Leitung von Dr. Anja Heidenreich (beide Univesität Bamberg) finden hier seit 2012/13 in enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Magdalena Valor (Universität Sevilla) umfangreiche archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen zur Erforschung einer almohadenzeitlichen Siedlung und ehemaligen Moschee (12./frühes 13. Jahrhundert) südlich von Sevilla statt.

Für uns war die intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit eine interessante und spannende Bereicherung des archäologischen Horizonts, zumal Anja Heidenreich und Mathias Hensch vor 25 Jahren gemeinsam das Studium der Archöiologie des Mittelalters und der Neuzeit in Bamberg begannen und bis heute eng befreundet sind.

Und außerdem: Derartige Sonnenaufgänge gibt es wohl kaum auf einer Grabung im deutschsprachigen Raum:

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