Beiträge vom December, 2015

Weihnachten 2015

Sunday, 20. December 2015 12:10

Schauhütte-Archäologie wünscht allen Freunden, Auftraggebern, Geschichtsinteressierten und Kollegen frohe Weihnachten und alles Gute für das Jahr 2016!

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Die Flöte von Schmalnohe - eines der ältesten Blasinstrumente Bayerns…

Wednesday, 16. December 2015 6:47

Im April diesen Jahres fanden wir bei unseren Grabungen in Schmalnohe, Gemeinde Edelsfeld, Lkr. Amberg-Sulzbach, (siehe unten) das Bruchstück einer Knochenflöte aus Schafknochen. Sie stammt aus einer Pfostengrube, die zu dem ältesten Siedlungshorizont in Schmalnohe gehören muss. Wenige Keramikscherben aus dieser Grube deuteten an, dass die Flöte in germanische oder aber frühmittelalterliche Zeit gehören könnte. Um zusätzliche Hinweise auf das Alter des Befundes und der Flöte zu gewinnnen, wurde Holzkohle aus dieser Pfostengrube zur Radiokarbonuntersuchung an das Labor Beta-Analytic nach Miami/USA geschickt. Das Ergebnis liegt nun vor. Demnach hat zumindest die Holzkohle aus der Pfostengrube ein Alter von ca. 2000 Jahren… Eine Datierung der Flöte in (früh-)germanische Siedlungszusammenhänge auf der mittleren Frankenalb ist somit möglich, besonders dann, wenn man bei der Datierung die wenigen Keramikfragmente mitberücksichtigt. Die Flöte gehört somit sicher zu den ältesten Blasinstrumenten Nordbayerns.

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Das dicke Ende von Kümmersbruck…

Friday, 11. December 2015 20:42

Eigentlich hatten wir damit gerechnet, in die Grabungswinter- und Weihnachtspause gehen zu können… aber wie es nunmal so ist, das dicke Ende kommt zum Schluss. Zwar (vorerst) nur eine Hälfte, aber diese Schmiedessegrube in Kümmersbruck, die größte bislang, verlangt uns alles ab… Was haben die in so großen Essen nur produziert? Das Ding hatte mindestens zwei Blasebälge (Standort oben links und unten links)… Übrigens, neben Hunderten Schlacken kommt u.a. auch die am 10. Dezember gepostete Blasebalgdüse aus diesem Befund.

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Fund des Tages…

Thursday, 10. December 2015 6:36

Fund des Tages in Kümmersbruck: Eine vollständige Blasebalgdüse in einer Ofengrube der Zeit um 800 n. Chr.

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Von Schätzen in Burgen - der Dollnsteiner Schatzfund des 14. Jahrhunderts

Saturday, 5. December 2015 20:20

Eine der am häufigsten gestellten Fragen, die man auf Grabungen hört, ist diese: “Habt Ihr denn schon einen Schatz (resp.”Gold”) gefunden?” - In unserer leider viel zu sehr auf monetäres und ökonomisches Wachstum ausgerichteten Öffentlichkeit, träumen scheinbar sehr viele Menschen davon, einmal einen “richtigen Schatz” zu finden, um reich zu werden. Vielleicht wäre die Chance größer, wenn man so rein gar nicht davon träumt!? Denn das haben wir bestimmt nicht, als wir am 14. November 2007 in der ehemaligen Toilette eines bis in die 1980er Jahre als Wohnung genutzten Teils der sogenannten Burgstattungen der Unterburg in Dollnstein im Landkreis Eichstätt, tatsächlich einen Schatz fanden… Aber lesen mir mehr:

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… Auch für den Archäologen stellt die Entdeckung eines Schatzes ohne Frage einen Höhepunkt bei der praktischen archäologischen Arbeit dar, wenngleich sicher die wenigsten Archäologen als Schatzsucher bezeichnet und mit eher Kunstfiguren wie Indiana Jones in Verbindung gebracht werden wollen. Dass bei regulären wissenschaftlichen Ausgrabungen mittelalterliche Schatzfunde gemacht werden ist äußerst selten. Umso glücklicher der Umstand, dass der Dollnsteiner Fund von uns unter professionellen Bedingungen auf der Ausgrabung freigelegt, dokumentiert und geborgen werden konnte, fachgerecht restauriert wurde und seit 2013 im Altmühlzentrum Dollnsteiner einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wird. Ironischerweise erbrachte ausgerechnet der unscheinbarste und kleinste Raum des bis in die 1970er Jahre genutzten Wohnflügels der sogenannten Burgstallungen in der Unterburg in Dollnstein diesen besonderen Fund.

