Beiträge vom October, 2014

… und noch eine ehemalige Martinskirche: Erste archäologische Untersuchungen am Kirchlein St. Otto in Schmalnohe im Landkreis Amberg-Sulzbach

Monday, 20. October 2014 20:43

Die kleine Kirche St. Otto in Schmalnohe bei Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach steht erstmalig im Fokus archäologischer Untersuchungen. Das Kirchlein, das bis in das späte 18. Jahrhundert dem hl. Martin von Tours geweiht war und erst spät einen Patroziniumswechsel hin zum hl Otto von Bamberg erfahren hat, wird bereits im Jahr 1143 erstmals genannt, als Otto von Schmalnohe, ein Ministeriale der Grafen von Sulzbach, die Kirche an das Kloster Michelfeld schenkte. Offenbar bestand in Schmalnohe zu dieser Zeit eine Curtis, also ein grundherrlicher Hof mit Kirche. Mit großer Wahrscheinlichkeit saß ein großer Teil der in diesem Raum überlieferten Ministerialenfamilien während des 11./frühen 12. Jahrhunderts nicht auf Burgen im eigentlichen Sinne, sondern innerhalb großer, grundherrlicher Höfe: Otto de Smalnohe […] fecit heredem trandens Michelfeldensi ecclesie cum capella et dote eius cum curte sua dominicali cum silva […].

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Der Ortsname mit dem Grundwort germanisch -aha/-oha “Bach” gehört zu den ältesten germanischen Toponymen des Raums und dürfte auf eine Entstehung in vorkarolingischer Zeit hinweisen. Auch das Martinspatrozinium könnte auf frühmittelalterliche Wurzeln des Kirchleins hindeuten. Die aktuellen, bauvorgreifenden Untersuchungen durch die Archäologen Ines Buckel (Arcteam Regensburg) und Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie), betreffen nicht allein die Fundamentbereiche der Kirche, sondern betreffen auch die neue Wegegestaltung westlich der Kirche. Somit sind neben den bereits erkennbaren Befunden zur Baugeschichte der mittelalterlichen Kirche und eines bereits erfassten Friedhofs auch Erkenntnisse zur in den Quellen erwähnten herrschaftlichen Curtis zu erwarten. Wir werden an dieser Stelle über den Fortgang der Grabungen berichten.

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Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)