Beiträge vom October, 2015

Vortrag: Anmerkungen zur frühmittelalterlichen Montangeschichte des Raums Amberg-Sulzbach

Tuesday, 20. October 2015 7:47

Vortrag von Dr. Mathias Hensch im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Archäologie in Bayern

Ort und Zeit: Bürgersaal in Altdorf bei Landshut, Samstag, 24.10.2015, 14.30 Uhr.


Über Jahrhunderte hat die Montanwirtschaft in der westlichen Oberpfalz Mensch und Natur nachhaltig geprägt. Doch obgleich der Raum um die Bergstädte Auerbach, Sulzbach und Amberg gemeinhin als „Ruhrgebiet des Mittelalters“ bezeichnet wird, liegen die mittelalterlichen Anfänge von Abbau und Verhüttung der Oberpfälzer Eisenerze und der vor Ort betriebenen Weiterverarbeitung zu Eisenprodukten bislang weitgehend im Dunkeln.

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Der Vortrag stellt siedlungs- und herrschaftsgeschichtliche Überlegungen des frühmittelalterlichen Raums nordwestlich von Regensburg in den Kontext einer möglichen frühen Montanwirtschaft und verbindet diese mit neuen, zum Teil außergewöhnlichen archäologischen Befunden früher Metallproduktion in der mittleren Oberpfalz. Dieser wichtige Aspekt bayerischer Landesgeschichte wird somit von einer bislang wenig bekannten Seite beleuchtet. Deutlich wird dabei, dass es auf der mittleren Frankenalb und im Oberpfälzer Bruchschollenland eine weit vor die ersten schriftlichen Nennungen zurückreichende Tradition in der Gewinnung und Verarbeitung von Eisenerzen gab und schon früh spezialisierte Handwerker im Auftrag früh- und hochmittelalterlicher Herrschaftsträger an der Herstellung hochwertiger Produkte im Rahmen grundherrschalftlicher Strukturen arbeiteten.

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)

Neues aus einem alten Weiler - Radiokarbondaten aus Schmalnohe

Sunday, 18. October 2015 10:35

Aktuelles und neues im Nachgang zu unseren Untersuchungen vom April 2015 im Weiler Schmalnohe, dem mittelalterlichen “Smalinaha” nördlich von Sulzbach-Rosenberg…:

Aus der archäologischen Untersuchung im Bereich der St. Otto-Kirche Schmalnohe wurden bislang sieben Holzkohleproben aus unterschiedlichen Befundzusammenhängen zur Radiokarbondatierung an das Physikalische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg und das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie Mannheim gegeben. Die Daten sollen neben der archäologischen Datierungsmethode durch Keramikfunde und Schichtenabfolge zusätzliche Hinweise auf die Datierung von Baustrukturen im Bereich des mittelalterlichen Herrenhofes Smalinaha liefern, insbesondere zur Datierung der ältesten erhaltenen Steinbausubstanz in der ehem. Martinskirche und des archäologisch erfassten Steinbaus unmittelbar westlich der Kirche
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Kirche: Drei Proben stammen aus der Baugrube bzw. dem ältesten nachweisbaren Fundament der ehem. Martinskirche (heute St. Otto). Während eine Probe offensichtlich durch fossilen Kohlenstoff kontaminiert wurde, da sie ein Alter von rund 10.000 Jahren erbrachte und somit aussagelos ist, gehören die beiden in Erlangen gemessenen Holzkohleproben aus der
Baugrube zur Kirche in die Zeiträume von 420 bis 580 n. Chr. und 653 bis 775 n. Chr. Beide Daten dürften in Bezug auf die Erbauungszeit der ältesten Steinkirche ein zu hohes Alter angeben, wobei jedoch berücksichtigt werden muss, dass es sich um verlagertes, älteres Material oder aber um Reste von Kernholz handeln kann, dass eine im Verhältnis zum Alter des ersten Steinbaus signifikant ältere Datierung nach sich ziehen kann. Tendenziell bestätigen beide Proben jedoch den archäologisch gewonnenen Eindruck, dass der älteste Steinbau der ehem. Kirche St. Martin, der noch heute zu großen Teilen erhalten ist, deutlich vor die erste Jahrtausendwende zu datieren ist. Eine Datierung dieser ersten Steinkirche in karolingische Zeit ist auch aufgrund des Patroziniums sowie des herrschafts- und siedlungsgeschichtlichen Kontextes nicht auszuschließen. Hierfür könnte auch die Bautechnik mit sehr kleinteiligem Lesesteinmauerwerk, z. T. in opus-spicatum-Technik sprechen. Weitere Forschungen am und im stehenden Bau im Zuge der Sanierung sind daher von extrem großer Bedeutung für die Beurteilung dieser offensichtlich sehr alten Kirche.