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Etwa 1,3 m südlich der Nordwand eines romanischen Saalbaues aus dem 12. und 13. Jahrhundert fanden wir am 14. November 2007 im westlichen Teil der Burgstallungen ein vollständiges Keramikgefäß. Der einfache Kochtopf war ursprünglich in eine mit größeren Steinen ausgekleidete, höhlenartige Grube hineingestellt, mit Steinen verkeilt und anschließend mit einem mittelgroßen Kalkstein sowie dem vorderen Teil eine Axtblattes abgedeckt worden. Die Form der Schneide lässt dabei an eine Streitaxt denken. Nach der Deponierung wurde die Grube verschlossen, möglicherweise aber nicht vollständig mit Erdmaterial verfüllt, vielleicht um bei einer späteren Bergung leichter an das Gefäß zu gelangen. Durch den Bodendruck war der Topf im Laufe der Zeit leicht nach Südwesten verkippt. Nach der Dokumentation im Fundzustand wurden zunächst vorsichtig die Abdeckungen entfernt, wobei sich zu unserer großen Freude und Aufregung unmittelbar an der Gefäßmündung zahlreiche zusammenkorrodierte Silbermünzen sowie organische Reste erkennen ließen. Zur anschließenden Bergung wurde der gesamte Fund dann behutsam eingegipst und anschließend zur Restaurierung gebracht. Nach den Ergebnissen der röntgenologischen Untersuchung und Restaurierung besteht der Schatzfund aus u.a. rund 4000 Silbermünzen des späten 12. bis mittleren 14. Jahrhunderts, Bunt- oder Edelmetallbeschlägen, Korallenperlen, ursprünglich wertvollen Textilien, sowie Schmuck. So fanden sich neben vergoldeten Beschlägen, u.a. ein silberner Verlobungsring mit Initialen und eine prächtigen Adlerfibel des späten 13./frühen 14. Jahrhundert. Die jüngsten Prägungen der Münzen belegen eine Vergrabungszeit des Gefäßes um 1360.

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Mindestens ebenso interessant wie der Schatzfund und seine Zusammensetzung ist aber die Frage nach den Beweggründen, die dem Vergraben des Gefäßes zugrunde lagen. Man darf wohl davon ausgehen, dass sich der Besitzer der Wertgegenstände in einer wie auch immer motivierten Notlage befand, denn der Inhalt des Topfes dürfte einem nicht unerheblichen Gegenwert entsprochen haben. Somit wäre zunächst zu fragen, welche Wirtschafts- oder Kaufkraft der Münz- bzw. Materialwert um die MItte des 14. Jahrunderts gehabt hat. Ohne Zweifel gibt auch die Frage nach dem Ereignis, in dessen Verlauf der Schatz niedergelegt wurde, Anlass für mannigfache Spekulationen. Wurde der Besitzer im Zuge eines kriegerischen Ereignisses, einer Belagerung der Burg oder aber durch Intrige oder Erbstreitigkeiten dazu gezwungen, sich – wie sicherlich zunächst von ihm beabsichtigt – kurzzeitig von seinem Besitz zu trennen?
Oder die Frage, warum der Besitzer nicht in der Lage war, den Inhalt später zu bergen. Die Antwort auf letztere Frage werden wir nach 650 Jahren wohl ganz sicher schuldig bleiben müssen. -

Und, ach ja: Reich sind wir übrigens dadurch nicht geworden, wollten wir auch gar nicht!

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Der Schatzfund kann in einem eigens dafür hergerichteten Raum im Altmühlzentum Burg Dollnstein besichtigt werden - übrigens an mehr oder weniger gleicher Stelle, an der er gut 650 Jahre im Boden versteckt lag.

Alle Abbildungen (c): M. Hensch, Schauhütte-Archäologie, 2007.

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Die Spione aus dem All fotografieren unsere Grabung in Schmalnohe

Tuesday, 1. December 2015 16:57

Google sieht alles - auch unsere Grabung vom April diesen Jahres in Schmalnohe.
Schön erkennt man den von uns freigelegten Steinbaukomplex des 11. Jahrhunderts westlich der ehem. Martinskirche (seit dem 18. Jahrhundert St. Otto), die in ihren ältesten Bauteilen mindestens bis in spätottonische Zeit (um 1000) zurückgeht.

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(c) Google-Earth

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