Beiträge vom March, 2016

Funde aus über 1000 Jahren Heinrichskirchen

Friday, 25. March 2016 8:50

Etwa 1000 Jahre liegen zwischen diesen Funden aus Heinrichskirchen: Silberknöpfe eines Gehrocks oder einer Festtagsweste sowie Reste eines Rosenkranzes mit Kruzifix in einem Männergrab der Zeit um 1860…
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…und Fragmente eines frühmittelalterlichen Gefäßes des 9./10. Jahrhunderts aus dem Bereich des späteren neuzeitlichen Friedhofs.
Die Keramikfunde belegen offenbar eine ältere frühmittelalterliche Siedlung, die auf grundherrliche Initiative im Hochmittelalter eine Kirche erhielt. Der Name dieser älteren Siedlung hat nicht überlebt.

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Infolge des heutigen Ortsnamens kommen als mögliche Kirchengründer im wesentlichen drei unterschiedliche Heinriche in Betracht:
1. Heinrich II., König von 1002 bis 1014, Kaiser von 1014 bis 1024. Heinrich II. schenkte dem neu gegründeten Bistum Bamberg nach 1007 eine große Anzahl an Königsgut auch in der heutigen Oberpfalz. Darunter befand sich beispielsweise die Ortschaft Wenigrötz, 17 km südwestlich von Heinrichskirchen. Ein Anliegen der Bistumsgründung Heinrichs II. in Bamberg war u.a. die seelsorgerische Betreuung der in Nordostbayern ansässigen Slawen. Da Heinrichskirchen in einer stark mit slawischen Ortsnamen durchsetzten Siedlungslandschaft liegt, ist es hypothetisch denkbar, dass die Kirche als ein Ausgangspunkt zur kirchlichen Organisation der zu großen Teilen slawischen Bevölkerung im Raum um Rötz gegründet wurde.
2. Heinrich, Graf auf dem Nordgau 980 bis 1017. Der reichspolitisch einflussreiche Nordgaugraf Heinrich (”von Schweinfurt”) hatte eine herzogsgleiche Stellung im Raum nördlich von Regensburg inne. Durch eine Fehde mit König Heinrich II. 1003 wurde er kurzzeitig seiner Ämter enthoben, aber bereits wenig später zumindest zum Teil wieder in die Nordgaugrafschaft eingesetzt. Die Hauptburg seiner Familie lag bis zu seinem Tod 1017 wahrscheinlich in Sulzbach. Erst 1033 wird sein Sohn Otto als “de Suinvord” (von Schweinfurt) nach dessen jüngeren Amtssitz im Volkfeldgau benannt. Die Nordgaugrafen betrieben im Raum östlich von Nabburg vom 10. bis zum 12. Jahrhundert einen massiven Landesausbau.
3. Graf Heinrich I. von Ortenberg-Murach (gest. 1241). Die Familie der Ortenberg gelangte in den Besitz großer Ländereien in diesem Raum durch Erbe, dass sie nach 1188 von den mächtigen Grafen von Sulzbach übernahmen. Hierzu gehörte auch ihre Hauptburg Murach, daneben besaßen sie aus dem Besitz der Sulzbacher Grafen und dem Halbbruder Graf Berengars von Sulzbach, Kuno v. Horburg, u.a. auch die wichtige Burg Warberg bei Neunburg v. Wald. Heinrich I. von Ortenberg-Murach nahm eine Anzahl von Schenkungen und Taschgeschäften an das Kloster Waldsassen vor.
Dass Heinrichskirchen auf Heinrich den Löwen zurückgeht, wie es die bei der heutigen Bevölkerung lieb gewonnene Lokalsage erzählt, kann dagegen sicher ausgeschlossen werden.

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)

Neuzeitarchäologie in Herinrichskirchen

Tuesday, 22. March 2016 19:02

Die Grabungssaison beginnt für das Schauhütte-Team im schönen Heinrichskirchen, einem kleinen Dorf im nordwestlichen Landkreis Cham. Die dortige Kirchengemeinde plant den Bau einer unterkellerten Erweiterung der Sakristei an der Nordseite der St. Nikolaus-Kirche. Wie zu erwarten, erfassen wir hier einen Teil des ehemaligen Friedhofs, des wohl im 11. Jahrhundert gegründeten Dorfes. Die bisher untersuchten Gräber gehören allerdings einer sehr jungen Belegungsphase des Kirchhofs an. Doch geben Kleidungsstücke, Elemente der Totentracht, Rosenkränze, hölzerne und metallene Kruzifixe, Applikationen, Fingerringe und Münzen interessante Einblicke in die Begräbniskultur des 19. Jahrhunderts. Auch Neuzeitarchäologie hat ihren Platz und gehört zu unseren Arbeitsfeldern.

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Thema: Grabungsprojekte | Kommentare (0)