Archäologisch erfasster Steinbau westlich der Kirche:
Zwei Holzkohleproben stammen aus dem Setzmörtel des archäologisch erfassten Steinbaukomplexes westlich der Kirche. Während eine Probe ein Kalenderalter von 688 bis 866 n. Chr., also in spätmerowingisch-karolingische Zeit, ergab, lieferte Probe 2 eine deutlich jüngere Datierung in den Zeitraum von 1038 bis 1184 n. Chr. Aus archäologischer Sicht lässt sich zunächst sagen, dass der Steinbau mit einiger Sicherheit jünger als die erste Steinkirche zu sein scheint. Das Mauerwerk ließe sich am ehesten in ottonisch-frühsalische Zusammenhänge einordnen, so dass Probe 2 innerhalb der ersten zwei Drittel des 11. Jahrhunderts durchaus eine plasible Datierung repräsentieren mag. Eine Datierung in das 12. Jahrhundert ist aus archäologischer Sicht unwahrscheinlich. Zugleich würde das gewichtete Mittel beider Proben auch eine ottonische Zeitstellung in den Bereich des Möglichen rücken lassen. Dieses liegt im Zeitraum von 957 bis 985 n. Chr. Eine ottonische Zeitstellung ist auch aufgrund der archäologisch zu beurteilenden Bautechnik des Gebäudes nicht auszuschließen.

Siedlungsbefunde:
Zur Datierung zwei Holzbaubefunde im Siedlungskontext wurden zum einen Holzreste aus einem Pfosten im westlichsten Grabungabschnitt und Holzkohle aus einer mächtigen Pfostengrube unterhalb des profanen Steingebäudes.
Das Holz aus dem Pfosten am westlichen Grabungsrand erbrachte eine Datierung von 1225 bis 1278 n. Chr., was sich sehr gut mit dem hier geborgenen keramischen Fundmaterial in Einklang bringen lässt. Nach der Zerstörung des Steingebäudes um 1200 wurde das Areal offenbar mit Pfostengebäuden bebaut und im 13. Jahrhundert zu wirtschaftlichen Zwecken genutzt. Hiervon zeugen u.a. ein Backofen, ein Verhüttungsofen sowie ein Ofen unklarer Funktion, die alle in das 13. Jahrhundert gehören.
Dagegen erbrachte die mächtige Postengrube im Bereich des mittelalterlichen Steingebäudes, die aus archäologischer Sicht älter als dieses sein muss, eine Datierung in den Zeitraum von 139 bis 330 n. Chr. Die größte Wahrscheinlichkeit liegt hier im 3. und frühen 4. Jahrhundert. Aufgrund des germanischen, vormittelalterlichen aha-Ortsnamens ist eine germanische Gründung des Orts sehr wahrscheinlich, so dass sich hier möglicherweise eine kaiserzeitliche, germanische Siedlung mit Pfostenbebauung auch im archäologischen Befund widerspiegelt. Diesbezüglich ist auch auf zwei neue römische Münzfunde des 4. Jahrhunderts vom nahen Maximiliansfelsen hinzuweisen.

Schmalnohe gehört ohne Zweifel zu den ältesten Siedlungen des Raums Sulzbach-Auerbach und besitzt womöglich sogar in Teilen eine der ältesten aufrecht stehenden Kirchen Nordbayerns. Diesem Umstand muss bei zukünftigen Bodeneingriffen und Sanierungsmaßnahmen in angemessener Weise Rechnung getragen werden.

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)