Beiträge vom May, 2016

Frühmittelalterliche Köhlerei am Amberger Erzberg

Sunday, 22. May 2016 21:04

Unser Auftakt zur archäologischen Begleitung im Neubaugebiet Drillingsfeld im Amberger Ortsteil Eglsee. Nach den 14C-Daten wurde in diesem Grubenmeiler vor rund 1300 Jahren am Südhang des Amberger Erzberges Holzkohle zur Verhüttung der hier anstehenden Eisenerze hergestellt. Der Meiler war etwa 4 x 3,6 m groß und wahrscheinlich mindestens 0,7 m tief. Er konnte also eine stattliche Menge an Holzscheiten aufnehmen. Die Holzkohle wurde gewonnen, indem man frisches Holz unter Luftabschluss durch Schwelen verkohlte. Dabei fand eine thermochemische Reaktion statt, bei der u.a. Wasser, Kohlenmonoxid und andere Gase sowie Teer entweichen konnten und fast reiner Kohlenstoff als Holzkohle zurückblieb. Die Herstellung von Holzkohle in einem Grubenmeiler gilt als ältestes bekanntes Verfahren der Köhlerei. In einer Grube von in der Regel etwa 0,7 bis 0,9 m Tiefe und wenigen Metern Durchmesser wurden Holzscheite geschlichtet und anschließend mit Erde oder auch mit Grassoden abgedeckt. Zur Verkohlung musste der Meiler entweder angezündet werden, so dass bei geringer Luftzufuhr ein Teil des Holzes verbrennen, das umliegende Holz aber verkohlen konnte. Möglich war auch, bereits beim Stapeln der Holzscheite glühende Kohle in die Grube einzufüllen oder das Holz auf glühende Asche bzw. Holzkohlen zu stapeln. Dabei war es anschließend sehr wichtig, dass der Meiler am Schwelen gehalten wurde, ohne dass das Holz zu verbrennen begann. Ein kleiner Grubenmeiler konnte schon etwa einen Tag nach dem Anfahren geöffnet und die Holzkohle entnommen werden. Größere Meiler waren auch deutlich länger in Betrieb.
Etwa sieben bis acht Tonnen Holz wurden benötigt, um eine Tonne Holzkohle herzustellen. Zur Holzkohlegewinnung, setzte man im Mittelalter daher u.a. “Bäume auf Stock”. Hierzu wurde der Baum rund einen Meter über dem Boden gekappt, so dass sehr schnell armdicke Äste nachwuchsen. Das Spalten des Holzes zur Verwendung im Grubenenmeiler konnte so zum Teil entfallen. Zudem wurde durch diese Art der Waldwirtschaft eine höhere quantiative Ausbeute von Brennholz erreicht.

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Rund 10 Kilogramm Holzkohle aus dem Grubenmeiler in Eglsee werden zur Zeit auf die Holzartenzusammensetzung von Franz Herzig am Dendrolabor des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege untersucht. Wir können gespannt sein, welche Bäume am Erzberg zur Holzkohleherstellung im 8. Jahrhundert gefällt wurden. Wie stark der Mensch schon im 8. und 9. Jahrhundert in den Holzbestand der mittleren Oberpfalz eingriff, zeigen erste Untersuchungen an Holzkohlen aus Kümmersbruck. Hier finden sich fast nur noch dünne Äste und Stämme, vorwiegend von Erlen, die für die Erreichung der bei Schmieden von Klingen zum Feuerverschweißen benötigten Temperaturen nicht mehr geeignet waren. Möglicherweise war dies der Grund, warum die Produktion am Bachweg in Kümmersbruck nach der Dendrodatierung eines Stücks Buchenholzkohle im Jahr 886 eingestellt werden musste.

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Neues aus Umelsdorf: Hinweise auf eine frühmittelalterliche Vorgängerbebauung im Bereich der Nikolauskirche

