Beiträge vom July, 2016

Fakten, so hart wie Eisen… zur Frühzeit der Hammertechnologie in der nördlichen Oberpfalz…

Wednesday, 20. July 2016 22:01

Interessante Neuigkeiten zur Geschichte der Eisenhammertechnologie in der nördlichen Oberpfalz… Erstmals liegen nämlich mit den Ergebnissen der 14C-Proben aus unseren Untersuchungen unter der St. Laurentiuskirche in Hütten “harte” Fakten zum Beginn der Eisenhammertechnologie vor. Die Radiokarbondaten aus der ältesten Schmiedeschlackenschicht unter der Kirche im Bereich des Hammerguts datieren die Aufnahme der Hammerproduktion an diesem Standort an der Heidenaab mit großer Wahrscheinlichkeit in den Zeitraum von 1280 bis 1320. Die Proben stammen aus einer Schicht, die aus Abfällen der Eisenhammerproduktion entstanden ist, die wiederum unmittelbar auf einer durch Hochwasser der Heidenaab entstandenen natürlichen Schwemmschicht auflag. Die Proben repräsentieren momentan also den ältesten bei der Fundamentuntersuchung des Kirchleins erfassten Kulturauftrag. In den Daten spiegelt sich die technologische Revolution im Montanwesen der Oberpfalz ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wider, die dem Raum vor allem durch die Etablierung der Eisenhammertechnologie eine europaweite Spitzenstellung bei der vorindustriellen Eisen- und Stahlerzeugung bescherte… wir finden, das ist eine Meldung wert!
agricola_hammerwerk_mit_rennherd.jpg

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (1)

Neue 14C-Daten aus unseren Grabungen am Drillingsfeld bei Amberg-Eglsee

Wednesday, 13. July 2016 17:37

Noch einmal Amberg-Eglsee - die freundlicherweise von der Stadt Amberg finanzierten 14C-Daten zu unseren Montanbefunden am Drillingsfeld sind da…
… Die Proben aus dem kleinen Grubenhaus am oberen Hangbereich östlich der Frühlingsstraße datieren in die spätkarolinigsich-ottonische Zeit von 885 bis 1015 n. Chr. Die Proben aus dem bereits vorgestellten Rennofenbefund lieferten zwei relativ stark voneinander abweichende Datierungen. Diese liegen in den Zeiträumen von 600 bis 660 n. Chr. und von 775 bis 975 n. Chr. liegen. Interpoliert man beide Radiokarbonalter zu einem gewichteten Mittel, so liegt die größte Datierungswahrscheinlickeit im Zeitraum von 684 bis 717 n. Chr. Diese Datierung würde sich sehr gut mit der Datierung der aus der Verfüllung der Ofengrube geborgenen handaufgebauten, rauwandigen Keramik zur Deckung bringen lassen. Somit haben wir neben dem Rennofenbefund aus Hartmannshof zwischen Hersbruck und Sulzbach möglicherweise einen zweiten Beleg für Eisenerzverhüttung und Eisenverarbeitung auf der mittleren Frankenalb und dem anschließenden Bruchschollenland bereits in der Zeit um 700 n. Chr.
Erstaunlich sind die Daten einer weiteren Probe, die wir aus der Verfüllung eines mit Schlacken und Ofenabfällen durchsetzten ehemaligen Bachbetts nördlich des Rennofens entnommen haben. Sie datiert in den Zeitraum von 360 bis 170 v. Chr. und ist somit latènezeitlich (Stufen Latène B/C). Ob sich hier tatsächlich keltische Eisenverarbeitung fassen lässt, ließe sich nur durch weitere 14C-Datierungen aus diesen Verfüllschichten klären. Super spannend ist es allemal und wiederum wird die große Bedeutung archäologischer Quellen für die frühe Geschichte der Oberpfalz deutlich sichtbar. Dies zu erkennen und dementsprechend zu würdigen und zu fördern, ist auch Aufgabe der Städte, Gemeinden und Kommunen.

b1.JPG

b2.JPG

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)

Archäologische Erkenntnisse zur Baugeschichte der Laurentiuskirche in Hütten bei Grafenwöhr

