Beiträge vom April, 2017

Neuerscheinung zur Burgenarchäologie in der Oberpfalz

Monday, 24. April 2017 20:33

Endlich - es ist soweit. Heute war in Thurndorf (Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab) Buchvorstellung der Monographie zu unseren Grabungen auf der ehemaligen Burg Thurndorf in der nordwestlichen Oberpfalz. Mittlerweile ist es 15 Jahre her, dass die Grabungen dort abgeschlossen wurden. Das Buch war eine “schwere Geburt”, umso größer ist die Freude. Dank an alle, die sich für die Realisierung und Finanzierung eingesetzt haben.
Das Buch “Die Burg der Herren von Thurndorf. Archäologische Spurensuche an einem fast vergessenen Platz hochmittelalterlicher Herrschaftsbildung” ist im Verlag der Buchhandlung Eckhard Bodner in Pressath erschienen, hat 227 Seiten und kostet 24,90 € (ISBN 978-3-939247-75-3).

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Angst vor Wiedergängern im Amberg des 14. Jahrhunderts?

Thursday, 13. April 2017 5:18

Unter den inzwischen zahlreichen von uns ausgegrabenen spätmittelalterlichen Gräbern auf dem Amberger Spitalfriedhof sticht dieses ungewöhnliche Männergrab des 14. Jahrhunderts hervor. Die seltsame Postionierung des Schädels könnte darauf hindeuten, dass der Mann enthauptet wurde. Zwar steht eine genaue paläopathologische Untersuchung der Halswirbelsäule durch eine(-n) Anthropologen (-in) noch aus, doch ist die Position des Kopfes auf natürliche Weise nicht zu erklären. Vielmehr scheint der (abgeschlagene?) Kopf dem Toten (nach seiner Hinrichtung?) zwischen die Schultern gesetzt worden zu sein. Sehr ungewöhlich ist ferner die ohne Zweifel intentionelle Steinsetzung unmittelbar vor dem Gesicht des Verstorbenen. Auch der im Bereich des linken Oberarms freigelegte zweite Stein könnte ursprünglich vor dem Schädel gestanden haben und erst nachträglich verkippt sein. Zugleich liegt er jedoch auch direkt über dem Herzen des Toten.

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Die Befundsituation lässt an die Angst vor Nachzehrern denken, eine spezielle Art des Wiedergängerglaubens, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit weit verbreitet war: In der Vorstellung der damaligen Menschen waren “Nachzehrer” Wiedergänger, die auf irgendeine Art Angehörige oder andere Menschen in den Tod nach sich ziehen. Der Grund für die Vorstellung lag wie bei anderen Wiedergängern auch in der Bosheit des Toten zu Lebzeiten, in seiner “Gier nach Leben” oder auch im Wunsch des Toten nach einem weiteren Verbundensein mit seinen Angehörigen. Oft war der Tote schon zu Lebzeiten eine “böse oder unheimliche Person”. Weit verbreitet war dabei die Vorstellung, dass Nachzehrer im Grab an Dingen wie etwa Kleidung oder Totenbandagen herumkauen, zehren und schmatzen würden. Als ein probates “Abwehrmittel” galt daher u.a. dem “nachzehrenden” Toten einen Stein in den oder in Reichweite des Mundes zu legen, damit er sich “daran die Zähne ausbeiße”…

Möglicherweise haben wir hier also einen mentalitätsgeschichtlich hoch spannenden Befund ausgegraben!

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“…das ist doch (̶k̶)ein Beinbruch…” - Was uns Knochen noch so erzählen können…

Wednesday, 5. April 2017 19:14

Der leitende Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und Leiter des Traumazentrums am Klinikum St. Marien in Amberg, Dr. Robert Bauer, hat uns freundlicherweise auf unserer Grabung im Bereich des Amberger Spitalfriedhofs besucht und nimmt sich einer spätmittelalterlichen Bestattung an. Sehen Sie, was er uns spannendes berichten kann und klicken Sie hier

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Vielen Dank an Dr. Robert Bauer für seine Expertise!

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