Beiträge vom December, 2014

Weihnachten 2014

Wednesday, 17. December 2014 14:26

Allen Freunden, Auftraggebern und unentdeckten Bewunderern der Schauhütte-Archäologie wünschen wir frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr 2015. Danke für das Vertrauen im vergangenen Jahr. Wir freuen uns auf kommende, gemeinsame Projekte und hoffen, Ihr bleibt uns gewogen.

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Foto  © Mathias Hensch

Thema: Grabungsprojekte, Projekte 3D Archäologie - Rekonstruktionen, Hintergründe, Was wir bieten - Archäologische Ausgrabungen, Was wir bieten - 3D-Archäologie & Visualisierungen, Schauhütte-Videothek | Kommentare (0)

Der Turm des Liutwin de Grazze - Machtsymbol bischöflicher Vasallität des 12. Jahrhunderts vor den Toren Regensburgs auf der ehemaligen Burg Graß

Tuesday, 9. December 2014 21:26

Nicht viele Regensburger wissen, dass es in Graß, einem kleinen Dorf südlich des Ziegetsbergs, das zum Stadtgebiet gehört, im Mittelalter eine nicht unbedeutende Niederungsburg der Regensburger Bischöfe gab. Bereits 1134 wird mit Liutwin de Grazze in einer Schenkung Bischof Burchards von Regensburg ein bischöflicher Vasall genannt, der sich nach seinem Ansitz bzw. seiner Burg in Graß nannte. Dies setzt eine unmittelbare Identifikation dieser Familie mit dem Ort und der dortigen Burg voraus. Die wenigen Schriftquellen zur Burg verraten zumindest eine wechselvolle Besitzgeschichte ab dem 14. Jahrhundert.
Im Ortskern noch gut sichtbar ist die spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Anlage mit breitem Trockengraben und Futtermauer, in deren Zentrum die Kirche St. Michael steht. Der schriftlichen Überlieferung zufolge, wurde der heutige Kirchenbau 1689 an Stelle eines mittelalterlichen Vorgängers, der auf die Burgkirche zurückgehen dürfte, neu errichtet.

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Über die Baugeschichte der mittelalterlichen Burg war bislang kaum etwas konkretes bekannt. Im Zuge der Sanierung der Michaelskirche finden durch Schauhütte-Archäologie nun erstmals im Burgareal archäologische Untersuchungen statt, die bereits in den ersten Wochen wichtige neue Erkenntnisse zur Bau- und Nutzungsgeschichte erbracht haben. Neben Befunden zur inneren Ringmauer ist die Entdeckung des bis in das 18. Jahrhundert als Ruine erhaltenen Haupturms der Burg Graß von besonderer Bedeutung. Unmittelbar westlich der Kirche wurden bei den Kanalbauarbeiten die Reste eines mächtigen Turms angeschnitten, der einen quadratischen Grundriss von etwa 10 x 10 m Grundfläche gehabt haben dürfte. Die Mauerstärke im unteren Bereich des Turms betrug rund 3,5 m, bei einem Innenraum von ca. 2 x 2 m lichter Weiter. Mauertechnik, Steinversatz und Pietra-Rasa-Putz im Innenraum lassen eine Erbauungszeit in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, möglicherweise noch zur Salierzeit vermuten.

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Das Fundmaterial, die Schichtenabfolgen und eine schriftliche Überlieferung von 1726 belegen einen sukzessiven Abbruch des Turms: die südliche Hälfte wurde bereits um 1500 abgetragen und überbaut, während die nördliche Hälfte des Turms wohl als ausgebrannter Stumpf noch bin in die Zeit nach 1726 gestanden hat.

Die Untersuchungen haben schon jetzt spannende neue Aspekte zur Baugeschichte der Graßer Burg erbracht und werden im Zuge der Sanierungsarbeiten im Frühjahr 2015 fortgesetzt. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine konsequente Begleitung von Bodeneingriffen im Zuge von Baumaßnahmen durch die Archäologie ist. Nur so lassen sich wichtige neue historische Quellen erschließen und dokumentierenm sowie zugleich einmalige Zeugnisse der Vergangenheit vor einer Zerstörung durch den Bagger möglichst bewahren. Wir danken der Stadt Regensburg und dem Architekturbüro Kiendl (Saal an der Donau) für die konstruktive Zusammenarbeit auf der Baustelle.
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Fotos © Mathias Hensch
Literaturhinweise:
Andreas Boos, Burgen im Süden der Oberpfalz: Die früh- und hochmittelalterlichen Befestigungsanlagen des Regensburger Umlandes, Regensburg 1998, 174–177.
Werner Chrobak: Graß, ehemalige Burg – vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zur Säkularisation Besitz des Deutschen Ordens. In: Burgen und Schlösser in und um Regensburg. Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 47, 2013, 25-46.

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