Sunday, 10. July 2016 14:25

Hier kommt eine Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Bauuntersuchung an der Kirche St. Laurentius in Hütten, Stadt Grafenwöhr, Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab.
Die vor Beginn der Untersuchung formulierten Fragen zur Baugeschichte und Datierung der Hüttener St. Laurentiuskirche konnten durch die Untersuchung der Fundamentabschnitte Ende Juni größtenteils beantwortet werden.
Im gesamten Bereich des Kirchenumgriffs wurde eine ausgedehnte Schwemmsandschicht angetroffen, die massive Überschwemmungsereignisse im Bereich der Heidenaabniederung wohl während des Mittelalters überliefert. Diese Schwemmschichten wurden von einer bis zu 1,3 m mächtigen Schlackeabfallschicht der spätmittelalterlichen Eisenhammerproduktion überlagert. Hier lässt sich die Dimension spätmittelalterlicher Eisenindustrie an der unteren Heidenaab erahnen. Die noch ausstehende Radiokarbondatierung aus Holzkohlen in dieser Schicht wird zu deren Entstehungszeitpunkt weitere Anhaltspunkte liefern.

hutten1.JPG
Den ältesten Baubestand stellt der heutige kleine Kirchensaal dar, zu dem auch der unregelmäßig gebrochene Polygonalchor gehört. Aufgrund der Bautechnik und der stratigraphischen Beobachtungen gehört der Kirchenbau in das Spätmittelalter, wobei das überlieferte Baudatum 1472 sehr gut mit dem archäologisch-baugeschichtlichen Befund korrespondieren würde. Ob es sich bei diesem spämittelalterlichen Kirchenbau um die erste Kirche am Platz gehandelt hat, lässt sich durch die Untersuchung nicht klären. Es ist möglich, dass sich sowohl in den nicht untersuchten Flächen, besonders im Innenbereich, Spuren eines hölzernen Vorgängerbaus befinden, die sich dem archäologischen Nachweis momentan entziehen. Ferner könnten auch unterhalb der wohl durch Hochwasser entstandenen Schwemmschicht noch ältere Baureste, dann wohl am ehesten ebenfalls aus Holz, vorhanden sein. Die Klärung dieser Fragen ist künftigen archäologischen Maßnahmen vorbehalten.respondiert. Zudem könnte das Dachwerk der Kirche noch aus ihrer Erbauungszeit stammen, so dass möglicherweise eine dendrochronologische Untersuchung der im Dachstuhl verbauten Hölzer das Baudatum 1472 hutten2.JPGverifizieren könnte.
Die Untersuchung legt zudem nahe, dass sich zur Bauzeit nördlich der Kirche ein größerer Baukörper befunden hat, auf den man bei der Errichtung Rücksicht nehmen musste. Wahrscheinlich verband man diesen erschlossenen Bau mit der Nordwand des Chores. Hierauf deutet zumindest eine beim Abbruch des gebäudes entstandene Abrissfuge im oberen Teil der Chornordwand hin, die im Inneren der Sakristei sichtbar ist. Zudem erklärt sich somit auch der nicht vollständig ausgeführte 5/8-Chor der Kirche: Da das Gebäude im Norden bereits stand konnte der Chor nicht gleichmäßig geschlossen werden.
Da weder der Westturm, noch die Sakristei auf der Uraufnahme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verzeichnet ist, sind beide Bauteile frühestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet worden. Nach mündlicher Überlieferung ist der Sakristeianbau erst nach 1900 an den Chor angefügt worden. Dagegen dürfte der Turm noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Hierfür sprechen insbesondere seine gegenüber der Sakristei verhältnismäßig qualitätvolle Fundamentausführung sowie die im Neo-Renaissancestil gehaltenen Bauformen.
Die archäologische Begleitung der Fundamentsondagen an der St. Laurentiuskirche gibt einen bescheidenen, aber dennoch sehr spannenden Einblick nicht allein in die Ortsgeschichte von Hütten, sondern auch in die Verbidung von Herrschaft und Frömmigkeit im spätmittelalterlichen Montanwesen der Oberpfalz.

hutten3.JPG

hutten4.JPG

Thema: Grabungsprojekte, Hintergründe | Kommentare (0)