Thursday, 19. May 2016 5:26

Neues und hoch Spannendes aus dem schönen Umelsdorf bei Kastl im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach: Die Radiokarbondaten zu den beiden frühen Steinbauten unter der heute stehenden romanischen Nikolauskirche aus dem frühen 12. Jahrhundert sind da. Die Holzkohlen aus dem Setzmörtel der Südmauer am Apsiseinzug der Vorgängerkirche erbrachten Datierungen in den Zeitraum von 665 bis 775 n. Chr., die Datierungen des westlich dieser Steinkirche stehenden Gebäudes gehören in den Zeitraum von 895 bis 1020 n. Chr. Demnach ist es wahrscheinlich, dass Umelsdorf eine der ältesten bekannten Kirchengründungen in der heutigen Oberpfalz besitzt. Hierbei dürfte frühkarolingischer Einfluss des nahe gelegenen Königshofs in Lauterhofen, der bereits vor 788 bestand und dem letzten agilofingischen Herzog Tassilo III. von Karl dem Großen als Lehen verliehen worden war, eine entscheidene Rolle gespielt haben.
Bei dem westlich anschließenden Gebäude könnte es sich um einen Saalbau bzw. Repräsentationsbau des 10. Jahrhunderts gehandelt haben, der mit nur sehr geringem Abstand unmittelbar westlich der Kirche stand. Derartige Baukonzeptionen, in der Bauwerke unterschiedlicher Funktion in axialer oder aber rechtwinkliger Ausrichtung mit sehr geringem Abstand nebeneinander standen, sind für das 9./10. Jahrhundert mehrfach bekannt, in der mittleren Oberpfalz etwa von der Adelscurtis Schmalnohe oder dem Burgzentrum Sulzbach.
Spannend ist auch, dass die im Urkataster verzeichneten Parzellenfluchten um die Kirche, die noch heute im Wesentlichen erhalten sind, mit den Baufluchten der Steingebäude des frühen Mittelalters weitgehend übereinstimmen, während die Kirche des frühen 12. Jahrhunderts gegenüber diesen Grenzen im Kataster deutlich nach Süden gedreht liegt. Die Ausrichtung der Parzellierung um die Kirche könnte somit ihren Ursprung in der frühmittelalterlichen Situation eines karolingischen Herrenhofs haben.
Für die Beurteilung der frühmittelalterlichen Herrschafts- und Kirchengeschichte im Raum Lauterhofen-Amberg-Sulzbach sind die Befunde aus Umelsdorf ein ganz wichtiger Puzzlestein. Im Zuge der weiteren Sanierung der Nikolauskirche werden wir diese frühen Gebäude hoffentlich noch einmal genauer unter die Lupe nehmen können.
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Bilder (c) M. Hensch, G. Gresik, Schauhütte Archäologie, Bayer. Vermessungsverwaltung (Plangrundlage)

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Beginn der Untersuchungen am Drillingsfeld bei Amberg-Eglsee

Thursday, 12. May 2016 18:48

Nach Pfingsten beginnen wir mit ersten archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der Erweiterung des Neubaugebiets Drillingsfeld zwischen Eglsee und Alt-Eglsee bei Amberg. Die ersten Sondagen hatten im letzten Jahr Hinweise auf Köhlerei- und Montantätigkeiten der Karolingerzeit am Südwesthang des Amberger Erzbergs nördlich des Speckmannshofer Bachs erbracht. Wir sind sehr gespannt, was da unter dem Humus auf uns wartet. Interessierte Besucher sind jederzeit willlkommen.

Bild (c) Oberpfalznetz / Der Neue Tag
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Ein Lebensbild des 11. Jahrhunderts der Curtis Dominicalis Smalnaha / Schmalnohe

Thursday, 5. May 2016 17:14

Smalnaha / Schmalnohe - “Curtis Dominicalis”.
Für eine Informationstafel zu unseren Ausgrabungen im Bereich des früh- und hochmittelalterlichen Herrenhofs in Schmalnohe bei Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach haben wir ein Lebensbild des 11. Jahrhunderts als Idealrekonstruktion entworfen, das von Grafiker und Museumsleiter Roger Mayrock (Kempten) grafisch umgesetzt wurde. Es zeigt den befestigten Hof mit der möglicherweise karolingischen Kirche St. Martin und dem von uns ausgegrabenen repräsentativen Steinbau, der wohl aus dem 10. Jahrhundert stammt. Daneben sollen bäuerliche Wirtschafts- und Wohngebäude mit Vollwalm- und Satteldächern sowie Grubenhäuser den ökonomischen Charakter eines solchen herrschaftlichen Platzes während des Mittelalters anzeigen.
Wir finden, es ist ein eindrucksvolles Bild geworden, das dem Besucher einen guten Eindruck vermitteln kann, wie derartige Herrenhöfe vom 9. bis zum 12. Jahrhundert ausgesehen haben könnten. Die Schautafel mit Informationen zur Archäologie und Siedlungsgeschichte Schmalnohes wurde dankenwerterweise von der Gemeinde Edelsfeld finanziert und wird in kürze im Bereich der Ausgrabungsflächen aufgestellt werden.

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Bild (c) R. Mayrock, Kempten, nach Vorlage M. Hensch (Schwaighausen)

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