Beiträge vom June, 2016

Die Datierung der hölzernen Pfahlrostbrücke über den Erlbach in Sulzbach…

Sunday, 26. June 2016 12:34

Nun ist es also Gewissheit: Die von uns dokumentierte hölzerne Pfahlrostbrücke an der “Alten Straße” über den Erlbach in Sulzbach-Rosenberg stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nachdem schon die gezogenen Drahtnägel, mit denen die eisernen Rammschuhe an den Pfählen befestigt waren eine sehr junge Zeitstellung nahe legten, konnte der Dendrochronologe Franz Herzig vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege die Fichtenstämme der Brückenkonstruktion in eine, wenn auch nur kurze Fichtenkurve aus dem Oberpfälzer Jura in das Jahr 1934 einhängen. Nun erbrachte die 14C-Datierung eines Jahrringabschnitts aus Pfahl Nummer 34 zudem ein Alter von 90 +/- 30 Jahren vor 1950. Dies entspricht einem wahrscheinlichstem Kalenderalter von 1808 bis 1928. Der Jahrring unserer Probe aus Pfahl Nummer 34 ist 53 Jahre vor der Fällung der Fichte ausgebildet worden. Setzt man nun das Fälldatum 1934 voraus, wie es die von Franz Herzig benutzte Fichtenchronologie nahe legt, so stammt unsere Probe aus dem Jahr 1881. Diese Datierung liegt also voll im wahrscheinlichsten Altersbereich von 1808 bis 1928. Den archivalischen Quellen nach wurde im Jahr 1934 durch den sogenannten Reichsarbeitsdienst mit der Regulierung des Erlbachs “auf Höhe der Dreifaltigkeitskapelle” begonnen - das ist genau der Abschnitt, der von der jetzigen Baumaßnahme erfasst wurde. Ein Vergleich der Lage der Brückenübergänge des 20. Jahrhunderts mit dem um 1832 entstandenen Urkastaster zeigt zudem, dass der historische Verlauf der Alten Straße am Übergang über den Erlbach etwa 11 m weiter südlich gelegen hat - wir haben also wahrscheinlich “an der falschen Stelle” gebaggert…
…und selbst wenn es schade ist, dass die aufgedeckte Brückenkonstruktion nicht aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit stammt, so ist doch interessant, wie kurz die Erinnerungsspannen für derartige Baumaßnahmen in unserer modernen Gesellschaft sind, denn in Sulzbach kann sich offenbar niemand - oder kaum noch jemand unmittelbar - an dieses, wahrscheinlich erst in den 1960er Jahren abgebrochene Brückenbauwerk erinnern - zumindest hat sich bislang niemand zu Wort gemeldet, der eine Erinnerung daran hat. Auch die Archäologie des 20. Jahrhunderts sollte also ihren Platz haben.

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“…macht Euch die Erde untertan” - archäologische Hinweise auf den Umfang frühmittelalterlicher Eisenproduktion am Amberger Erzberg bei Eglsee

Friday, 17. June 2016 10:20

Hier nun ein aktuelles Update zu unseren Ausgrabungen im Baugebiet Drillingsfeld 2 (Stadt Amberg).
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Die Befundsituation belegt eindrucksvoll, wie sehr der Mensch wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert in den Naturraum der heutigen Oberpfalz eingegriffen hat und wie stark sich hierdurch die Landschaft veränderte. Anhand der angetroffenen archäologischen Befunde und der Bodenprofile lässt sich nämlich zeigen, dass es am Südhang des Amberger Erzberges im Frühmittelalter erhebliche Bodenverluste durch Erosion gegeben haben muss. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Grund hierfür die großflächige Rodung der Hänge zur Holzkohlegewinnung im Zusammenhang mit der Eisenerzverhüttung und der Weiterverarbeitung des gewonnenen Eisens war. Im gesamten, etwa 4 Hektar großen Areal waren aufgrund dieser Erosionsvorgänge des Frühmittelalters daher leider nur noch wenige archäologische Strukturen anzutreffen, die sich zudem nurmehr sehr flach erhalten hatten. Darunter befand sich ein frühmittelalterliches Grubenhaus im oberen Hangabschnitt, das Keramik des 7./8. Jahrhunderts erbrachte.
In der Niederung ließen sich mehrere alte Bachläufe nachweisen, an deren Rändern intensiv Eisenverhüttung stattgefunden haben muss, denn die Sohlen der nur noch etwa 20 bis 30 cm tief erhaltenen Bachbetten waren extrem stark mit Eisenverhüttungs- und Weiterverarbeitungsschlacken, geröstetem und gepochtem Eisenerz sowie Ofenresten, darunter auch mehrere Verschlusssteine zum Abdichten des Ofenmundlochs, verfült. Durch das “Mundloch” konnte die Schlacke aus dem Ofenschacht abgestochen werden und in eine Grube oder einen Kanal vor dem Ofen abfließen. Die oberen Ränder der Bachläufe und die Öfen selbst waren ebenfalls durch die starke Erosion abgegangen und von eingeschwemmten Bodenmaterial (sog. Kolluvium) überlagert. Die Bachläufe mündeten am Fuß des Hanges ein eine breite, wohl sumpfige Senke, an deren Rand sich ein gut erhaltener, auffallend großer Rennfeuerofen zur Eisenverhüttung fand. Dieser wurde wahrscheinlich an gleicher Stelle mehrfach erneuert. Weit über 200 kg Schlacke und Luppenreste haben wir bislang aus den Resten dieses Verhüttungsofens geborgen. Außerdem fanden sich zahlreiche Fragmente von verschlackten Düsenziegeln, über die die Luft mit Hilfe von Blasebälgen in den Ofen eingeblasen wurde. Zudem lässt sich an diesem Ofen erkennen, dass die Hüttenleute verstärkt quarzhaltigen Sand als silikatisches Flussmittel einsetzten, um so den Reduktionsvorgang innerhalb des Ofens während der Verhüttung zu optimieren. Die Keramikfunde weisen den Ofen wahrscheinlich dem 8., möglicherweise sogar dem späten 7. Jahrhundert n. Chr. zu. Dankenswerterweise finanziert die Stadt Amberg als Auftraggeber einige 14C-Untersuchungen zu den Befunden, so dass wir hoffentlich bald weitere Aufschlüsse zum Alter der frühen Eisenindustrie am Hang des Erzberges bei Alt-Eglsee erhalten. Wir werden Euch über die Ergebnisse informieren.

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(c) Bilder M. Hensch, Schauhütte Archäologie

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