Beiträge vom May, 2015

Schauhütte-Archäologie leitet Exkursion für norwegische Forschergruppe

Friday, 29. May 2015 7:47

Bei einer viertägigen Exkursion unter der Leitung von Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie) konnten 15 Archäologiedozenten verschiedener norwegischer Universitäten einen Einblick in die keltische Eisenzeit, die Römische Eisenzeit und das Früh- und Hochmittelalter der Oberpfalz und Niederbayerns gewinnen. Trotz des schlechten Wetters zeigten sich die Kollegen von den besuchten Plätzen sehr angetan. Neben römischen und mittelalterlichen Denkmälern in Regensburg, standen u.a. auch die keltische Viereckschanze in Poign, das spätlatènezeitliche Oppidum Alkimoennis auf dem Michelsberg, die spätkarolingische-ottonische Kirche in Penk an der Naab und der Stephansturm in Ensdorf an der Vils aus dem Jahr 1075 auf dem Besuchsprogramm. Presseberichte zur Exkursion finden Sie, in dem Sie hier und hier klicken.

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Vor der Rekonstruktion des Haupttores des keltischen Oppidums Alkimoennis auf dem Michelsberg bei Kelheim erläutert der Kelheimer Kreisarchäologe Dr. Joachim Zuber den norwegischen Archäologen die Bedeutung und den Kontext des Oppidums im Siedlungsraum der Spätlatènezeit Bayerns.

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Ein Klang aus dem Mittelalter - die “Theophilusglocke” von Thurndorf

Saturday, 9. May 2015 19:12

Wer einmal einen akustischen Eindruck gewinnen möchte, wie vor rund 900 Jahren eine Kirchenglocke klang, kann dies hier tun: Die sog. Theophilus-Glocke aus Thurndorf des “Meisters Wolfger”, die um 1140 gegossen wurde. Und es ist noch dazu eine Glocke aus dem Machtbereich der Grafen von Sulzbach. Die Glocke dürfte ursprünglich wohl im Giebelreiter der Burgkirche von Thurndorf in der heutigen Oberpfalz gehangen haben…

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Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)

Die Ausgrabungen in der “curtis dominicalis” Schmalnohe - ein Glücksfall für die Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte der nordwestlichen Oberpfalz

Sunday, 3. May 2015 12:17

Unsere archäologischen Grabungen am Platz der hochmittelalterlichen Curtis der Grafen von Sulzbach in Schmalnohe, Gemeinde Edelsfeld, Lkr. Amberg-Sulzbach, sind vorerst beendet. Je nach Fortschritt der Sanierungsarbeiten an der Kirche und Baggerarbeiten im Zufahrtsbereich werden unter Umständen weitere Untersuchungen im vermuteten ehemaligen Torbereich sowie im baulichen Bestand der ehemaligen Martinskirche notwendig werden.

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Doch das, was bereits jetzt an Befunden gesichert und dokumentiert und an Fundmaterial geborgen wurde, übertrifft viele Erwartungen. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der stehende Kirchenbau in seinem Kern ein erstaunlich hohes Alter besitzt. Möglicherweise geht die im Wesentlichen noch erhaltene erste Steinbauphase bis in vorsalische Zeit (d.h. vor 1024) zurück. Ob sich hier vielleicht ein ottonischer oder gar spätkarolingischer Kirchenbau in großen Teilen aufrecht stehend erhalten hat, werden die Auswertung der Grabung und weitere Untersuchungen genauer sagen lassen.

Mit einem Abstand von wenig mehr als 2 m stand westlich der Kirche ein rund 15 m langer und 7 m breiter, steinerner Saalbau mit nördlichem und westlichen Annex (Anbauten), dessen Erbauungszeit sicher ebenfalls vor dem Jahr 1100 liegt. Neben der auffallend guten und qualitätvollen Bautechnik ist besonders die exakte axiale Lage des Steinbaus westlich der Kirche interessant. Kirche und Saal bildeten somit eine beeindruckende “Schaufassade” zum Tal des Krummbachs, ohne untereinander eine direkte bauliche Verbindung einzugehen. Die auf repräsentative Außenwirkung angelegte Positionierung dieses Ensembles, zu dem sicherlich weitere Baulichkeiten gehört haben düften, wird hier offensichtlich. Ähnliche Konzeptionen kennen wir von ottonischen Königshöfen und Pfalzen. Zahlreiche Funde von sehr großen Hohlziegeln des Typs Mönch-Nonne in unterschiedlichen Rot-, Orange- und Gelbtönen belegen eine massive Dachdeckung bereits lange von dem frühen 13. Jahrhundert, dem Zeitpunkt, als das Gebäude abgebrochen wurde, und lassen erahnen, wie beeindruckend das Bauensemble für die Zeitgenossen einst gewesen sein muss. Es spricht nichts dagegen, dass diese Dachdeckung bereits aus der Erbauungszeit des Steinbaus stammen könnte.

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Neben dem Steinsaal bzw. Saalgeschossbau gibt es zahlreiche Hinweise auf eine ausgedehnte Holzbebauung in Form von Pfostenspuren. Ein Teil der Pfostenbefunde ist sicher älter als der steinerne Saal und könnte, wie das Fundmaterial belegt, bis in das Frühmittelalter zurückreichen. Radiokarbondaten aus Holzkohlen in Grubeneinfüllungen im Umfeld der Kirche lieferten Datierungen in das 5./6. und 7./8. Jahrhundert n. Chr. und können einen konkreten Hinweis auf eine weit zurückreichende Siedlungstradition am Platz geben, zu der der sehr alte aha-Name des Orts passen würde. Weitere 14C-Datierungen sind im Zuge der Auswertungen vorgesehen und werden den chronologischen Rahmen genauer abstecken lassen.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts suchte eine Brandkatatstrophe Schmalnohe heim. Während die ebenfalls von diesem Brand betroffene Kirche wiederhergestellt wurde, brach man den großen Steinbau westlich des Gotteshauses etwa zwischen 1200 und 1240 ab.

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In der Ruine errichtete man kurz nach der Brandzerstörung u.a. Öfen zur Eisenverhüttung, ohne dass es zu einer längerfristigen Weiternutzung im herrschaftlichen Sinne gekommen ist. Das Areal scheint nach dem frühen 13. Jahrhundert nicht mehr herrschaftlich genutzt worden zu sein. Wie Gräber des 13./14. Jahrhunderts belegen, scheint im Laufe des 13. Jahrhunderts auch die Kirche einen Wandel von der Eigenkirche zur “Parochialkirche” durchgemacht zu haben.
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Aus dem Fundmaterial der Grabung sind u.a. ein vergoldeter Beschlag einer Buchschließe, Pfeileisen, Rasiermesser und das Fragment einer wohl frühmittelalterlichen Knochenflöte besonders zu erwähnen.

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Wir danken der Gemeinde Edelsfeld, der Familie Radandt als Grundstücksbesitzer und der Pfarrgemeinde Schlicht, swie den Architekten Johann Ernst (Vilseck/Amberg) und Manfred Neidl (Sulzbach-Rosenberg) für die gute und konstruktive Zusammenarbeit und Unterstützung. Über den Fortgang dieses spannenden Projekts werden wir Sie aus www.schauhuette.de weiter auf dem Laufenden halten.

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Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)